bedeckt München 15°

Innenstadt:Münchner Polizei ermittelt wegen sexueller Übergriffe in der Silvesternacht

Schmutzige Nacht: Nachdem die Silvesterfeiern langsam zu Ende gingen, wurden mehrere Frauen in der Fußgängerzone massiv sexuell bedrängt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Offenbar ist es auch in München zu sexueller Gewalt gegen Frauen in der Silvesternacht gekommen.
  • Die Polizei ermittelt derzeit in vier Fällen, unter anderem am Marienplatz und in der Neuhauser Straße.
  • Bisher konnte keiner der Münchner Täter festgenommen werden.

Von Martin Bernstein

In München gab es in der Silvesternacht doch mehrere Vorfälle, bei denen Frauen massiv von Männern bedrängt worden sind, die - wie bei den gleichzeitigen Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof - aus Nordafrika stammen könnten. Das hat das Polizeipräsidium jetzt bestätigt. Demnach wurden vier Fälle von zum Teil mit "Antanzen" verbundener sexueller Gewalt auf dem Marienplatz und in der Neuhauser Straße angezeigt.

Dazu kamen drei weitere Attacken, bei denen Frauen ebenfalls aus größeren Männergruppen heraus angegriffen, dann aber bestohlen wurden. Das Bundeskriminalamt hat nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung für eine Bilanz bundesweit 881 Fälle von Silvester-Gewalt registriert. Mehr als 2000 Männer sollen daran beteiligt, mehr als 1200 Frauen die Opfer gewesen sein.

Um 22.40 Uhr am Silvesterabend rät die Münchner Polizei via Twitter, man solle Menschenansammlungen meiden. Hintergrund sind jedoch Hinweise auf einen geplanten Terroranschlag. Hauptbahnhof und Pasinger Bahnhof werden geräumt und von 550 zum Teil schwer bewaffneten Polizisten gesichert. Nur ein paar hundert Meter weiter feiern drei junge Frauen auf dem Marienplatz die ersten Minuten des neuen Jahres. Sieben bis neun Männer, die nach Erinnerung der Frauen arabisch ausgesehen haben sollen, sprechen sie an: "Can we take a picture with you?"

Was am Marienplatz passiert ist

Nein, danke, kein Foto - die Frauen schütteln den Kopf und wollen lieber ein Stückchen weitergehen. Doch die Männer folgen ihnen, werden zudringlicher. Ob sie denn wirklich kein Foto mit ihnen wollten, werden die drei Frauen wieder und wieder gefragt. Plötzlich wird eine der Frauen gepackt. Die Männer versuchen, sie in die Gruppe zu zerren, ihre Freundinnen können das gerade noch verhindern.

Die Männer werden immer rabiater, versuchen den Frauen die Beine wegzuziehen und sie so zu Fall zu bringen. Doch auch das misslingt ihnen zum Glück. Irgendwann können die drei Frauen sich absetzen. Sie erstatten Anzeige - aber erst acht Tage später bei der Polizeiinspektion Trostberg.

Eine halbe Stunde später vor der Diskothek "Ruby Danceclub" in der Fußgängerzone: Eine große Gruppe von 15 bis 20 Männern umringt und belästigt eine 42-jährige Deutsche. Wieder werden die Täter später vom Opfer als südländisch oder arabisch aussehend beschrieben. Ein Mann küsst die widerstrebende Frau und fasst ihr an die Brust. Ein anderer Angreifer stiehlt derweil das Mobiltelefon aus der Handtasche der Frau.

Wie die Frauen die Täter beschreiben

Möglicherweise ist es dieselbe Gruppe, die noch in derselben Nacht, es ist inzwischen kurz nach 2 Uhr, zwei weitere Frauen umringt und belästigt. Es ist der einzige Vorfall aus München, der bis dato bekannt gewesen ist. Die 19 und 20 Jahre alten Auszubildenden haben in der Diskothek in der Neuhauser Straße 47 in das neue Jahr getanzt. Als sie kurz für eine Rauchpause vor die Tür gehen, spricht ein Unbekannter sie an und will ein Foto mit ihnen machen.

Plötzlich werden es immer mehr Männer, zehn, fünfzehn. Ein Mann hält die 20-Jährige am Arm, betatschte sie am Gesäß, leckt ihre rechte Gesichtshälfte ab. Auch die 19-jährige wird von einem der Männer festgehalten und am Busen berührt, die anderen aus der Gruppe klatschen Beifall. Schließlich können die Frauen sich losreißen und in die Diskothek flüchten. Den Vorfall zeigen sie erst ein paar Tage später an, als die Geschehnisse aus Köln bekannt werden.

Die Münchner Täter, geben die Frauen an, hätten "afrikanisch oder orientalisch" ausgesehen. Bereits gegen 1 Uhr geht in dieser Neujahrsnacht eine 21-jährige Deutsche mit ihrem Freund über den Marienplatz. Dort stoßen sie auf mehrere Kleingruppen von vermutlich Afrikanern. Aus einer Gruppe von drei Personen heraus greift plötzlich ein Mann der jungen Frau unter den Rock. Eine Woche später stellt die Frau Strafanzeige wegen Beleidigung auf sexueller Basis bei der Polizeiinspektion Neustadt an der Aisch.

Bisher konnte keiner der Münchner Täter ermittelt werden. Bundesweit ist das erst bei 120 Verdächtigen gelungen.

© SZ vom 14.07.2016/mmo
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema