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Influenza:Höhepunkt der Grippewelle: Mehr Jüngere sind betroffen

Grippe oder Erkältung - Symptome richtig deuten

Weniger Grippekranke als im letzten Jahr.

(Foto: dpa-tmn)

Das Virus kam wohl aus dem russischen Raum und hat sich nun weiter verbreitet. Doch für eine Impfung könnte es in dieser Saison schon zu spät sein.

Von Thomas Anlauf

Manche Busse und Bahnen in München gleichen derzeit Wartezimmern beim Arzt - es wird gehustet, geschnieft und geschneuzt. Kantinen und Büroetagen sind verdächtig leer, und in Münchens Schulen fällt in diesen Tagen immer wieder mal der Unterricht aus.

"Wir sind derzeit auf dem Höhepunkt der Grippewelle", sagt Alois Maderspacher vom Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU). Allein in den vergangenen zwei Wochen seien der Münchner Gesundheitsbehörde jeweils 200 Fälle von Influenza gemeldet worden.

Im Vergleich dazu wurden in den ersten zwei Monaten des Jahres 2014 insgesamt etwa 200 Grippekranke gemeldet. Trotzdem spricht Maderspacher noch von einem normalen saisonalen Verlauf der winterlichen Influenzawelle. Anders im vergangenen Jahr: Bis Ende Februar 2015 hatte das Gesundheitsreferat 2000 Grippekranke registriert.

Damals fiel zwischenzeitlich jeder zehnte Lokführer der Münchner S-Bahn krankheitsbedingt aus, beim Abfallwirtschaftsbetrieb war zeitweise jeder vierte Mitarbeiter der Müllabfuhr nicht im Einsatz, sodass Tausende Restmülltonnen nicht oder erst später als sonst geleert werden konnten.

Keine außergewöhnlichen Personalengpässe wegen Krankheit

In diesem Jahr ist München hingegen deutlich glimpflicher davongekommen. "Es sind schon Leute krank, aber es ist nicht auffällig", sagt Evi Thiermann, Sprecherin des Abfallwirtschaftsbetriebs.

Auch bei den städtischen Schulen und in den Kindertagesstätten gibt es nach Angaben des Referats für Bildung und Sport in diesem Jahr keine außergewöhnlichen Personalengpässe wegen Krankheit. Allerdings seien die städtischen Schulen auch nicht verpflichtet, dem Referat erkrankte Lehrerinnen und Lehrer zu melden, teilt das Bildungsreferat mit.

"Wir können zwar nicht in die Zukunft blicken, aber wahrscheinlich ist der Höhepunkt der Welle jetzt erreicht", sagt RGU-Sprecher Maderspacher. Die Grippewelle begann in diesem Jahr zudem später als üblich. Erst seit Anfang Februar registrierte das Gesundheitsreferat "einen ersten deutlichen Anstieg der Labormeldungen an Influenza-Erkrankungen in München".

Nur positive Befunde aus dem Labor werden statistisch erfasst, die Dunkelziffer der an Influenza Erkrankten dürfte daher hoch sein. Denn nicht jeder, der eine echte Grippe hat, geht zum Arzt - und umgekehrt behandeln Mediziner ihre Patienten oft auf die Symptome hin und nehmen gar keinen Rachenabstrich fürs Labor.

Trotz der nicht genau bekannten Zahl an Viruserkrankten fällt in diesem Jahr eines auf: Es sind deutlich mehr junge Erwachsene, die das Grippevirus erwischt hat, als im Durchschnitt. Das liege an "einem Erreger, der sich ein bisschen verändert hat", sagt Professor Thomas Löscher, Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Unabhängig von einem Impfschutz kann man Vorsichtsmaßnahmen treffen

Das Virus aus dem russischen Raum sei vor einigen Wochen zunächst in Berlin aufgetaucht und habe sich nun weiter verbreitet. Junge Menschen hätten noch nicht so starke Abwehrkräfte wie ältere, weshalb in diesem Fall verstärkt Jüngere an der neuen Form der Influenza erkrankt seien.

Da erwartungsgemäß die Grippewelle in den kommenden Wochen abflauen dürfte, könnte eine Impfung für diese Saison schon fast zu spät sein: Denn bis eine Grippeimpfung vollends wirke, könne es bis zu 14 Tage dauern, so Löscher. Für besonders gefährdete Personen, etwa Pflegefälle, lohne sich eine Impfung aber dennoch.

Das Gesundheitsreferat weist darauf hin, dass eine Impfung vermutlich dann zu spät ist, wenn innerhalb der Familie die Influenza bereits ausgebrochen ist. Aber auch unabhängig von einem Impfschutz kann man Vorsichtsmaßnahmen treffen, damit sich die Grippe nicht verbreitet.

Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs empfiehlt unter anderem "gründliches Händewaschen mit Seife, Menschenansammlungen meiden und sich nicht ins Gesicht fassen". Wer dennoch erkrankt, "sollte zu Hause bleiben, damit er andere nicht ansteckt", sagt Jacobs.

Bei Fragen zum Impfschutz können sich Münchner auch an die Telefonsprechstunde des Gesundheitsreferats wenden: jeweils montags bis freitags eine Stunde lang von 11 Uhr bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 233-66 99 07.

© SZ vom 09.03.2016/dit

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