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Il Mulino:Euro-Dance-Bässe zum Oktopus-Carpaccio

Ein Glas Rotwein passt immer zu den Gerichten im Il Mulino.

(Foto: Robert Haas)

Die Küche im italienischen Restaurant Il Mulino kann sich sehen lassen. Doch die Gerichte vermögen es nicht, den penetranten Klangteppich im Lokal zu verdrängen.

Die schönste Freude ist ja bekanntlich die Vorfreude - und die ist groß an diesem Abend. Richtig schön italienisch essen wollen wir, in gemütlicher Atmosphäre, mit gutem Wein und allem was dazu gehört. Beim Anblick von Il Mulino in der Görresstraße wächst diese Erwartung noch. Es dämmert langsam, sanft beleuchtete dunkelrote Fahnen wehen vor dem Eingang, das warme Licht aus dem Inneren scheint durch die Fenster und unter den Heizstrahlern sitzen noch jede Menge Gäste auf der Terrasse.

Das Il Mulino ist immer gut gefüllt, deswegen haben wir schon am Nachmittag einen Tisch reserviert. Wie sich herausstellt eine gute Entscheidung. Im Inneren sind nur noch wenige Plätze frei - trotz Reservierung will uns der Kellner an einen der hohen Bartische direkt neben der Eingangstür setzten. Als wir ein wenig skeptisch gucken, schlägt er uns dann doch einen kleinen Tisch in der Ecke des Lokals, unweit des Tresens vor. Das gefällt uns schon besser - ein gemütlicher Ecktisch kam in unseren vorfreudigen Visionen durchaus vor.

Impressionen aus dem Il Mulino

Speisen mit Klangteppich

Wer Gemütlichkeit auch durch die räumliche Nähe zu seinen Mitmenschen definiert, ist im Il Mulino auf jeden Fall richtig. Die Tische im hell gestalteten Lokal stehen gerade so weit auseinander, dass man sich mit Mühe hindurch zwängen kann. Das ermöglicht möglichst vielen Gästen, hier einen Platz zu ergattern - vertrauliche Gespräche sollte man dann aber doch lieber woanders führen.

Die Tagesspezialitäten stehen stilecht auf großen Schiefertafeln an der Wand, das Lesen macht Spaß, und die Auswahl fällt schwer. Dass wir dann doch relativ schnell zu einem Entschluss kommen, ist auch ein wenig der charmanten Ruppigkeit der Kellner geschuldet. Als Vorspeise steht dann auch schnell - ganz klassisch - ein cremiger Büffelmozarella mit Tomaten (11,50 Euro) auf dem Tisch und ein Oktopus-Carpaccio mit Vinaigrette (10,50).

Der Tintenfisch aus der Küche von Pepino Mancuso ist hauchdünn geschnitten und erfreut durch seine Frische. Die Vinaigrette ist gut gewürzt, nicht zu sauer und überlässt dem Oktopus die schnörkellose Hauptrolle auf der Geschmacksbühne. So stellen wir uns den Beginn eines italienischen Abends vor!

Zur Hauptspeise darf dann auch ein Gläschen Wein nicht fehlen: Die Auswahl der offenen Weine reduziert sich auf eine Hand voll, die leider in der Karte nicht weiter spezifiziert werden. Zu den bestellten Conchiglioni mit Ricotta-Auberginen-Füllung (10,50 Euro) soll es ein Viertel vom Rosso Toscano sein (4,30 Euro).

Die Vorfreude auf die Hauptspeise ist da - die mediterrane Entspannung allerdings kommt uns immer mehr abhanden. Haben die Vorspeisen bis gerade eben noch unsere Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, merken wir jetzt langsam, wo wir eigentlich sitzen: direkt unter den Lautsprechern des Lokals. Bei stimmungsvollen italienischen Melodien wäre das vielleicht nicht so schlimm, inzwischen wummern über unsere Köpfe jedoch Euro-Dance-Bässe und Anastacia-Gedudel.

Die Conchiglioni vermögen es leider auch nicht mehr, den penetranten Klangteppich zu verdrängen. Die Füllung ist fruchtig-cremig, droht aber in der üppigen Bechamel-Sauce zu ertrinken. Nach der Nachspeise - klassischer Panna Cotta - beeilen wir uns jedenfalls, wieder nach draußen zu kommen. Zur Ruhe. Schade eigentlich.