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Immobilien in München:Wie stark darf sich die Alte Akademie ändern?

Die Alte Akademie in der Münchner Fußgängerzone - an ihr entzündet sich der alte Streit: Investoren gegen Denkmalschützer.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Der Stadtrat beschließt voraussichtlich Ende Mai, wie stark sich die Fassade der Alten Akademie in der Fußgängerzone verändern darf.
  • Der Grundkonflikt lautet: Denkmalschutz gegen Investorinteressen. Und auch: Wie stark darf der öffentliche Raum zugunsten von Händlern zurückgedrängt werden?
  • Am Dienstag, den 4. April, findet in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste eine Podiumsdiskussion zum Thema statt.

Lange wurde hinter den Kulissen über wichtige Details der Architektur gerungen, nun steht die Entscheidung über das Modernisierungskonzept für das aktuell größte und bedeutsamste Immobilienprojekt inmitten der Altstadt an. Voraussichtlich Ende Mai beschließt der Stadtrat darüber, wie stark sich die Fassaden des denkmalgeschützten Komplexes der Alten Akademie entlang der Fußgängerzone an der Neuhauser Straße verändern dürfen. Doch die Situation ist völlig verfahren. Vertreter der Stadt und des Investors haben nach wie vor unterschiedliche Vorstellungen zum künftigen Erscheinungsbild des geschichtsträchtigen Bauwerks.

Wie also wird sich vor allem der Erdgeschossbereich der Alten Akademie künftig präsentieren? Signa wünscht sich bis zu fünf torförmige Öffnungen im Querbau des Komplexes. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Apple hier einen großzügigen Store eröffnen will. Dafür braucht man offensichtlich auch die entsprechenden Schaufenster. Stadtbaurätin Elisabeth Merk lehnt solche Eingriffe ab. Der Denkmalschutz erlaube das auch gar nicht. Maximal zwei Portale gesteht sie zu.

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Ob alle Mitglieder der SPD-Fraktion diesem Vorschlag folgen, ist ungewiss. Es gibt durchaus Befürworter einer flexibleren Lösung. Niemand will sich aber öffentlich dazu äußern. Die CSU dagegen hat bereits eine Linie: Sie würde die fünf neuen Großfenster akzeptieren und damit die Wunschvorstellungen des Investors unterstützen.

Der zweite Streitpunkt: die Arkaden entlang der Fußgängerzone, also im Bereich des sogenannten Hettlage-Baus, und der Durchgang entlang der Kapellenstraße. Beim Hettlage-Bau konnte man sich auf einen Kompromiss einigen. Die Passage bleibt erhalten, wird aber in der Breite reduziert. Die Arkaden an der Kapellenstraße sollen dagegen ganz verschwinden. Dem Investor bringen diese Maßnahmen mehr Verkaufsfläche. Dafür geht öffentlicher Grund verloren.

Auch hier ist noch nicht abzusehen, welche Mehrheiten sich im Stadtrat bilden werden. Manche Mitglieder sehen den Verlust der Arkaden als nicht so tragisch an. Prominentester Vertreter dieser Position ist Generalkonservator Mathias Peil. Aus denkmalpflegerischer Sicht habe man bereits große Erfolge beim gesamten Umbaukonzept für die Alte Akademie erzielt, argumentiert er. Wegen einer Detailfrage dürfe es nicht zur Blockade des Baugenehmigungsverfahrens kommen.

Bei der Stadt stößt diese Haltung auf starkes Befremden. Dass Bayerns oberster Denkmalschützer sich derart auf die Seite des Investors stelle, sei nicht nachzuvollziehen, heißt es im Planungsreferat.

Wie viele Öffnungen verträgt die Erdgeschosszone? Die Darstellung zeigt die Variante mit drei Schaufenstern.

(Foto: Simulation: Signa)

Stadtbaurätin Elisabeth Merk ist bislang konsequent bei ihrer Grundhaltung geblieben: Die Arkaden an der Kapellenstraße sollen erhalten bleiben; fünf Öffnungen an der Gebäudefront kommen für sie nicht in Frage. "Die Fassade der Residenz würde man auch nicht einfach verändern", sagt sie. Eine bemerkenswerte Haltung, bislang schien es bei vielen Bauprojekten so, dass den Wünschen der Investoren leichter entsprochen wurde.

Doch nicht nur für sie, sondern auch für viele kritische Bürger hat das Thema Alte Akademie eine grundsätzliche Bedeutung für die Stadtplanung erhalten. Wie stark darf der öffentliche Raum zugunsten des Kommerzes zurückgedrängt werden, lautet eine Frage. Außerdem geht es darum, wie viel vom typischen Erscheinungsbild, speziell von Gebäuden im Altstadt-Ensemble, erhalten bleiben muss.

Benko investiert gewaltig in der Innenstadt

Die Alte Akademie ist nach der Residenz der größte zusammenhängende historische Komplex in München. 2013 vergab der Freistaat Bayern Teile der Anlage an die Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko, in Erbbaurecht für 65 Jahre. Signa ist nicht irgendein Investor. Das Unternehmen investiert in den kommenden Jahren eine Milliardensumme in der Innenstadt. Umbauprojekte sind neben der Alten Akademie das Kaufhaus Oberpollinger und das ehemalige Hertie-Kaufhaus am Hauptbahnhof. Die Stadtbaurätin sendet dazu ein klares Signal: Die Modernisierung hat ihre Grenzen.

Die Bürger können sich dazu selbst eine Meinung bilden - am kommenden Dienstag, bei einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Teilnehmer sind die Architektin Meike Gerchow (Mitglied des Landesdenkmalrates und Sprecherin des Denkmalnetzes Bayern), der Architekt Andreas Meck (Dekan der Architektur-Fakultät an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften), Stadtbaurätin Elisabeth Merk (Referat für Stadtplanung und Bauordnung), Generalkonservator Mathias Pfeil (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) und als Vertreter des Investors Christoph Stadlhuber (Vorstand der Signa-Gruppe). Die Moderation der Veranstaltung übernimmt Winfried Nerdinger (Architekturhistoriker und Direktor des NS-Dokumentationszentrums).

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