Illegale Techno-Partys:"Wir beißen nicht, wir wollen nur tanzen!"

Techno-Partys im Wald werden auch in München veranstaltet. Erlaubt ist das nicht.

Ein Club ist irgendwann voll. Techno-Open-Air-Partys erzeugen dagegen ein Freiheitsgefühl.

(Foto: Techno ist Familiensache)

Im Wald, auf Wiesen und unter Brücken laden Techno-Kollektive zum Rave. Die Partys sind unkoventionell und kostenlos. Der Haken: Sie sind auch illegal.

Von Amelie Völker

Wer alternativ raven will, sollte sich das Wochenende weitestgehend frei halten. Auch spät am Abend hilft es, spontan zu sein und das Smartphone in Reichweite zu haben. Erst circa zwei Stunden vor Beginn werden die Koordinaten zur Party über private Verteiler verschickt. Die Zahlen verbreiten sich nun wie ein Lauffeuer von Smartphone zu Smartphone, stets mit der Botschaft: "Pssst ... Keep it secret!"

Münchner Techno-Kollektive laden zum Rave in wechselnden Off-Locations. Zum Beispiel in Waldabschnitten, unter Brücken oder anderen freien Flächen in und um München. Eine kleine Lichtung im Wald. Eine von bunten Lichtern durchzuckte Dunkelheit. Hunderte tanzende Menschen. "Wir fühlen uns im Wald und auf der Wiese zu Hause", sagt DJ Otto Underground, 28, Hauptorganisator bei "Techno ist Familiensache". Und DJ Benni Zimmer, 20, einer der beiden Gründer von "Bushbash", fügt hinzu: "Aber wir versuchen stets, Spots zu finden, an denen wir keine Anwohner stören."

Organisation, Aufbau und Abbau sowie Musik und Technik geschehen auf Eigeninitiative. "Wir sind total für Party Green", sagt DJ Otto Unterground. "Wenn wir einen Rave veranstalten, sind die Plätze danach sauberer als davor." Bei ihrer allerersten Kollektiv-Party vor acht Jahren, so erzählt er, hatten sie am Eingang ein großes Schild aufgestellt. "Wir beißen nicht, wir wollen nur tanzen!"

Getanzt wird zu Techno in all seinen basslastigen Variationen: von Hardtech bis Techhouse und Deephouse. Diese Partys erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit in der jungen Münchner Feiergemeinde. Es gibt nur einen Haken: Die Raves sind oft illegal und werden nicht selten von der Münchner Polizei aufgelöst. Die Gründe: keine Mietverträge für die Locations, keine Ausschankgenehmigungen, keine Veranstaltungsanmeldungen. Auch deswegen treten die Mitglieder der Kollektive "Bushbash" und "Techno ist Familiensache" in der Öffentlichkeit nur mit ihren DJ-Namen in Erscheinung.

Wie sehr sie im Vorfeld auch aufpassen, ihre Partys verstoßen gegen Vorgaben und Beschlüsse der Stadt München. Aber sind diese Feiern wirklich ein großes Problem? "Für uns ist das kein wirklich großes Thema", sagt Sven Müller von der Pressestelle der Polizei München. "Es sind Einzelfälle. Viele Partys bekommen wir vermutlich gar nicht erst mit, weil es keinem auffällt oder es niemanden stört." Das sei halt dann so. Bei Lärmbeschwerden fahre die Polizei zum beschriebenen Ort und prüfe den Vorfall, sagt Müller. "Ist die Feier auf öffentlichem Verkehrsgrund, also eine Sondernutzung, ist es ein Hausfriedensbruch oder eine Ruhestörung? In der Regel sind alle Beteiligten immer einsichtig und gehen woanders hin." Logisch: Keines der Kollektive will es sich mit der Polizei verscherzen.

Ohne diese Party-Kollektive wäre München ein Stück weit langweiliger. Beliebte Clubs schließen, der Rest wird immer unbezahlbarer. Vor allem für Studenten mit wenig Geld. "In den Münchner Techno-Clubs heißt es, wie in fast allen großen Städten, es sollen immer große DJ-Namen auftreten - und das lässt natürlich die Eintrittspreise nach oben schießen", sagt DJ Mario Merkur, 30, von "Techno ist Familiensache". "Aber viele Besucher wollen gar nicht unbedingt immer nur die großen Namen hören." Die Mietpreise steigen, also müssten auch die Clubbesitzer ihre Preise nach oben treiben. Die Folge: Kommerz statt Kultur, ein Teufelskreis. "Es gibt hier eigentlich nur definierte politische Kultur", sagt DJ Otto Underground. "Die Stadt ist nicht auf der Seite von Subkultur - alles, was keine Umsätze macht, ist hier nicht gerne gesehen."

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