Münchner Kammerspiele Intendant Johan Simons hat Heimweh

Er möchte 2015 zu seiner Frau und seinem Haus in den Niederlanden zurückkehren: Johan Simons, der Intendant der Münchner Kammerspiele, hat seinen Abschied angekündigt.

Von Eva-Elisabeth Fischer

"Nach fünf Jahren muss ich gehen", sagt Johan Simons. "Gegen Heimweh ist kein Kraut gewachsen", stellt Kulturreferent Hans-Georg Küppers nüchtern fest. Immerhin bleibt Intendant Johan Simons den Münchner Kammerspielen noch zwei Spielzeiten erhalten. Dann aber ist endgültig Schluss. Dann kehrt er heim zu seinem Haus am Fluss, 100 Kilometer hinter der deutschen Grenze, 70 Kilometer von Amsterdam entfernt.

Die Sehnsucht nach der Familie, nach seiner Frau, der Schauspielerin Elsie de Brauw, nach seinen beiden - wohlgemerkt erwachsenen - Söhnen ist stärker als die Liebe zum Schauspielhaus an der Maximilianstraße. Läge München gleich hinter der holländischen Grenze, so Simons, gäbe es keinen Grund zu gehen, aber hier, hier komme er jeden Abend in seine Wohnung, ohne seine Frau, seine Kinder dort anzutreffen, und -"das Leben ist endlich". Das ist eine naheliegende Erkenntnis für einen, der die 65 bereits überschritten hat.

Wirklich überraschend war das nicht, was Johan Simons am Ende der Spielplan-Pressekonferenz für die kommende Theatersaison verlas. Er spielt wohl schon eine ganze Weile mit dem Gedanken, mit Auslauf seines Vertrages nach der Spielzeit 2014/15 zurückzukehren in die Niederlande, wo er natürlich weitermachen wird am Theater, man munkelt, am NT Gent. Denn er sei niemand, der frei arbeiten könne.

Küppers hatte versucht, ihn weitere drei Jahre über 2015 hinaus an München zu binden. Dann schreiben wir 2018, ein Jahr, bevor der Vertrag des Kulturreferenten, der dann 64 Jahre alt sein wird, verlängert werden müsste. Und man meint herauszuhören, dass der sein Amt dann auch als erfüllt ansieht. Sein Blick auf Veränderungen hört sich höchst pragmatisch an: "Intendanten kommen und gehen. Das Theater aber bleibt. Und bei einem Kulturreferentenwechsel bleibt die Stadt München."

Internationale Kooperationen

Ganz so einfach ist das natürlich nicht, denn starke Persönlichkeiten hinterlassen ihre Spuren. Simons, der in der Nachfolge von Dieter Dorn und Frank Baumbauer nicht nur den Wunsch des Kulturreferenten nach der Europäisierung des Hauses glänzend erfüllt, möchte die Vernetzung in der kommenden Spielzeit vor allem durch internationale Kooperationen fortsetzen.

Mit zwei Inszenierungen beim diesjährigen Berliner Theatertreffen und Meg Stuarts weltweit reisender Kammerspiel-Produktion "Built to Last" glaubt Küppers, "dass die Kammerspiele in Deutschland ganz oben sind". Und schiebt gleich nach, vielleicht eine Rückversicherung für die Simons-Nachfolger-Findung, dass es auch an einem Theater ein Auf und Ab gebe.

Jetzt geht es erst einmal weiter. Denn Johan Simons sitzt im Malersaal seines Hauses voller Kraft und Tatendrang, wenn es darum geht, in seiner dritten Spielzeit ein neues Theaterkapitel im Stammbuch der einhundertjährigen Kammerspiele anzugehen. Man könnte seine Vorhaben ein abwechslungsreiches Spiel vom Fragen nennen, das der gesellschaftlichen Realität nicht nur in unserem Land nachspürt, als Fokus um das Thema Arbeitslosigkeit kreisend.