bedeckt München 11°

Innovatives Projekt:Maximal klimaneutral

Fotovoltaik-Freiflächenanlagen wie hier in Penzberg könnte es auch auf Gräfelfinger Gebiet geben.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Mit der Koppelung von Geothermie- und Fotovoltaiktechnik könnte Gräfelfing die Energiewende deutlich voranbringen

Von Annette Jäger

In der Verknüpfung von Sonnen- und Erdwärme liegt innovatives Potenzial. Wenn es Gräfelfing gelänge, den Strom, der zur Nutzung der Geothermie nötig ist, mit Fotovoltaiktechnik zu erzeugen, wäre ein Maximum an Klimaneutralität erreicht, und die Gemeinde könnte Fördergelder in Millionenhöhe aus dem europäischen "Innovation Fund" erhalten. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Technologie innovativ und übertragbar ist auf andere Länder und keine Einzellösung darstellt. Eine erste Einschätzung der Idee, die beiden Technologien zu verknüpfen, wurde von EU-Seite positiv bewertet. Nun will die Gemeinde das Projekt auf seine Realisierbarkeit hin prüfen lassen.

Gräfelfing ist gerade in Verhandlungen mit potenziellen Partnern, um das Geothermieprojekt zu verwirklichen. In diesem Zuge kam die Idee auf, einen völlig neuen Weg einzuschlagen. Die Geothermie benötige viel Strom, unter anderem für den Betrieb des Fernwärmenetzes, aber auch für den Betrieb der Netzpumpen, erklärte Kai Imolauer vom Beratungsunternehmen Rödl & Partner, das der Gemeinde bei den Geothermie-Verhandlungen zur Seite steht. Könnte dieser Strom über Fotovoltaikanlagen erzeugt werden, wäre eine immense Kohlendioxid-Einsparung möglich. Die Gemeinde könnte den einhundertprozentigen Ökostrom bei sich selbst einkaufen und so auch eine gute Preisstabilität für die Wärme gewähren. Der Europäische Fonds, der sowohl Zuschüsse zu Investitions- wie auch Betriebskosten gewährt, ist eines der weltweit größten Programme zur Förderung kohlendioxid-armer Technologien. Der Förderzeitraum würde sich über eine Dauer von zehn Jahren erstrecken.

Bevor es soweit ist, muss das Projekt intensiv geprüft werden. Die Mitglieder des Ausschusses für überörtliche Angelegenheiten gaben dem Berater nun dafür grünes Licht, nur Gemeinderat Franz Lang (SPD) stimmte dagegen. Einige praktische Fragen sind zu klären, vor allem muss das Projekt wirtschaftlich sein, erklärte Imolauer. So seien große Flächen nötig, um Fotovoltaikanlagen aufzubauen. Dachflächen im Gewerbegebiet würden in Frage kommen, ebenso Flächen auf kommunalen Liegenschaften oder entlang der Bahnlinie. Größtes Potenzial habe aber die Fläche entlang der Lindauer Autobahn A 96. Auf der Nordseite könnte ein Streifen von 3,5 Kilometern in Frage kommen. Die Anlagen ließen sich in Lärmschutzwände integrieren. Einem solchen Vorhaben müsste aber die Autobahndirektion Südbayern zustimmen - das sei der "kritische Punkt", so Imolauer. Genauso vage im Ausgang schätzte er Gespräche mit dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) ein.

Als ersten Schritt schlug Imolauer vor, Unternehmen im Gewerbegebiet zu einem Solar-Workshop einzuladen und das Projekt vorzustellen. Gemeinderätin Frauke Schwaiblmair (Grüne/Unabhängige Liste) regte an, eine Bürgeroffensive zu starten: "Wir sollten auch die Bürger mitnehmen, einen Beitrag dazu zu leisten, autark zu werden". Auch auf privatem Eigentum könnten Fotovoltaikanlangen entstehen. Der Vorschlag wurde in den Beschluss integriert.

© SZ vom 25.11.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite