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Interkulturelles Jugendprojekt Youthbridge, Presse Club, Marienplatz 22

"Jugendliche sollten nicht warten, bis die Erwachsenen etwas tun, sondern selbst aktiv werden", sagt Patricia. Zusammen mit David und Varvara (von links) ist sie Teil des ersten Jahrgangs des Münchner Youthbridge-Programms. Dieses leitet Olaga Kotlytska (rechts).

(Foto: Florian Peljak)

Münchner aus verschiedenen Kulturkreisen wollen sich Gedanken machen, wie das Zusammenleben verbessert werden kann. Dazu bringt die Janusz Korczak Akademie ein Projekt aus New York hierher

Patricia will nicht länger untätig sein. "Jugendliche sollten nicht warten, bis die Erwachsenen etwas tun, sondern selbst aktiv werden", findet die 17-Jährige. Die 15-jährige Ljuba möchte München kreativer machen, Celine, 16, will sich für mehr soziale Gerechtigkeit engagieren. Und David, 18 Jahre alt, tritt mit keinem geringeren Ziel an als folgendem: "Ich will die Welt zu einem besseren Ort machen." Alle vier gehören zum ersten Jahrgang eines neuen Programms, das die Europäische Janusz Korczak Akademie jetzt gestartet hat. Youthbridge nennt es sich, es soll junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Muttersprache und Religion zusammenbringen. In New York trägt das Programm seit mehr als 20 Jahren zum sozialen Frieden in der Stadt bei. Nun soll es auch in München für weniger Vorurteile und mehr Miteinander sorgen.

München ist eine lebens- und liebenswerte Stadt, da sind sich die Schüler und Studenten einig. Doch sie könne noch besser werden: Zwar lebten in der Stadt viele Nationen zusammen, doch es sei schade, dass man das gar nicht so wahrnehme. Die Jugendlichen ärgert auch, dass zwar viel darüber gesprochen werde, wie man Flüchtlinge wieder loswerden könne, aber kaum darüber, wie ein gemeinsames Zusammenleben gestalten werden könnte. Das alles sind Themen, über die sich die knapp 40 Jugendlichen zwischen 15 und Mitte 20 in den kommenden zwei Jahren unterhalten werden.

Einige leben schon seit ihrer Geburt in München oder sind erst vor einiger Zeit nach Deutschland gekommen, sie besuchen die Mittel- oder Realschule oder das Gymnasium. Einige studieren oder sind gerade auf der Suche nach dem richtigen Studienfach. Ursprünglich stammen sie aus Frankreich, Polen, Kroatien, Russland oder Afghanistan. Manche von ihnen sind jüdisch, andere Christen oder Muslime.

Künftig treffen sie sich an einem Sonntag im Monat zu Seminaren. Dort lernen sie, wie sie Podcasts erstellen, Spenden sammeln oder andere Leute für das eigene Vorhaben gewinnen. Zudem diskutieren sie mit Politikern, Wirtschaftsbossen, Kulturschaffenden und Sportlern. "Die Teilnehmer sollen die vielen verschiedenen Facetten der Gesellschaft kennenlernen", sagt Eva Haller, Präsidentin der Janusz Korczak Akademie. Und dabei selbst profitieren: Als Kooperationspartner gewann sie den Kreisjugendring, bei dem die Teilnehmer einen Jugendleiterschein machen können, oder den Versicherungskonzern Allianz, der Einblicke in die Arbeitswelt gewährt.

Die Idee für das Projekt hatte Haller schon vor Jahren. Damals existierte die nach dem jüdischen, von den Nationalsozialisten ermordeten Pädagogen Janusz Korczak benannte Akademie in München erst wenige Monate. Haller reiste nach New York und lernte das Youthbridge-Programm kennen. In der amerikanischen Metropole kam es immer wieder zu religiösen oder ethnischen Konflikten, doch es gab niemanden, der zwischen den Jugend-Gruppen vermitteln konnte. Bei Youthbridge trafen sich Klassensprecher, Stipendiaten, Sportler, Kreative, politisch und gesellschaftlich engagierte junge Menschen, die eine aktive Rolle in ihrer Stadt übernehmen wollen. Darum geht es dem Münchner Ableger ebenfalls. "Auch unsere Stadt wird immer internationaler und multikultureller", sagt Haller. Gleichzeitig würden rechte Gedanken, Rassismus und Antisemitismus mehr und mehr zum Problem. "Wir müssen die Brücken jetzt bauen."

Das sieht der CSU-Stadtrat Marian Offman genauso. Projekte wie Youthbridge seien in einer Stadt, in der knapp die Hälfte der Bevölkerung nicht-deutsche Wurzeln hat, für ein friedliches Miteinander von größter Wichtigkeit. Offman wertet es als "starkes Zeichen", dass sich eine Organisation mit jüdischem Background auch um junge Menschen mit muslimischem Hintergrund bemühe. "Das ist es, was diese Stadt auszeichnet", sagt der Kommunalpolitiker. Der Stadtrat gewährte der Akademie einen Zuschuss von 20 000 Euro für Youthbridge. Sie leiste einen wichtigen Beitrag zur interkulturellen Bildungsarbeit, lobt Bürgermeister Josef Schmid (CSU), der auch die Schirmherrschaft für das Programm übernommen hat. Bereits jetzt haben die Planungen für den zweiten Jahrgang begonnen, der 2018 startet. Auch in München soll Youthbridge keine Eintagsfliege sein.