Süddeutsche Zeitung

Ingolf Lück:"Ich bin der pure Sex"

Ingolf Lück war erleichtert zu hören, dass zu "Traumfrau Mutter" im Tollwood-Zelt kein Menü serviert wird : "Es ist ein intensives Stück", sagt der TV-Komiker, der sich hier als Theater-Regisseur versucht, "es wäre doch schade, die Tränen des Lachens und Weinens in einen Schweinsbraten zu verdrücken." Besteckgeklapper und Tischgeratsche hätten seine Schauspielerinnen aber wohl kaum aus der Ruhe gebracht: Alle sechs sind wie bei der kanadischen Uraufführung "Mom's The Word" Mütter.

Interview: Michael Zirnstein

SZ: In "Traumfrau Mutter" geht es um das Kunststück, "Kinder zu haben, beruflich erfolgreich und sexy zu sein". Wie schaffen Sie es als Vater einer vierjährigen Tochter, sexy zu sein? Lück: Na, ich bin natürlich der pure Sex. Man hat ja als Vater, anders als die Mütter, ab und zu die Möglichkeit, sich eine Mütze Schlaf zusätzlich zu gönnen und etwas für seinen Sexappeal zu tun.

SZ: Fielen oft Proben aus, weil ein krankes Kind gehütet werden musste? Lück: Dann haben wir uns arrangiert. Schlimmer war es, wenn der Babysitter krank war. Aber erst über diese persönlichen Erfahrungen sind wir zu dem Stück gekommen. Das Urstück, das in vielen englischsprachigen Ländern gelaufen ist, war reiner Text: Da sitzen sechs Frauen auf dem Stuhl, und wenn eine dran ist, steht sie auf, sagt was und setzt sich wieder. Wir haben alles komplett für die deutschen Verhältnisse umgeschrieben und einen Theaterabend draus gemacht.

SZ: Sie spielen gerade selbst "Caveman" in Köln, ein Ein-Personen-Stück, das den männlichen Charakter ergründet. Braucht man für "Traumfrau Mutter" sechs Frauen, weil es mehr Frauen- als Männer-Typen gibt? Lück: Offensichtlich ist das so. Beispielhaft sind hier sechs Frauen-Karrieren dargestellt, die ja auch von sechs Autorinnen geschrieben wurden. Das sind sehr persönliche Geschichten.

SZ: Mussten Sie viel recherchieren, oder wussten Sie längst, was Rückbildungsgymnastik ist? Lück: Das wusste ich, wenn auch nicht aus eigenem Erleben heraus. Die Szene, auf die diese Frage anspielt, ist übrigens auch von uns. Die Frauen haben darüber improvisiert, ich habe zugeschaut: Einige Details waren für mich neu.

SZ: Bei vielen Neu-Vätern ändert sich der Humor, sie schreiben lustige Geschichten über ihre tollpatschigen Kinder. Stellen Sie das an sich auch fest? Lück: Sicher. Ich merke das, wenn ich mit Kollegen zusammensitze, die keine Kinder haben, junge Stand-Upper. Die machen einen Witz darüber, dass ein Kind überfahren wird - und ich denke mir: Was soll denn das? Mir fällt es schwerer, zynisch zu sein.

SZ: Können Eltern über das Chaos in Ihrem Stück mehr lachen als Kinderlose? Lück: Wenn Leute ohne Kinder das Stück gesehen haben, werden sie hinterher nicht in die Apotheke gehen und die Pille kaufen. Das Stück hat den gegenteiligen Effekt. Es ist ein Stück für Eltern und für Menschen, die die Idee haben, irgendwann mal in einer Familienkonstellation zusammenzuleben. Jemand, der sich entschieden hat, sein Leben lang Single zu bleiben, der sollte nicht reingehen. Wie damals, als ich mit einem Freund einen schönen Theaterabend in Berlin haben wollte und in die "Vagina-Monologe" gegangen bin: Da wurde von Dingen geredet, von denen wir nichts verstehen. Wir waren froh, dass es eine Pause gab, in der wir uns verdrücken konnten.

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