Auszeichnung:Slam mit Slang

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Auszeichnung: "Wir haben's einfach gemacht": Ko Bylanzky und Moses Wolff.

"Wir haben's einfach gemacht": Ko Bylanzky und Moses Wolff.

(Foto: Veranstalter)

"Wer ko der ko" bekommt den "Innovationspreis Volkskultur" der Stadt München. Ko Bylanzky und Moses Wolff haben die Mundart-Poetry-Reihe 2018 im Hofspielhaus installiert.

Von Oliver Hochkeppel, München

Dass der Dialekt aussterben wird, ist am Ende ebensowenig wahrscheinlich wie dass die Deutschen aussterben, obwohl beides immer wieder gern behauptet wird. Freilich schwinden die regionalen Sprachfärbungen seit Jahren, müssen also gepflegt werden. Bleibt die Frage, wie das besser funktioniert, entweder pluralistisch, also im Miteinander mit den Hochsprachen, oder indem man für die Mundart Reservate schafft. Die Einhegung etwa in den einstigen Bayern-1-Landfunk und allerlei tümelnde Stadl-Formate hat seinerzeit jedenfalls nicht geholfen, sondern dem Bairischen den Ruf des Rückständigen verschafft. Das hat sich erst durch die Öffnung für Multikulturelles und aktuelle Jugendkultur gedreht, die "Heimatsound"-Wellen der vergangenen Jahre sind der beste Beleg dafür.

"Das Bayerische liegt wieder im Trend, auf eine neue Art", befand also völlig zu Recht Bürgermeisterin Katrin Habenschaden am vergangenen Mittwoch im Hofspielhaus. Gemünzt war das speziell auf "Wer ko der ko", den laut Selbstbeschreibung "weltweit einzigen" bairischen Poetry-Slam, den Slam-Gründervater Ko Bylanzky und Multitalent Moses Wolff - Schauspieler, Autor, Kabarettist, Regisseur und eben auch Programm-Macher im Hofspielhaus - dort 2018 installiert haben. Als Musterbeispiel für undogmatischen, zeitgemäßen und fröhlichen Umgang mit Mundart, wie die fünf Gäste dieses Abends bewiesen.

Kunstvoll vertrackte Achternbuschiaden und eine bissige Hoagascht-Parodie

Die hatten zunächst das Glück, dass Wolff den üblichen "Opferlamm"-Auftritt zum Anwärmen erst im zweiten Durchgang gab. Seine Reisebüro-Szene (Qualtingers Travnicek lässt grüßen) hätte die Latte ziemlich hochgelegt. So konnten sich auch absolute Bühnen-Neulinge wie Helena Grasl eingrooven. Sie präsentierte typisch jugendliche Liebeslyrik, Thomas Glatz in Altbayern wie Franken aufgeschnappte, mitunter nur zweizeilige "Kneipenphilosophien". Poltologin Claudia Pichler glänzte mit der spritzigen Analyse bayrischer Rauschlust, der preisgekrönte Lyriker, aber Slam-Debütant Daniel Bayerstorfer mit kunstvoll vertrackten Achternbuschiaden. Und der schließlich siegreiche Gelati (alias Hoferichter-Preisträger Karl-Heinz Hummel) mit einer bissigen Hoagascht-Parodie.

Alles eine nachträgliche Bestätigung für den Auftakt des Abends: Die Verleihung des seit 2012 vergebenen "Innovationspreises Volkskultur" der Stadt München für "Wer ko der ko" an Moses Wolff und Ko Bylanzky durch Habenschaden und Kulturreferent Anton Biebl. Die von den beiden vorgetragenen Gründe für diese Preisvergabe waren zahlreich, umfänglich und bis in die Soziologie hinein verzweigt. "Das haben wir, als wir anfingen, alles nicht gewusst", entgegnete Wolff daraufhin in seiner Dankesrede. "Wir haben's einfach gemacht." Und das ist schön.

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