Dass dieses in jeder Hinsicht gelungene Eröffnungskonzert der Audi-Sommerkonzerte in der Ingolstädter Festhalle keineswegs ausverkauft war, muss man sehr bedauern. Zum einen, weil die große Geigerin Midori einmal mehr zeigte, dass die Vermeidung jeglicher Solistenmätzchen und -allüren, dafür aber unbedingte Konzentration auf das zu spielende Werk imponierend wahre Freiheit des Musizierens bedeutet. Zum Anderen, weil eine viel zu selten gespielte Sinfonie zu erleben war, die erste, die eine amerikanische Frau geschrieben hat: Amy Beachs „Gaelic Symphony“, 1894 entstanden und sehr engagiert und klangreich vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der umsichtigen Dirigentin Marie Jacquot dargeboten.
Gerade ein Stück wie Antonin Dvořáks Violinkonzert op. 53 verführt manche Solisten dazu, in den Ecksätzen zwischen Heroismus- und Gefühligkeitsübertreibungen hin und her zu schwanken, und im Adagio ma non troppo vermeintliche Schwärmerei mit offensivem Kitsch zu verwechseln und so den Satz schwer zu verfälschen. Keine Red' davon bei Midori, die das Werk intensiv, vital, doch immer nobel in Ausdruck und Phrasierung gestaltete, keinen Lauf als virtuoses Nebenbei und keine melodische Entwicklung als exzessiv solistisch missverstand. Vielmehr beeindruckte, wie sehr Orchester, Dirigentin und Solistin dieses Stück symphonisch anlegten und ausführten.
Wobei dem Finale vielleicht mehr Proben fehlten, um die vielschichtige Entwicklung zum Schluss hin noch transparenter wirken zu lassen. Doch der Grundansatz war überzeugend und in der Gestaltung mitreißend. Midori dankte der Begeisterung mit dem Preludium aus Johann Sebastian Bachs E-Dur-Partita souverän, klar, geschmeidig und präzise.
Amy Beach, 1867 in New Hampshire geboren und 1944 in New York gestorben, zeigt in ihrer Symphonie, wie origineller Schwung, zupackende Orchestrierung, fantasievoll genutzte englische, irische und schottische Melodien fern biederer Volkstümlichkeit und kraftvoll zupackendes Temperament zu einem Werk von Feuer und Geist führen, das kein Zögern kennt. Einem spannungsvollen Eröffnungssatz folgt ein raffiniert rasches „Alla siciliana“. Dann entfaltet sich das Lento con molto espressione mit weit geschwungenen Linien und wunderbaren Soli der Konzertmeisterin und des Solocellisten, schließlich ein Finale voll Bläserherz und Streicherglanz.
Heftig gefeiert bot das DSO Berlin unter der feinen Leitung von Marie Jacquot noch einen zart-eleganten Liebesgruß: Edward Elgars „Salut d'amour“.
