Das Jazz-Weekend Unterföhring hat sich in den vergangenen Jahren einen exzellenten Ruf erarbeitet und viele Münchner Jazzfreunde zu einem Abstecher in den Vorort gelockt, spätestens seit der Münchner Bassist Harald Scharf 2014 die Leitung übernahm und große Namen wie herausragende Talente der internationalen Szene nach Unterföhring holt. Im vergangenen Jahr konnte man seine Rezeptur in Reinkultur erleben, mit dem amerikanischen Gesangsstar Michael Mayo auf der einen, der fulminanten aufstrebenden französischen Harfenistin Sophye Soliveau auf der anderen Seite.
Man muss sich nun keine Sorgen machen, wenn man das Jazz-Weekend vergeblich im Kalender sucht. Das kleine Festival gibt es nach wie vor, es heißt jetzt nur anders: Als „Internationales Feringa Jazzfestival“ geht es in diesem Jahr von 16. bis 19. Juli über die Bühne. Weil man sich vom gleichnamigen Jazz-Weekend Regensburg abheben und mit dem auch bei anderen Veranstaltungen gepitchten „Feringa“ das Lokale betonen wollte. Aber auch, „weil wir ja gar kein Weekend mehr sind, sondern vier Tage machen, sozusagen extended. Diesen Festivalcharakter wollten wir betonen“, erklärt der neue Kulturamtsleiter Florian Nagel.
Die Besetzung der vier Tage schließt hingegen nahtlos an die früheren Jazz-Weekends an. Den Auftakt am Donnerstag, 16. Juli, bestreitet der Saxofon-Star Kenny Garrett. Spätestens seit dem Tod von Sonny Rollins im Mai ist der Mann aus Detroit einer der letzten verbliebenen großen Alten seines Fachs – selbst wenn er erst 65 Jahre alt ist. Denn schon mit 18 wurde er ins Duke Ellington Orchestra geholt, danach folgte eine steile Karriere, die ihn von Art Blakeys Jazz Messengers über Miles Davis und Pat Metheny bis zu Sting und Peter Gabriel führte.
Unter den mehr als 200 Alben, auf denen er zu hören ist, finden sich denn auch etliche eigene, die inzwischen Klassiker sind. Geschafft hat er das mit einem konkurrenzlos energetischen Spiel, einer „Wall of Sound“. Freilich hat er es in jüngerer Zeit auch etwas ruhiger und lyrischer angehen lassen. Ein gelassener, aber trotzdem dynamischer Rückblick prägt das aktuelle Programm: Auf „Sounds From The Ancestors“ beschäftigt sich Garrett mit den Traditionslinien der Schwarzen Musik.
Tags darauf kommt dann wieder ein „Rising Star“ zum Zug: die 1998 in San Francisco geborene Vibrafonistin Sasha Berliner. Inmitten der neuen Generation herausragender, genreübergreifender Jazzer gehört sie zu den größten Talenten. Dass sie ursprünglich Rock-Schlagzeugerin werden wollte, kann man ihrem Spiel anhören: Komplex und zugänglich zugleich baut sie Anleihen bei Pop, Rock und Funk in ihre eigene Musiksprache ein. Einer der wichtigsten französischen Jazzkritiker notierte gar: „Nie zuvor habe ich eine Vibrafonistin gehört, die eine solche Kraft entfaltet.“

Mit der französischen Sängerin Cyrille Aimée ist am Samstag eine der wichtigsten Stimmen des Jazz dies- wie jenseits des Atlantiks zu Gast. Die 41-Jährige wuchs in Fontainebleau mit den afro-karibischen Klängen ihrer aus der Dominikanischen Republik stammenden Mutter auf. Bald aber verliebte sie sich in den Jazz und zog schon als junge Sängerin nach New York, wo sie schnell den Durchbruch schaffte. Trotzdem zog sie 2017 nach New Orleans, sozusagen zu den Wurzeln des Jazz. Dieser Dreiklang prägt ihren originellen Stil, wie man auch in Unterföhring bei ihrem neuen Programm „A Fleur de Peau“ hören wird.
Zum Abschluss des Festivals geht es in den Balkan. In dessen reiche Musiktradition ist der herausragende bulgarische Kaval-Flötist Zhivko Vasilev tief verwurzelt. Schon seit einiger Zeit kultiviert er das Feuerwerk aus den typisch melismatischen Melodien, den farbenprächtigen Harmonien und den Balkan-Grooves zusammen mit dem grandiosen slowenischen Klavier-Perkussion-Duo Harmelogic. Im zweiten Set stößt dann auch noch die Sängerin Rayan Vasileva dazu. Ein mal wirbelwilder, mal melancholischer, mal fröhlich poetischer Ausklang.
Internationales Feringa Jazzfestival, Donnerstag bis Sonntag, 16. bis 19. Juli, Bürgerhaus Unterföhring

