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Infrastruktur:Warten auf den Bund

Hauptbahnhof in München, 2015

Der Münchner Hauptbahnhof, im Bild die Schalterhalle am Starnberger Flügelbahnhof, soll umgestaltet werden.

(Foto: Florian Peljak)

Die Deutsche Bahn hat viel vor in der Region München - sofern sie dafür Geld aus Berlin bekommt

Die zweite Stammstrecke, die Umgestaltung des Hauptbahnhofs, eine bessere Schienenanbindung des Flughafens - die Deutsche Bahn (DB) hat viel vor in der Region München. Einen Überblick gab jetzt ihr Konzernbevollmächtiger für Bayern, Klaus-Dieter Josel, den Mitgliedern des Planungsausschusses des Regionalen Planungsverbands München. Eines wurde dabei deutlich: Alle Projekte der Bahn haben mit einer Unwägbarkeit zu kämpfen - den Zeitvorgaben. Josel zufolge hat das damit zu tun, dass in der Regel der Bund die Vorhaben finanziert. Und erst wenn klar sei, wann wie viel Geld komme, könne man verbindlich planen.

Rund 6,4 Milliarden Euro will die DB von 2016 bis 2020 in Infrastrukturmaßnahmen in Bayern investieren. Ganz oben steht dabei laut Josel der Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München. Nur damit könne man das Netz und den Fahrplan ausweiten und habe auch Kapazitäten, um Störfälle auszugleichen. Gegenwärtig führen die Züge im Zwei-Minuten-Takt durch die eine Röhre, das System sei entsprechend anfällig gegen Störungen jeder Art. Planerisch seien die Grundlagen geschaffen, sagte Josel, "wir warten jetzt auf das Go". Beim Thema Finanzierung sei er optimistisch, der Bundesverkehrsminister habe sich entsprechend geäußert.

Die geplante Neugestaltung des Hauptbahnhofs ist mit der zweiten Stammstrecke verbunden, schon weil der Halt genau unter dem neuen Empfangsgebäude sein wird. "Wir verzahnen beide Projekte", sagte Josel. Auch der Starnberger Flügelbahnhof soll ausgebaut werden, der dann als Interimsbahnhof dienen soll, wenn der Hauptbahnhof an der Reihe ist.

Mit dem Bau der Neufahrner Spange ist die Bahn inzwischen gut vorangekommen. Mit ihr will sie den Nordosten Bayerns besser an den Flughafen anbinden. In Planung ist laut Josel der S-Bahn-Ringschluss zwischen Airport und Erding. Von dort soll dann eine weitere Spange den Anschluss an das südöstliche Bayern herstellen.

Mit dem Zug von München nach Verona in vier Stunden - das soll laut Josel ebenso bald Realität werden wie andere schnellere Verbindungen in die umliegenden Magistralen. Die Strecke nach Verona werde in Abhängigkeit vom Brenner-Basistunnel ausgebaut, der bis 2026 fertiggestellt sein soll. Außerdem soll die Strecke München - Mühldorf - Freilassing ausgebaut werden. "Das brauchen wir, weil das Chemiedreieck expandiert", sagte Josel. Auf der eingleisigen nicht elektrifizierten Strecke sei ein Güterzug heute von Burghausen bis Riem "einen halben Tag unterwegs". Auch auf der die Achse München - Zürich will die Bahn deutlich schneller werden. Dabei geht es vor allem um die durchgehende Elektrifizierung dieser Strecke.

"Wir wollen viergleisig ausbauen", antwortete der Bahn-Manager auf die Frage nach dem Abschnitt zwischen Daglfing und Johanneskirchen. Mit der Stadt verhandle man bereits, die wolle eine Tieferlegung. Und man brauche endlich eine Express-Flughafen-S-Bahn. Zusätzliche Gleise seien auch auf der Strecke nach Riem und Markt Schwaben nötig, schon weil die Messe München einen S-Bahn-Anschluss wolle. Bei allen Projekten suche die Bahn auch den verstärkten Dialog mit dem Bürger, versprach Josel.

© SZ vom 19.10.2016
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