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Automobilmesse in München:Trotz Wiesn-Absage: IAA-Planungen laufen

Elektromobilität

Schau hin, ein Plug-in! Auch um diese Technik soll es auf der ersten IAA in München gehen.

(Foto: Christoph Soeder/dpa)

Das Oktoberfest sei nicht mit der Veranstaltung der Automobilbranche vergleichbar, so die Argumentation. Einige Autohersteller peilen allerdings einen schlankeren Auftritt an. Die Stadt möchte auch Angebote zur Verkehrswende sehen.

Von Heiner Effern und Catherine Hoffmann

Die Internationale Automobil-Ausstellung, die IAA, soll im September wie geplant erstmals in München stattfinden. Im Rathaus sieht man trotz der Absage des Oktoberfests offenbar gute Chancen dafür. Es liefen Gespräche darüber, unter welchen Vorzeichen es eine Veranstaltung dieser Größe geben könne, heißt es aus dem Büro von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). "Ich bin der Meinung, dass wir eine IAA durchführen können", sagt auch Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU). "Wir haben die richtigen Konzepte für fast alle möglichen Inzidenzszenarien in der Schublade."

Die Veranstalter, der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Messe München, zeigen sich ebenfalls "zuversichtlich, dass die IAA Mobility stattfinden kann", wie eine Sprecherin im Namen beider Ausrichter sagte. Man sei überzeugt, dass bis zum September "das verbleibende Infektionsrisiko gut kontrollierbar ist". Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren.

Noch Ende Januar hatte Reiter das Schicksal der IAA und des Oktoberfests eng miteinander verknüpft. Beides seien "internationale Großveranstaltungen", sagte er damals. Dass die eine stattfindet, die andere aber nicht, "das kann ich mir nur schwer vorstellen". Nun scheint es doch vorstellbar zu sein. Grund dafür dürfte neben dem Impffortschritt ein entscheidender Unterschied sein: "Die IAA ist etwas völlig anderes als ein Volksfest", sagt Baumgärtner. "Auf einer Messe kann ich Kontakte nachverfolgen, Abstand gewährleisten, Geimpfte von nicht Geimpften trennen." Das gelte sowohl auf dem Messegelände selbst als auch im öffentlichen Raum, wo man nach dem Vorbild der Jakobidult Menschen unter freiem Himmel zusammenführen könne.

In Besuchern aus dem Ausland sieht Baumgärtner kein Problem, da in ganz Europa nach Kräften geimpft werde und die USA und China, wo traditionell viele Gäste herkommen, sogar noch weiter seien mit dem Immunisieren ihrer Bevölkerung. Ob und inwieweit es tatsächlich beim geplanten Programm möglich ist, die Kontrolle über das Infektionsgeschehen zu behalten, darum dürfte es bei den internen Gesprächen im Rathaus gehen.

Nach viel Kritik an dem Branchentreff will sich die Leistungsschau der Autoindustrie nicht länger in Messehallen verschanzen, sondern einem breiten Publikum öffnen. Dazu soll es in der ganzen Stadt auf öffentlichen Plätzen Aktionen rund um das Thema Mobilität geben. Und Mobilität meint dann eben nicht nur Auto, sondern auch Roller, Rad oder öffentlicher Verkehr. Im Olympiapark und in der Innenstadt soll das Publik autonom fahrende, Elektro- und Wasserstoffautos testen und die Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln ausprobieren können. Zum Programm gehören auch Kulturveranstaltungen und Diskussionsforen mit Kritikern.

Reiter und Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) stehen politisch unter Druck, dass dieses Versprechen der Veranstalter eingehalten wird. Sonst machen sie sich mit der geplanten Verkehrswende in München, die als großes Projekt der grün-roten Stadtregierung gilt, unglaubwürdig. "Wir haben der Nutzung öffentlicher Räume nur zugestimmt, wenn das Konzept ein offenes ist", sagte Habenschaden. Mit Zäunen abgesperrte Plätze in der Innenstadt, zu denen nur Inhaber von Tickets Zugang haben, schlossen sie bisher aus.

© SZ/mmo, wean, van
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