Internationale Bauausstellung für München?Experimente bei Mobilität und Verkehr

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Früher ein Hüttenwerk, heute ein Landschaftspark: Diese Verwandlung ist Resultat der Internationalen Bauausstellung in Duisburg gewesen.
Früher ein Hüttenwerk, heute ein Landschaftspark: Diese Verwandlung ist Resultat der Internationalen Bauausstellung in Duisburg gewesen. Jochen Tack/imago

OB Reiter und viele Lokalpolitiker aus dem Umland sind sich einig: Um über Gemeindegrenzen hinweg mehr zu erreichen, soll bis 2020 ein Konzept vorgelegt werden

Von Sebastian Krass

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Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter denkt an ein "Seilbahnsystem", das Stadt und Umland deutlich früher und unkomplizierter verbinden könnte als neue Schienenverbindungen. Christoph Göbel, Landrat des Landkreises München, könnte sich auch eine Seilbahn zwischen S3 und S7 vorstellen, um etwa das geplante Zentrum des bayerischen Raumfahrtprogramms "Bavaria One" zwischen Taufkirchen und Ottobrunn besser anzubinden als mit "possierlichen Buslinien". Der Dachauer Landrat Stefan Löwl erhofft sich, dass es endlich schneller geht mit der "Mobilitätsdrehscheibe Breitenau", bei der Pendler von einem Parkplatz mit einem Werksbus etwa zu BMW gefahren werden sollen und ihre Arbeitszeit im Bus beginnen können.

An Ideen, was eine Internationale Bauausstellung (IBA) bringen könnte, mangelt es nicht. Auch sind sich relevante Lokalpolitiker, etwa Freisings OB Tobias Eschenbacher und Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle, einig, dass eine IBA eine gute Sache wäre - insbesondere, um über Gemeindegrenzen hinweg mehr zu erreichen. Das demonstrierten sie am Montag während eines Pressegesprächs im Amtszimmer von OB Reiter, bei dem sie eine Machbarkeitsstudie zu einer IBA mit dem Leitthema "Räume der Mobilität" vorstellten. Der nächste Schritt soll nun sein, dass am Mittwoch der Planungsausschuss des Münchner Stadtrats die Verwaltung beauftragen, Finanzierung, Organisation und Trägerschaft zu klären. Reiter wünscht sich Unterstützung von Freistaat und Bund, auch Wirtschaft und Wissenschaft sollen sich beteiligen. Ende 2020 soll den teilnehmenden Kommunen ein Konzept vorgelegt werden und "der Startschuss für die IBA in der Stadt und Region München folgen", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Dann würde die IBA zehn Jahre lang laufen.

Es wäre eine Ausstellung, bei der es trotz des Namens eben nicht primär ums Bauen geht, wie OB Reiter erklärte: "Als ich davon zum ersten Mal gehört habe, dachte ich, wir machen einen Hochhauskongress oder so." Auch wenn hier primär um das Thema Mobilität gehe, bleibe es beim Namen IBA, "das erklären wir dann immer wieder", ergänzte Reiter. Das Konzept der IBA gibt es seit mehr als 100 Jahren, stets mit dem Ziel, Experimente beim Planen und Bauen zu wagen und Impulse zu setzen, die internationale Relevanz haben und "die über ihre Zeit hinausweisen", wie es in einer Selbstbeschreibung heißt. Als erste IBA gilt das Projekt Mathildenhöhe in Darmstadt von 1901, eines der wichtigsten Projekte des Jugendstils überhaupt. Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk nahm am Montag Bezug auf eine IBA im Ruhrgebiet, zu der unter anderem das Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen gehörte: "Wenn es uns gelingt, gehen wir wie die IBA Emscher-Park in die Geschichte ein." Derzeit laufen sechs IBAs: in Heidelberg, Stuttgart, Thüringen, Basel, Wien und der Parkstadt Limburg in den Niederlanden. Es gibt kein Auswahlverfahren, theoretisch könnte jede Kommune eine IBA ausrufen. De facto aber wird ein solches Projekt international wahrgenommen und weckt Erwartungen, dass dabei auch etwas herauskommt.

Bei der hiesigen IBA stünden explizit nicht die großen Infrastrukturprojekte wie der Ausbau von S- oder U-Bahn und Tram über Gemeindegrenzen im Mittelpunkt. Sondern das Ziel ist es, innovative Projekte abseits bisheriger Planungs- und Genehmigungsprozesse zu realisieren. Zu den Seilbahnen erklärte Reiter, wenn der Freistaat bei der IBA mitspiele, brauche es vielleicht "keine fünf Jahre Planfeststellungsverfahren, sondern es gibt eine Ausnahmegenehmigung". Aus dem bayerischen Bauministerium heißt es dazu: "Grundsätzlich unterstützen wir fachlich gerne Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verkehrsentlastung im Ballungsraum München führen, und stehen natürlich als Gesprächspartner zur Verfügung." Eine Aussage, die noch vieles offen lässt. Eine Sprecherin des von Andreas Scheuer geführten Bundesverkehrsministeriums erklärt ebenfalls wohlwollend, man freue sich, dass "München sich bemüht, innovative Mobilitätskonzepte zu präsentieren, aber mehr können wir noch nicht sagen". Eine andere Projektidee für die IBA steht unter der Überschrift "Logistik konzenttrieren - Quartiere entrümpeln", dabei würden zentrale Anlaufstellen für alle Paketdienstleister aufgebaut, um den Lieferverkehr zu reduzieren. Erste Tests dazu gab es bereits im Rahmen von "City2Share" in der Isarvorstadt.

Die Kommunalpolitiker vertreten das Projekt mit viel Verve, verbunden mit der Anmerkung, dass die Teilnahme für jede Kommune freiwillig wäre. Aber ist ein Zeitraum bis zum nächsten großen Schritt Ende 2020 nicht etwas arg langfristig? "Für mich sind eineinhalb Jahre nie schnell", sagte OB Reiter. An vielen Projekten werden schon gearbeitet, sagte Landrat Göbel ergänzte. So schreibe der Landkreis München nun Studien aus, um sieben mögliche Seilbahnstrecken zu untersuchen, etwa vom Hachinger Tal über Grünwald und die Isar nach Pullach oder von Unterschleißheim über Garching nach Ismaning. "Die Ergebnisse könnten wir dann schon zum Start der IBA vorlegen."

© SZ vom 28.05.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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