Internationale Jugendbibliothek100 Jahre James Krüss auf Schloss Blutenburg

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James Krüss im Jahre 1963: Der Helgoländer lebte von 1949 bis 1966 in München.
James Krüss im Jahre 1963: Der Helgoländer lebte von 1949 bis 1966 in München. Internationale Jugendbibliothek IJB

James Krüss’ hundertster Geburtstag und eine Wimmelbuch-Ausstellung zu Ali Mitgutsch – welche Höhepunkte das Jahresprogramm der Internationalen Jugendbibliothek prägen.

Von Matthias Deuring

„Eigentlich lebe ich ja noch eine ganze Weile über meinen Tod hinaus“, sagt der Urgroßvater in „Mein Urgroßvater, die Helden und ich“ von James Krüss. „In dir. Und in den Büchern.“ Dasselbe gilt für den Autor selbst, der sich mit Kinderbüchern und Hörspielen in die Herzen vieler Kindergenerationen geschrieben hat. Zu seinem hundertsten Geburtstag feiert die Internationale Jugendbibliothek den langjährigen Wahlmünchner Krüss mit einem bunten Geburtstagsprogramm.

Von 1949 bis 1966 wohnte der gebürtige Helgoländer Krüss in München und erlebte hier seinen Durchbruch und seine produktivste Phase. Bis heute erfolgreiche Kinderbuchklassiker wie „Tim Thaler“ und „Der Leuchtturm auf den Hummerklippen“ entstanden in dieser Zeit. Nach seinem Tod übergaben seine Erben den Nachlas der IJB, sodass die nun für ihr Jubiläumsprogramm aus dem Vollen schöpfen kann.

So etwa für eine literarisch-musikalische Aufführung von „Der Sängerkrieg der Heidehasen“, der an Richard Wagners „Tannhäuser“ angelehnt ist, im Rahmen der Reihe „Notentexte“ am 26. April. Gemeinsam mit Musikern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks erzählt Sprecherin Mona Vojacek Koper darin den musikalischen Wettbewerb um die Hand der Hasenprinzessin nach.

Die Internationale Jugendbibliothek vor wenigen Tagen mit winterlich zugefrorenem See.
Die Internationale Jugendbibliothek vor wenigen Tagen mit winterlich zugefrorenem See. Internationale Jugendbibliothek IJB

Zum Auftakt des Jubiläumswochenendes lädt die Erbengemeinschaft am 29. Mai zum kulinarischen Abend mit Krüss-Kenner Tilman Spreckelsen, der sich eher an die älteren Krüss-Freunde richtet. Den eigentlichen Jahrestag am 31. Mai feiert die IJB dann mit familienfreundlichem Programm. So wird der seit Dezember geschlossene James-Krüss-Turm im oberen Schlosshof von Schloss Blutenburg im Rahmen eines Familienfestes wiedereröffnet. Nicht nur wird der Turm renoviert, auch die seit 25 Jahren dort beheimatete Dauerausstellung mit Objekten aus dem literarischen Nachlass des Autors wird bis dahin grundlegend neu konzipiert.

Im Hof führt Kika-Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva durch das Bühnenprogramm des Familienfestes und Autorin Paula Peretti erzählt aus dem Leben des Autors. Bei aller didaktischen Absicht soll das Fest aber nicht in Frontalunterricht ausarten. Für eine Geburtstags-Challenge soll das vielleicht längste ABC-Gedicht der Welt entstehen – sofern zur besten Urlaubszeit James Krüss gegenüber der Adria nicht den Kürzeren zieht.

Ein wenig mehr Urlaubsfeeling könnte dafür beim Bau von Helgoland aufkommen. Auf dem geräumigen Schlossareal soll eine Miniatur von Krüss’ Heimatinsel entstehen mitsamt der markanten Felsformation „Lange Anna“, Hummerbuden und einem ikonischen Leuchtturm. Da darf man erwarten, dass das Familienfest auf der Blutenburg regelrecht zum Wimmelbild wird.

Apropos Wimmelbild, neben dem Krüss-Jubiläum findet auch Wimmelbuch-Erfinder Ali Mitgutsch in diesem Jahr Platz im Programm. Von 19. September an zeigt die IJB in „Augen auf! Ali Mitgutsch und das große Gewimmel“ bisher unveröffentlichte Bilder und Skizzen aus sechs Jahrzehnten. Die sollen nicht nur seine Verbundenheit mit München und Bayern, sondern auch seinen geschulten Blick für Kulturen aus aller Welt illustrieren.

International wird es schon vom 16. Februar an mit „Am großen Strom“. Die Ausstellung zeigt Illustrationen zum Thema „Fluss“ aus Bilderbüchern aus der ganzen Welt, von topografischen Darstellungen bis zum Fluss als Symbol der Lebenskraft. Auch mit einer deutsch-chinesischen Lesung zum chinesischen Neujahrsfest am 23. Februar und der tschechischen Woche „Sauber abg’czeckt!“ vom 13. bis 16. Juli, anlässlich der Frankfurter Buchmesse, setzt die IJB auf ihr internationales Profil.

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Bereits zu Beginn des Jahres finden sich außerdem neue Workshops und Kooperationen im Programm. Im Rahmen des Münchner Kinder-Krimifests 2026 ist etwa am 19. und 20. Februar eine Krimischreibwerkstatt für Kinder mit der Autorin Mirjam Raymond geplant. Und als Begleitprogramm zur bereits laufenden Ausstellung „Crazy Machines!?“ bietet die IJB am 30. März erstmals „she.codes“ an, einen Programmierworkshop für Mädchen.

Neben der kulturellen Bildung ist die IJB auch Forschungsstätte und beheimatet etwa das Erich-Kästner-Forschungsarchiv und eine Erich-Kästner-Forschungsstelle. Die bilden die Grundlage für eine Fachtagung vom 26. bis 28. Februar zu Kästners Schaffen und Denken zwischen 1933 und 1945. Trotz aller Möglichkeit zur Ausreise und seiner politischen Gegnerschaft zum Nationalsozialismus zog es der heute für unter anderem „Das fliegende Klassenzimmer“ berühmte Autor vor, Deutschland nicht zu verlassen. Die Tagung will eine vorläufige Bilanz ziehen, zu Erich Kästners Rolle zwischen Opportunismus und Gegnerschaft.

Krüss-Jubiläum und weiteres Jahresprogramm, Internationale Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg, Informationen unter www.ijb.de.

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