Ideenwettbewerb Elektroauto und Unkraut-Roboter: Diesen Ideen gehört die Zukunft

Roboterarme sollen denen des Menschen ähnlicher werden: Beim IdeAward an der TU in Garching versucht jeder, sein Projekt als das erfolgreichste zu präsentieren. Doch am Ende gewinnen nur drei.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Beim fünften "TUM IdeAward" in Garching werden Ideen ausgezeichnet, die gute Chancen haben erfolgreich zu werden.
  • Es geht nicht um eine gute Präsentation, sondern um möglichst marktfähige Produkte und Dienstleistungen.
  • 46 Teams hatten sich mit sehr unterschiedlichen Projekten beworben, etwa elektrische Kühlautos oder Unkraut schneidende Roboter.
Von Pia Ratzesberger

Jeder hat zwei Minuten Zeit, auch wenn ohnehin schon längst entschieden ist, wer gewinnen wird. Die neun Teams müssen jetzt also noch einmal pitchen, müssen ihre Ideen vorstellen, von denen sie glauben, dass die Welt sie braucht. Ein elektronisches Auto für die afrikanischen Straßen zum Beispiel, einen Roboter, der Unkraut entlang der Gehwege entfernen soll, aber auch Ideen, bei denen es selbst den Teams schwer fällt, sie in einen Satz zu fassen. Der erste Bewerber tritt auf die Bühne und sagt: "Wir machen die Infrarotspektroskopie bereit für die Klinik."

Sein Team also will Chips aus der Halbleiterindustrie nutzen, um Blut schneller, einfacher und irgendwann billiger testen zu können. Man könnte damit auch Chemikalien und Lebensmittel untersuchen, letztendlich alles, was flüssig ist, sagt Lorenz Sykora später und deutet auf den Sekt in seinem Glas. Es gehe um einen gigantischen Markt.

Gadgets

So sieht die Zukunft aus

An diesem Abend in Garching, beim fünften sogenannten "TUM IdeAward", werden nicht alleine die besten Ideen ausgezeichnet, sondern die Ideen mit den höchsten Chancen erfolgreich zu sein, "marktfähige Produkte und Dienstleistungen". Am Ende werden deshalb auch nicht die Teams mit dem stärksten Auftritt gewinnen, die mit der emotionalsten Rede oder der amüsantesten, sondern die mit den aussichtsreichsten Zahlen.

Der Satz mit der Infrarotspektroskopie knallt natürlich nicht ganz so, als wenn später eine Frau mit den Worten beginnt: "Ich traf einmal Linda. Sie hatte Brustkrebs und ihre beiden Brüste wurden entfernt." Pause. "Danach erfuhr sie, dass ihre Gewebeprobe im Labor vertauscht wurde. Linda hatte nie Krebs. Genau solche Fehler wollen wir von Inveox verhindern."

Sie ist die einzige Frau, die an diesem Abend präsentiert, Garching ist noch immer männlich, zumindest in diesem Saal. Im Team mit den Blutproben, ATR Elements, ist zwar auch eine Frau, Anja Müller, sie kommt aber erst später mit auf die Bühne. "Toll, dass Sie eine Unternehmerin dabei haben", sagt der Laudator. Und das sagt eigentlich schon alles.

46 Teams hatten sich in diesem Jahr um den Award beworben, zehn kamen in die engere Runde, ein Team zog seine Bewerbung noch zurück. Anfang Februar mussten sie sich einer Jury stellen, unter anderem mit Mitgliedern der Technischen Universität München, der UnternehmerTUM und der Zeidler-Forschungs-Stiftung. Bei den elektronischen Autos für Afrika zum Beispiel hatten die fünf Juroren Zweifel, Elektroautos auf einem Kontinent, der Probleme mit der Stromversorgung hat? "Es starten gerade viele Solarprojekte, mit denen können wir uns zusammenschließen", sagte Martin Šoltés.

Bauern sollen dank neuer Technik schneller Bescheid wissen, wie es um ihren Boden steht - nur eines der Projekte, die beim IdeAward an der TU in Garching vorgestellt werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Aber das Elektroauto schaffe doch nur etwa 150 Kilometer, reiche das denn in Ländern, in denen die Wege von einem Ort zum nächsten oft weiter seien als in Europa? "Wir haben Autos in Ghana mit GPS Sendern ausgestattet und der Test ergab, dass die Leute im Schnitt weniger als 150 Kilometer zurücklegen." So etwas sitzt. Die neun Teams sind vorbereitet, es geht nicht um Seifenblasen, sondern um Technologien, die erforscht sind, teils patentiert.

ATR Elements hat sich erst in der vergangenen Woche eine halbe Million Euro an Forschungsgeldern gesichert, um Probenträger weiterzuentwickeln. Vielleicht liegt es auch daran, dass keiner der drei aus dem Team aufschreit, als der Laudator an diesem Abend ihren Namen verliest - für den zweiten Platz. Den dritten Platz, ein Preisgeld von 10 000 Euro, sichert sich das Team mit dem Elektroauto, auf deren Flyer bereits illustre Unterstützer wie die Unternehmensberatung McKinsey stehen.

Sie wollen künftig noch mehr Tests mit mehr Autos durchführen, in Ghana und in Tansania, in Kenia, um den Prototypen zu verbessern. Der Wagen soll irgendwann einmal Impfstoffe kühlen, aber auch bei der Arbeit auf dem Acker helfen, beim Transport des Viehs. "Wir wollen mit den Autos Fluchtursachen bekämpfen", sagt Šoltés, das zieht in diesen Zeiten natürlich.

Manche Ideen lassen sich schwer erklären

ATR Elements erringt mit dem zweiten Platz 12 500 Euro Preisgeld. Den ersten Platz gewinnt ein Team, dem es ähnlich schwer fällt, seine Idee in einem Satz zu erklären. Es gehe darum, Peptide zu synthetisieren, sagen die Mitglieder. Peptide sind biologische, natürlich vorkommende Verbindungen, wie auch Proteine.

Das Team von mk2 Biotechnologies will solche Peptide synthetisieren, die man bisher nicht synthetisieren konnte, was am Ende heißt: Sie könnten damit irgendwann zum Beispiel Antibiotika ersetzen, die bisher noch Resistenzen verursachen, oder schädliche Pflanzenschutzmittel. "Die Technologie kann breit im Markt genutzt werden", so die Begründung der Jury, deshalb der erste Platz und die 15 000 Euro.

Die Teams, die es nicht geschafft haben, könnten im nächsten Jahr theoretisch noch einmal antreten, eine Sperre gibt es nicht. Ein Gewinner aus dem vergangenen Jahr zum Beispiel, der war damals bereits zum zweiten Mal da.

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