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Integration:Sahel Moshref will unbedingt zum Bayerischen Hof

Er würde gerne eine Ausbildung zum Hotelfachmann beginnen, weil es ihm Spaß mache, Kunden zu bedienen. Die Caritas schickte ihn zu Turning Tables. Im April stellte er sich dem Start-up vor. Danach wählte Philippen ihn und 24 weitere Flüchtlinge aus. Ihr Geschäftsmodell sieht vor, dass sie in der Zukunft Vermittlungsprovision von den Unternehmen bekommt. Derzeit finanziert sich das Start-up noch durch Spenden und staatliche Fördermittel.

Sahel Moshref hat sich zu einer Frau gesetzt, die sich als Mitarbeiterin der Personalabteilung des Bayerischen Hofs vorstellt. Sie erzählt, dass es Dienstwohnungen gibt, sagt, dass ihr Hotel ein feines Haus sei. Nach ein paar Minuten sollen die Flüchtlinge eigentlich den Platz wechseln, zum nächsten Unternehmen gehen, aber Sahel Moshref bleibt einfach sitzen. Er will nirgends anders hin, meint er später. Seine Familie sei früher reich gewesen, sie habe einen Chauffeur gehabt. Heute müsse er seinen Eltern Geld schicken, das er mit seinen Jobs in den Imbissbuden verdient.

Projekt Turning Tables, das Flüchtlinge in die Gastro vermittelt. Bayernkaserne.

Projekt Turning Tables, das Flüchtlinge in die Gastro vermittelt. Bayernkaserne. Couscous-Salat und Fleischpflanzerl wird auf die Teller angerichtet

(Foto: Florian Peljak)

Von Juni an machen er und die anderen Flüchtlinge zwei Monate lang einen Vorbereitungskurs bei Turning Tables. "Wir bringen ihnen erste Basics im Service bei. Hygienevorschriften, wie man Gemüse richtig schneidet, wie die Ausbildung abläuft", sagt Sandra Michaela Herman, eine Hotelmanagerin, die als Dozentin den Kurs leitet.

Sie will mit den Flüchtlingen auf den Markt gehen, eine Kaffeerösterei besuchen und mit ihnen in der Küche stehen. Ein großer Teil des Kurses ist Deutschunterricht. Die Flüchtlinge sollen dort Vokabeln lernen, die sie in der Küche und im Service brauchen. Nach acht Wochen sollen sie ein Praktikum in einem Hotel, Restaurant, einer Kantine oder Gastwirtschaft beginnen. Und dann eine Ausbildung zum Beispiel als Koch oder Hotelfachfrau.

Ein Personaler ist Patrick Mühlbauer vom Hilton-Hotel am Flughafen. 551 Zimmer, 30 Konferenzräume, 100 Schritte zum Flugzeug - so beschreibt er es den Flüchtlingen. "Unser Hotel ist sehr, sehr beliebt und wird immer beliebter." Warum er ausgerechnet in einer Flüchtlingsunterkunft Auszubildende sucht? Sein Hotel, sagt er, sei stets auf der Suche nach neuen Einflüssen, nach engagierten Mitarbeitern. Keine Schwierigkeiten, überhaupt Azubis zu finden? Mühlbauer schüttelt den Kopf. "Wir suchen nach Diversität."

Ob es für Sahel Moshref überhaupt klappt mit dem Arbeiten in Deutschland, ist ungewiss. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat seinen Asylantrag abgelehnt. Er klagte dagegen. In ein paar Monaten, glaubt er, kommt ein Brief mit dem Arbeitsverbot - wenn es nicht vorher mit dem Ausbildungsplatz klappt. Aber er gibt sich zuversichtlich: "Ich bin ein Kämpfer. Ich kann hier etwas schaffen."

© SZ vom 29.05.2018/rroi / haeg

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