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Interimsquartier:Gäste zum Gebet

Münchner Muslime suchen weiter Räume in der Altstadt

Ihr Beispiel soll Schule machen: In den vergangenen beiden Wochen haben zunächst die Jesuiten, dann die Kammerspiele einen Raum zur Verfügung gestellt, damit muslimische Münchner in der Altstadt ihr Freitagsgebet verrichten konnten. Und damit soll es nicht vorbei sein: Zumindest für die nächsten vier Wochen, bis zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan am 24. Juni, sucht Erkan İnan nun ein festes Quartier im Stadtzentrum. "Wir brauchen nicht viel, nur einen Raum immer am Freitag für etwa zwei Stunden, und wir bezahlen auch Miete", sagt İnan. Er ist nicht nur Mitglied im Münchner Migrationsbeirat, sondern sitzt auch im Vorstand des Münchner Forums für Islam. Gemeinsam mit etwas mehr als einem Dutzend anderen muslimischen Münchnern möchte er bei Bedarf auch das Geld dafür zusammenlegen.

Dass sie zuletzt im Michaelssaal der Jesuiten und in der Kammer 3 des städtischen Theaters an der Maximilianstraße beten durften, seien kleine, aber wichtige Gesten gewesen, findet İnan. Das sei auch eine strategische Frage für die Stadt. Denn unter vielen Muslimen sei das Gefühl latent verbreitet, nur geduldet zu sein. Man müsse ein Zeichen setzen, dass die muslimischen Münchner dazugehören, sagt İnan. Auch Flüchtlinge hätten so eine Anlaufstelle. Und jüngere Muslime, die in den sozialen Medien immer wieder Werbung von Radikalen ausgesetzt seien, würden sehen: Es stehen in München eben nicht die anderen gegen sie selber. "Sondern wir sind eine Stadtgesellschaft!"

In München sind in den vergangenen Wochen mehrere Gebetsräume geschlossen worden; in der Altstadt und im südlichen Bahnhofsviertel gibt es mittlerweile keinen Ort mehr, an dem Muslime freitags ihr Pflichtgebet mit einem Imam beten können. Am 19. Mai wollten deshalb mehr als 100 Münchner auf dem Marienplatz demonstrieren. Nachdem sich rechte Gruppen angekündigt hatten, beteten sie stattdessen bei den Jesuiten. Eine Woche später sprachen die Kammerspiele eine Einladung aus. Die Pläne für den nächsten Ort sind auch schon konkret: Wo sie in dieser Woche beten können, soll spätestens am Montagabend feststehen, sagt İnan.

© SZ vom 29.05.2017 / wet
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