Immobilien-Deal Dieser Mann hat die Praterinsel gekauft

Absichten unklar: Der Bauunternehmer Urs Brunner.

(Foto: Claus Schunk)

50 Millionen Euro soll der Münchner Bauunternehmer Urs Brunner gezahlt haben. Aber was hat er mit dem Areal vor?

Von Alfred Dürr

Vor wenigen Tagen wurde der Aufsehen erregende Immobilien-Deal bekannt: Der Augsburger Konzern Patrizia hat den Kernbereich der Praterinsel verkauft - an den Münchner Bauunternehmer Urs Brunner, so stellte es sich heraus. Wie immer gilt in den offiziellen Verlautbarungen bei Geschäften dieser Größenordnung Stillschweigen über Käufer und Transaktionssumme. Von 50 Millionen Euro ist die Rede. Seither wird spekuliert, was aus den Gebäuden auf der Praterinsel wird: Eine Insel mit Luxuswohnungen?

Ende der Achtzigerjahre hatte die Spirituosenfabrik Riemerschmid ihren denkmalgeschützten Firmensitz verkauft. Das Areal war zwar auch der Stadt angeboten worden, der aber war der Preis deutlich zu hoch. So kam der Frankfurter Anwalt Dieter Bock zum Zug. Ihm schwebte ein Fünf-Sterne-Hotel auf der Praterinsel vor, was allerdings dem damaligen Oberbürgermeister Georg Kronawitter nicht behagte. Der Stadtrat beschloss 1993, dass die Insel "überwiegend kulturell" genutzt werden sollte. Zu einem geringeren Teil könnten auch Büros und zu immerhin einem Prozent auch Wohnungen möglich sein.

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Die Patrizia AG hat die Praterinsel an ein Münchner Unternehmen verkauft   Von Alfred Dürr

Bock jedenfalls wurde nicht glücklich mit seiner Insel. 2007 verkaufte er an die Augsburger Patrizia. Aus der Idee, ein Hotel für Künstler mit angeschlossenen Ateliers zu bauen, wurde nichts. So versuchte auch dieses Unternehmen, seinen Besitz wieder loszuwerden. Aber auch nach dem Verkauf an Brunner ist nicht klar, was aus den Häusern auf der Praterinsel wird.

Brunner selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus seinem Umfeld verlautet, dass es sich bei der Praterinsel keinesfalls um ein Spekulationsobjekt handele. Brunner habe die Immobilien auch nicht in seiner Eigenschaft als Chef der Brunner + Co Baugesellschaft mbH & Co München erworben, sondern als Privatinvestor mit einer "langfristigen Perspektive". Grundlegende Änderungen seien damit nicht geplant.

Schwerpunkt auf Kultur könnte für Wohnungsbau ein Hindernis sein

Diese sind offensichtlich auch gar nicht möglich. "Wir haben eine klare Position", sagt Andreas Uhmann aus dem städtischen Planungsreferat. Demnach gibt der Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 1993 mit dem Schwergewicht auf der Kultur die Richtung vor. "Für eine Wohnungsbau-Entwicklung ist das ein großes Hindernis", sagt Uhmann. So sieht das auch der planungspolitische Sprecher der SPD, Christian Amlong: "Das Baurecht erlaubt keinen Wohnungsbau."

Aus der CSU-Fraktion hört man eine andere Meinung. Wenn schon eine hohe Investition getätigt werde, habe der Käufer bestimmt auch eine Verwertungsstrategie - wohl mit dem Bau von Wohnungen. Schließlich sei der Kulturbegriff ja dehnbar. Uhmann bekräftigt: "Bei uns gibt es keine entsprechenden Voranfragen eines Investors."

Brunners aktuell größtes Projekt in München ist ein Umbau in der Maximilianstraße, direkt neben der ehemaligen Residenzpost und gegenüber der Oper. 1863 war das Gebäude mit seinem Arkadengang und den beiden Flügelbauten nach den Plänen des Architekten Friedrich Bürklein fertiggestellt worden. Nun entsteht hinter den historischen Fassaden des Prachtbaus ein modernes Büro- und Geschäftshaus. Vor vier Jahren berichteten Zeitungen über einen bizarren Mietstreit. Brunner habe einen Bauzaun vor der Fassade anbringen lassen, obwohl ein Geschäft noch geöffnet hatte.

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