Immersive Lichtshow „Infinity“Licht, Klang und kosmisches Staunen

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Mit abstrakten Formen und Farben, untermalt von der Musik Bachs und den Worten Alan Watts’, lädt das Künstlerkollektiv Projektil in der Show „Infinity“ dazu ein, die Facetten des Unendlichen zu entdecken.
Mit abstrakten Formen und Farben, untermalt von der Musik Bachs und den Worten Alan Watts’, lädt das Künstlerkollektiv Projektil in der Show „Infinity“ dazu ein, die Facetten des Unendlichen zu entdecken. (Foto: Projektil)

„Infinity“ ist ein immersives Spiel aus Licht und Raum in der Münchner St.-Markus-Kirche. Bis April will die Installation Unendlichkeit erahnbar machen.

Von Hannah Tahedl

„Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit – aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“, scherzte bereits Albert Einstein. Die Sehnsucht nach Unendlichkeit begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Mythen, Religionen und Philosophie kreisen immer wieder um die Frage: Was ist Unendlichkeit, und wie lässt sich der Vergänglichkeit etwas entgegensetzen?

Die neue immersive Lichtshow „Infinity“ versucht nicht, darauf eine Antwort zu geben, sondern nähert sich der Unendlichkeit auf audiovisuelle Weise. Immer wieder unterfüttert mit philosophischen Zitaten, die zum Denken und Reflektieren anregen. So mahnt eine tiefe Stimme aus dem Off: „Dass alles vergeht, verfällt, sich auflöst – das ist nicht unser Feind. Es ist unser Helfer“, ein Gedanke des Philosophen Alan Watts.

Bereits zum dritten Mal nach „Genesis“ und „Eonarium“ wird die Münchner St.-Markus-Kirche zu Beginn des Jahres zur monumentalen Projektionsfläche für das Zürcher Künstlerkollektiv Projektil. Bis April erfüllt „Infinity“ das Kirchenschiff des evangelischen Gotteshauses mit Licht, Musik und erstmals auch mit Gesprochenem zum vielleicht größten aller Themen: der Unendlichkeit.

Beim Betreten wirkt die neugotische Kirche überraschend warm, fast schon gemütlich. Anstelle klassischer Kirchenbänke laden Sitzsäcke und Stühle zum halbstündigen Verweilen ein, so lange dauert das Kunsterlebnis. Dies ist wohl eine bewusste Entscheidung des Künstlerkollektivs, zum Wohle der Zuschauer. Eigentlich müssten die Besucher über weite Strecken der Vorstellung den Kopf in den Nacken legen, um die lichterfüllte Kirchendecke zu bestaunen.

Staunend geht der Blick zur Decke.
Staunend geht der Blick zur Decke. (Foto: Eric Maier-Rehm/Projektil)

Wie viele kosmologische Theorien über den Anfang des Universums beginnt auch die Lichtshow mit einer Art „Urknall“: Die abgebildeten Sterne auf schwarzem Grund bewegen sich immer schneller, bis sie schließlich den ganzen Raum erleuchten. Es entfaltet sich eine audiovisuelle Reise. Musikalisch spannt „Infinity“ einen weiten Bogen: von Johann Sebastian Bach und gregorianischen Chören über sphärische Eigenkompositionen bis hin zu zeitgenössischen Beats. An ausgewählten Terminen wird die Installationen zudem live begleitet, etwa vom Markus-Chor (21. und 22. März), von Markus-Organist Michael Roth (25. Januar und 14. März) und dem Posaunenchor (26. März und 27. März).

Dass sich Bild, Klang und Raum so harmonisch in die evangelische St.-Markus-Kirche einfügen, ist das Ergebnis eines aufwendigen 3D-Mapping-Projektionssystems des Zürcher Künstlerkollektivs. „Projektil“ entwickeln bereits seit 2008 immersive Formate. Sie sind verantwortlich für internationale Projekte wie „Monet’s Garden“ und „Viva Frida Kahlo“ in Städten wie New York, London oder Madrid. Dabei verwandeln die Künstler historische Bauwerke immer wieder in bunte Kunsterlebnisse.

Die Projektionen schmiegen sich an die Decke und die Wände und verändern die Raumwahrnehmung.
Die Projektionen schmiegen sich an die Decke und die Wände und verändern die Raumwahrnehmung. (Foto: Eric Maier-Rehm/Projektil)

Zwischen den Musikstücken unterteilen hauptsächlich die Gedanken von Alan Watts die Vorstellung in verschiedene Themenabschnitte: Mal wird über die „kosmische Uhr“ philosophiert, dann über die „Unendlichkeit der Geometrie“ nachgedacht oder das „Spiel mit der vierten Dimension“ thematisiert, untermalt von ägyptischen Symbolen und Schriftzügen in Gold. Besonders auffällig ist auch Ouroboros, eine uralte goldene Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt und sich in Form einer liegenden Acht windet – dem Sinnbild für Ewigkeit und Unendlichkeit. Sie kehrt während des Abends immer wieder zurück und begleitet die Zitate.

Jedem philosophischen Einschub folgen abstrakte Formen, pulsierende Farben und tanzende Sternbilder. Aber auch mathematische Symbole tauchen auf: Kreise, Würfel, geometrische Berechnungen und Zeichen aus der Antike sowie Sternkarten. Nur das verfremdete „Ave-Maria“ und vereinzelt einsetzende Orgelklänge erinnern daran, dass man sich in einer Kirche befindet. Die Projektionen schmiegen sich an die Säulen und Wände des Gebäudes, wodurch das Gefühl für Zeit und Raum zunehmend verloren geht. So wird man als Besucher in eine fast meditative Stimmung versetzt.

Genau diese Atmosphäre macht den Abend bei „Infinity“ außergewöhnlich. In der St.-Markus-Kirche steht weniger die spektakuläre Technik im Vordergrund. Hier geht es um das Innehalten.

Lichtshow „Infinity“, bis 12. April, Sankt-Markus-Kirche, Gabelsbergerstraße 6, München, Infos und Tickets unter projektilexperiences.com

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