Iberl-Bühne zieht in die Innenstadt Dialekt statt Disco

Georg Maier (l.) ist seit 1966 mit seiner Iberl-Bühne in Solln zu Hause - nun will er in die Innenstadt umziehen.

Georg Maier, der Chef der Sollner Iberl-Bühne, zieht mit seinem Folkloretheater in die Innenstadt um. Insider wissen auch schon, wohin: in einen Club mit sehr langer Tradition an der Herzogspitalstraße.

Von Astrid Becker

Statt lauter Partymusik ertönt künftig bairische Mundart: Georg Maier wird mit seinem legendären Volkstheater Iberl-Bühne offenbar im nächsten Jahr im bisherigen Club "Sugar" in der Herzogspitalstraße spielen. Auch ein Wirt, der sich um die Theatergastronomie kümmern soll, ist wohl bereits gefunden.

Iberl-Bühne wird die Institution dann allerdings nicht mehr heißen. Denn dieser Name ist seit 1966 fest mit dem Gasthaus in Solln verbunden, mitnehmen darf ihn Maier wohl nicht. Die meist von diesem selbst verfassten Stücke der Iberl-Bühne werden aber auch am neuen Ort zu sehen sein. Sie sind durch Übertragungen des Bayerischen Rundfunks einem breiten Publikum bekannt. Zum Ensemble gehörten früher auch Monika Gruber und Luise Kinseher. Legendär ist die 1978 uraufgeführte Grattler-Oper.

Leichte Übung für Vollmer

Offiziell bestätigen will es niemand, aber trotzdem spricht sehr vieles dafür, dass es sich bei dem künftigen Theatergastronomen um Wiesnwirt Manfred Vollmer handelt, der die Bühne von seiner Augustiner-Großgaststätte in der Neuhauser Straße aus verköstigen soll. Für den erfahrenen Gastronomen wäre dies eine leichte Übung, schon allein aus logistischen Gründen: Seine Gaststätte gehört ohnehin zum selben Gebäudekomplex wie das "Sugar". Zudem wird die künftige Bühne von Georg Maier in der Innenstadt auch nicht übermäßig groß ausfallen.

Als der geplante Umzug vor kurzem bekannt geworden war, hatte Maier selbst von etwa 120 Plätzen gesprochen, rund 20 mehr als bisher in Solln. Eine Größenordnung also, die problemlos von einer Großgastronomie wie der von Vollmer bewältigt werden kann. Offiziell macht Maier aus den Plänen und dem neuen Standort für das Theater weiterhin ein Geheimnis - alle Parteien, das hatte auch Maier betont, hätten Stillschweigen darüber vereinbart.

Erst im Januar werde Näheres über die Zukunft der Iberl-Bühne im Zentrum der Stadt bekanntgegeben, sagte Theaterchef Maier vor wenigen Tagen. Bis dahin bitte er um Geduld. In der Gastro- und Brauszene Münchens hingegen fühlt sich niemand an etwaige Stillhalteabkommen gebunden. Im Gegenteil: Hinter den Kulissen wird bereits kräftig über die neue Volksbühne im bisherigen "Sugar" getuschelt.

Freude über den Umzug

Maier hatte selbst gesagt, er freue sich sehr auf seinen Umzug von Solln in die Innenstadt: "Mein Vater war ja Pächter der Hundskugel. Es ist quasi back to the roots, wenn ich jetzt ganz in die Nähe davon ziehe." Tatsächlich war das "Gasthaus zur Hundskugel" bis zu seiner Schließung vor zwei Jahren in einem der ältesten Bürgerhäuser der Stadt untergebracht: in der Hotterstraße 18, gerade einmal 350 Meter entfernt von dem Gebäude, in dem sich heute die Diskothek "Sugar" befindet. Um diese war es zuletzt recht ruhig geworden. Deshalb, so heißt es, habe die Augustiner-Brauerei als Immobilieneigentümerin nach einer neuen Lösung gesucht für die Räume, die zum selben Ensemble gehören wie die Großgaststätte der Familie Vollmer. Weder bei der Brauerei noch im Club selbst war dazu bis Sonntag bislang etwas in Erfahrung zu bringen.

Dennoch scheint es eindeutig, dass Maier den Zuschlag für genau diese Räume bekommen hat. Er hatte selbst von einem "berühmten Wirt" gesprochen, der die Gastronomie des Theaters übernehme. Manfred Vollmer und seine Familie führen seit vielen Jahren das Augustinerzelt auf der Wiesn - auch wenn sie selbst dabei sehr zurückhaltend agieren.

Vollmers Sohn Thomas bestritt am Freitag jegliche Geschäftsbeziehung mit Maier. Sein Dementi klang jedoch dünn: "In unseren Sälen ist da gar nichts angedacht, die brauchen wir ja selbst für unsere eigenen Veranstaltungen", sagt er. Ein Widerspruch ist das nicht, denn es handelt sich ja nicht um die eigenen, sondern um Räume in unmittelbarer Nachbarschaft. Maier jedenfalls spricht von einem "typischen Alt-Münchner Wirtshaus " - eine Aussage, die gut mit Augustiner in Verbindung gebracht werden kann, zu deren Philosophie eine bairische Bühne auch perfekt passen würde.