bedeckt München 24°

Internet-Partys:DJs im Stream

Als eine der treibenden Kräfte, die seit dem Lockdown immer wieder auf die Notlage der Münchner Clubszene aufmerksam machten, wich das Harry Klein schon Mitte März zur einzigen Alternative in diesen Zeiten aus: zur Party per Live-Stream. Die bringt zwar kein Geld ein, sorgt aber zumindest dafür, dass es um die Clubszene nicht völlig still wird - und ermöglicht es dem Technoclub, sich auch dieses Jahr, trotz Corona, wieder in sein weibliches Pendant, das "Marry Klein" zu verwandeln. Seit neun Jahren stellt der Club ein feministisches Festival auf die Beine, das auf das Missverhältnis hinter den Mischpulten dieser Welt aufmerksam macht. Denn an den Turntables der Clubs sieht man meist nur männliche DJs. Während des Festivals "Marry Klein" spielen einen Monat lang nur Frauen an den Decks - weltweit eine Seltenheit. "Wir geben den weiblichen DJs den Raum, der sonst schwer erkämpft werden muss", sagt Peter Fleming, der das Harry Klein betreibt.

Da das Festival nun vom Club in die Wohnzimmer verlegt wurde, gibt es bis zum 27. Juni jeden Mittwoch, Freitag und Samstag von 19.30 Uhr an kostenlose Live-Streams mit elektronischen Musik- und Visual-Sets von verschiedenen DJ- und VJ-Frauen. Allein 50 Künstlerinnen aus München werden dieses Jahr zu hören und zu sehen sein, weitere weibliche DJs und Live-Acts aus Bayern erweitern das Programm. Mit der Live-Stream-Premiere führt das Clubfestival auch ein neues Format ein: Die dreimal wöchentlichen Musik-Streams werden jetzt durch einen Kulturdonnerstag erweitert. Jeweils von 19.30 Uhr an gibt es Talkrunden und Diskussionen mit Künstlerinnen und Politikerinnen wie etwa Karin Habenschaden, der Zweiten Bürgermeisterin und der Schirmherrin des "Marry Klein"-Festivals. Auch Poetry Slams sowie Lesungen und Kurzfilme über feministische Themen rund um die elektronische Clubkultur stehen auf dem Programm. Infos: www.twitch.tv/harrykleinclub oder über den Facebook- und Youtube-Kanal des Harry Klein.

© SZ vom 04.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite