Pasinger FabrikEine Ausstellung fragt: Was ist schön?

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Die Ausstellung zeigt: Schönheit ist kein universelles Konzept, sondern wandelbar und immer auch ein gesellschaftliches Konstrukt.
Die Ausstellung zeigt: Schönheit ist kein universelles Konzept, sondern wandelbar und immer auch ein gesellschaftliches Konstrukt. (Foto: Svenja Wiese)

Von Dezember bis März betrachtet die Ausstellung „Ich bin schön“ in der Pasinger Fabrik Körperideale aus unterschiedlichen künstlerischen Blickwinkeln – begleitet von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm.

Von Constanze Baumann

„Es steht auf dem Poster an der Wand, es ist in so gut wie jeder Zeitschrift. Es steckt in meinem Handy, in meinem Kopf, in den Jungs, die ich mit ins Bett nehme.“ Mit diesen Zeilen – im Original auf Englisch – besingt Popstar Olivia Rodrigo in „pretty isn’t pretty“ ein Gefühl, das viele nur zu gut kennen: den Druck, nicht schön genug zu sein. Schönheitsstandards sind überall verankert: in den Medien, den sozialen Netzwerken, unseren Köpfen. Doch der Widerstand gegen die unerreichbaren Ideale wächst. Schon im 19. Jahrhundert suchte der Dichter Charles Baudelaire nach einer „Ästhetik des Hässlichen“. Heute brechen Influencerinnen und Influencer wie Spencer Barbosa mit Konventionen, zeigen Cellulite und Körperbehaarung. Und Stars wie Harry Styles spielen mit femininer Mode, während Billie Eilish ihren Körper lange Zeit unter übergroßen Jogginganzügen verbarg.

Gibt es eine Schönheit jenseits der Norm? Wie formen Medien, Künstliche Intelligenz und Popkultur unsere Vorstellung davon? Und was bedeutet es heute überhaupt, zu sagen: „Ich bin schön“? Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung „Ich bin schön“ in der Pasinger Fabrik. Zu sehen sind Arbeiten von Absolventinnen und Absolventen der Berliner Ostkreuzschule für Fotografie, entstanden in Zusammenarbeit mit der Akademie der Bildenden Künste München. Ergänzt werden sie durch Werke etablierter Künstlerinnen und Künstler: Die Malerinnen Franziska Klotz und Anke Doberauer setzen sich mit gesellschaftlichen Normen auseinander. Klotz untersucht Darstellungen von Weiblichkeit; Doberauer hinterfragt in großformatigen Männerporträts Vorstellungen von Männlichkeit. Der britische Fotograf Chris Levine experimentiert in seinen eindrucksvollen Porträts mit Licht und Farbe. Und Jovana Reisinger zeigt im Loop ihren Film „Beauty is Life“, in dem sie erkundet, wie die Schönheitsindustrie auf das Selbstbild von Frauen wirkt.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die umfangreiche Ausstellung: Führungen, Werkstattgespräche, Shows, Theater, Musik, Kino und Literatur. Für jede und jeden ist etwas dabei. Ein Überblick über das vielfältige Angebot.

Ein Ausschnitt aus Jovana Reisingers Film „Beauty is Life“: Frauen testen Beauty-Gadgets, die die Schönheitsindustrie als alltägliche Werkzeuge der Selbstoptimierung vermarktet.
Ein Ausschnitt aus Jovana Reisingers Film „Beauty is Life“: Frauen testen Beauty-Gadgets, die die Schönheitsindustrie als alltägliche Werkzeuge der Selbstoptimierung vermarktet. (Foto: Jovana Reisinger)

Hintergründe zur Ausstellung

Am Eröffnungstag, dem 5. Dezember, startet das Programm mit einem Werkstattgespräch: Nadja Masri, unter deren Leitung die Arbeiten der Studierenden entstanden sind, spricht mit Kirsten Kleie von der Münchner Volkshochschule um 15 Uhr über die Fotografien – und über die Kunst des Fotografierens selbst. Was macht gute Fotografie aus? Und wie erzählt man mit Bildern Geschichten?

Wer tiefer eintauchen möchte, kann sich auf Kuratorenführungen freuen: Stefan-Maria Mittendorf gibt am 20. Januar, 10. Februar und 10. März jeweils um 18 Uhr Einblicke in die Hintergründe der Schau. Am 27. Januar um 18 Uhr führt Kuratorin Annette Hempfling durch die Räume. Weitere Termine sind möglich; eine kurze Mail genügt zur Anmeldung. Die Führungen kosten jeweils 5 Euro.

LGBTQ

Die Show „Ohne Filter“ entführt am 26. und 27. Dezember um 20 Uhr in eine funkelnde Welt aus Gesang, Tanz, Zauberei und Drag. Eine „glitzernde Dreifaltigkeit“ aus Burlesquetänzerin, Magier und singender Dragqueen sorgt für einen ebenso schillernden wie vergnüglichen Abend. Die Karten kosten 30 Euro.

