Breakdance und barocke Vokalmusik. Natürlich fällt einem hier zuallererst der polnische Star-Counter Jakub Józef Orliński ein und sein Bekenntnis: „Breakdance hat mein Leben gerettet, als Performer.“ Im kommenden September wird man ihn wieder bewundern können, im Nationaltheater, in Händels Oper „Semele“. Beim Einhandstand, beim Singen sowieso.
Echte Könner der urbanen Tanzkultur sind auch die Mitglieder der Compagnie „Flying Steps“, mehrfache Deutsche Meister im Breakdance gehören ebenso zur Truppe wie klassisch oder zeitgenössisch ausgebildete Tänzerinnen und Tänzer. Bereits vor zwei Jahren sorgten die Berliner bei den Audi-Sommerkonzerten für Aufsehen mit ihren spektakulären Moves in Henry Purcells Barockoper „The Fairy Queen“. Jetzt kehren sie zum Traditionsfestival nach Ingolstadt zurück.
Wieder ist es ein Stück des führenden englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts, das am Samstag, 4., und Sonntag, 5. Juli, im Ingolstädter Festsaal auf ungewohnte Weise zur Aufführung kommt (19 Uhr). Magdalena Schnitzler inszeniert Purcells Meisterwerk „Dido und Aeneas“ als semi-konzertantes, interdisziplinäres Gesamtkunstwerk. Gesang, Chor, Orchester, Urban Dance, Live-Elektronik und Live Visuals interagieren hier gleichberechtigt.
Mit dabei in dieser Eigenproduktion der Audi-Sommerkonzerte sind neben den Berliner Tänzern das Vokalensemble Lausch Werk und die Kammerphilharmonie Ingolstadt unter der Leitung von Ariel Zuckermann, die Schnitzler in einem offenen Bühnenraum platziert. Wie bereits bei der „Fairy Queen“ sind auch bei dieser Produktion Kinder und Jugendliche aus Ingolstadt aktiv in das Projekt eingebunden. Der Beatboxer Antrix bringt zudem einen zeitgenössischen Sound ein. Ein szenisches Vorspiel im Foyer schafft einen fließenden Übergang zur Aufführung.
Entstanden um 1685, erzählt Purcell die Geschichte aus Vergils „Aeneis“: Troja ist untergegangen, Aeneas entkommen, auf der Flucht landet er in Karthago und verliebt sich wahnsinnig in Königin Dido. Dann wird’s tragisch, denn der trojanische Held hat bekanntlich den Auftrag, Rom zu gründen. Und auch Dido ist an einen Eid gebunden, nach der Ermordung ihres Ehemanns werde sie sich nie mehr an einen Mann binden. Mit Didos berühmter Klage, der Arie „When I am laid in earth“, endet ihr Leben und die Oper.
Noch längst nicht zu Ende aber sind die Audi-Sommerkonzerte, die bis zum 26. Juli dauern. Ein weiterer Klassiker in ungewohnter Form ist am 10. Juli (20 Uhr) zu erleben: „Verdi’s Breakdown“ heißt es da im Audi-Gebäude H6 bei der Uraufführung eines Auftragswerks mit der Jazzrausch Bigband, die mit ihrer Fusion aus Jazz und Club-Beats den alten Giuseppe Verdi ins 21. Jahrhundert katapultieren wird.

Nichts dergleichen müssen Klassikpuristen befürchten beim Konzert mit dem jungen, international ausgezeichneten Barbican Quartet, das am 18. Juli im Museum mobile im Audi-Forum Ingolstadt (20 Uhr) Mozarts „Preußisches Quartett“ KV 575, die Arcadiana von Thomas Adès, das Postlude von Sophia Jani sowie Ravels farbenreiches Streichquartett zur Aufführung bringt.
Und Verdi pur gibt es zum Abschluss der Audi-Sommerkonzerte am Sonntag, 26. Juli (19 Uhr), bei einem hochkarätig besetzen Abend im Festsaal. In Verdis monumentaler „Messa da Requiem“ wird die Totenmesse zur Oper, mit Solisten, die wie Bühnencharaktere agieren, und einem Chor, der mit seinem gewaltigen „Dies irae“ das Jüngste Gericht anruft und alle Tore des Himmels und der Hölle zu öffnen scheint.
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Martin Steidler leitet die Audi-Jugendchorakademie und setzt seine Zusammenarbeit mit der Akademie für Alte Musik Berlin fort, einem der international renommiertesten historisch informiert spielenden Kammerorchester. Zu den Solisten des Abends gehören Sopranistin Chen Reiss, Mezzosopranistin Irene Roberts, die gerade als Sieglinde in der neuen „Walküre“ an der Bayerischen Staatsoper gefeiert wird, der junge Tenor Sung Min Song und Bass Wilhelm Schwinghammer.
Audi-Sommerkonzerte, bis 26. Juli, an verschiedenen Orten in Ingolstadt, Infos zu Programm und Karten unter www.audi.de/sommerkonzerte/de