Mindestens so bunt wird es am 1. Februar beim Ball. Ein Ball ist fester Bestandteil der Ballroom-Kultur – jener queeren Subkultur, die in den 1970er-Jahren in New York entstand. In Kategorien wie „Voguing“, einer expressiven Tanzform, oder „Runway“, bei dem Ausstrahlung, Look und Performance auf dem Laufsteg bewertet werden, treten die Teilnehmenden ab 14 Uhr gegeneinander an. Eine Jury kürt die Gewinnerinnen und Gewinner. Kostenpunkt: 10 Euro – für ein Stück lebendige Subkultur in München.

Behaarung und Bauchröllchen: eine Arbeit der Absolventin Hannah Pieper.
Behaarung und Bauchröllchen: eine Arbeit der Absolventin Hannah Pieper. (Foto: Hannah Pieper)

Tanz und Theater

Zwei Tage später, am 3. Februar, bringt die in Traunstein lebende Flamencotänzerin und -sängerin Carmen López ihr Konzert „Mein Seelentraum“ auf die Kleine Bühne. In diesem „Mutmacher-Konzert“ erzählt sie singend und tanzend, wie ihre Krebserkrankung für sie zu einer „Neugeburt“ wurde – und wie sie den Alltag als Spanischlehrerin hinter sich ließ, um ein Leben als Künstlerin zu beginnen. Der Eintritt kostet 22 Euro.

Um Selbstfindung geht es auch im Theaterstück „Dienstags bei Kaufland“, das am 23. und 24. Januar auf der Kleinen Bühne für 25 Euro gezeigt wird. Das Stück basiert auf Emmanuel Darleys Monolog „Le mardi à Monoprix“. Im Mittelpunkt steht Roberta – früher Robert. Als Transfrau spürt sie, dass sie im falschen Körper geboren wurde. Jeden Dienstag besucht sie ihren Vater, übernimmt Haushalt, Wäsche und geht mit ihm bei Kaufland einkaufen. Sie versucht, ihre neue Identität zu leben, doch ihr Umfeld tut sich schwer, das anzuerkennen: Der Vater wünscht sich „den Sohn“ zurück, an der Kasse wird getuschelt.

Auch „This is a Man’s World“ ist eine Adaption eines französischen Originals, von Noémie de Lattres „Féministe pour Homme“, und kostet 25 Euro. Die One‑Woman‑Show der Schauspielerin Alexandra Kamp ist am 29. und 30. Januar jeweils um 20 Uhr zu sehen und nimmt Feminismus-Klischees aufs Korn. Mit seiner Mischung aus Theater, Kabarett und Tanz richtet sie sich an ein breites Publikum, nicht nur an Menschen, die sich ohnehin für feministische Themen interessieren.

Was bedeutet Männlichkeit und wie wird sie inszeniert? Eine Arbeit der Absolventin Maria Bolz.
Was bedeutet Männlichkeit und wie wird sie inszeniert? Eine Arbeit der Absolventin Maria Bolz. (Foto: Maria Bolz)

Literatur und Film

Am 20. Januar um 19.30 Uhr läuft die Dokumentation „Alexander McQueen“ aus dem Jahr 2018. Der Film über den britischen Modedesigner zeigt ihn nicht nur als Enfant terrible, der mit blutverschmierten Models provozierte und Journalisten seinen blanken Hintern entgegenstreckte, sondern auch als Mensch. Die Doku zeichnet seinen Weg nach – vom Jungen aus dem East End über die Ausbildung zum Herrenschneider bis zum Aufstieg zu einem der einflussreichsten Modedesigner der Welt. Gezeigt wird die Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Eintritt: 12 Euro.

Am 24. Februar um 19 Uhr liest der Philosoph Björn Vedder aus seinem Essay „Solidarische Körper“. Darin untersucht er, wie unser heutiges Körperbild entstanden ist. Vedder argumentiert, dass das Ideal des „Hardbody“ – muskulös, straff, leistungsfähig – jene ausgrenzt, die diesem Bild nicht entsprechen: ältere, kranke oder weniger kraftvolle Menschen, alle „weichen“ Körper. Sein zentrales Anliegen: Wie könnte ein anderes, offeneres Körperbild aussehen – eines, das Verletzlichkeit zulässt? Und wie würde das unser Miteinander verändern? Für 15 Euro kann man es in der Pasinger Fabrik herausfinden – und dabei vielleicht auch den eigenen Blick auf Körper und Schönheit ein Stück verschieben.

Ich bin schön, Pasinger Fabrik, August-Exter-Str. 1, 5. Dezember 2025 bis 29. März 2026, Di. bis Sa., 15-19 Uhr, So. 14-18 Uhr, www.pasinger-fabrik.de

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