Internationale Automobil-AusstellungDas hat die IAA neben Autos zu bieten

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Auf dem Radparcours können auch bisher Unerfahrene E-Bikes testen.
Auf dem Radparcours können auch bisher Unerfahrene E-Bikes testen. Robert Haas

Bei der Ausstellung wird längst nicht mehr nur um Autofans geworben. Was die Besucher sonst noch sehen, erleben und ausprobieren können.

Von Martin Mühlfenzl

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Vom herbstlichen Regenwetter, das die Landeshauptstadt derzeit im Griff hat, lassen sich die Autofreaks nicht abhalten und strömen seit Dienstag unablässig in die Münchner Innenstadt. Bereits kurz nach Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) am Dienstag wurden die sogenannten Open Spaces auf den zentralen Plätzen im Münchner Zentrum ihrem Namen kaum mehr gerecht. Auf der Ludwigstraße, dem Königsplatz und dem Max-Joseph-Platz gab es fast kein Durchkommen mehr. Vor den Showrooms der internationalen Automobilhersteller bildeten sich lange Schlangen. Aber auch Aussteller und Attraktionen, die auf den ersten Blick nur bedingt etwas mit der Autobranche zu tun haben, schaffen es ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher.

Wer dem Trubel auf der Ludwigstraße, die sich für sechs Tage mit den gigantischen Pavillons des chinesischen E-Auto-Herstellers BYD und Hyundai in eine Protzstraße der internationalen Autofirmen verwandelt hat, entfliehen will, leiht sich am besten bei einem der Elektrorad-Hersteller ein E-Bike aus. Vom Geschwister-Scholl-Platz ist es nicht weit über die Veterinärstraße bis in den Englischen Garten. Dort weisen die ersten Schilder den Weg über die IAA-Teststrecke durch Münchens grüne Lunge.

Gebucht werden können die Testfahrten über die etwa vier Kilometer lange Trasse direkt bei Herstellern wie Bosch, Portugal Bike, Schwalbe, Ampler oder Bikeleasing, die alle auf der Ludwigstraße präsent sind und dort ihre neuesten E-Fahrräder und Antriebssysteme ausstellen. Wer ein Bike ergattert hat, kann sofort loslegen und sich auf die Tour vorbei am Monopteros, dem Chinesischen Turm und entlang des Schwabinger Bachs machen – lohnenswert ist dabei immer ein kurzer Halt am Kiosk am See-Einlauf, der kleine Erfrischungen bereithält.

Wer sich mit dem eigenen Fahrrad auf den Weg zur IAA macht, hat direkt vor dem Eingangsbereich zur Ausstellung mitten auf dem Odeonsplatz die Möglichkeit, das eigene Gefährt wieder in Schuss bringen zu lassen. Vor der Feldherrnhalle hat das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt eine kleine „Stadtoase“ geschaffen, die einen klaren Kontrast zur glitzernden Autowelt rundherum darstellt. An mehreren Ständen unter weißen Pavillons bieten Fahrradmechaniker ihre Dienste an, überprüfen die Räder von Besuchern auf Verkehrssicherheit, führen auch kleinere Reparaturen aus, ölen Ketten und pumpen die Reifen von Kinderwagen und Rollstühlen auf.

In der Radwerkstatt des Mobilitätsreferats reparieren erfahrene Radmechaniker kostenlos Bikes.
In der Radwerkstatt des Mobilitätsreferats reparieren erfahrene Radmechaniker kostenlos Bikes. Martin Mühlfenzl

Die Radbesitzer können es sich während der kostenlosen Reparaturarbeiten an ihren Bikes unter den Pavillons gemütlich machen oder sich am Mobilitätsquiz und dem Kinderglücksrad beteiligen. Direkt vor der Feldherrnhalle ist zudem eine Bühne aufgebaut, auf der Künstlerinnen und Künstler immer wieder Konzerte geben; in den Liegestühlen davor lässt es sich bestens aushalten – wenn es mal nicht regnet. Gerade zum Wochenende hin prophezeien die Meteorologen aber wieder spätsommerliches Wetter, sodass sich der Odeonsplatz dann wieder in eine Chill-out-Area verwandeln dürfte.

Vollkommen wetterunabhängig lässt sich mitten auf der Ludwigstraße actionreich im Race-Pavillon des Autoherstellers Ford ein Rennvergnügen der ganz anderen Art erleben. „Ready, Set Race“, ruft der Moderator in sein Mikrofon und gleichzeitig setzen sich fünf Fahrzeuge in Bewegung. Gesteuert werden sie von fünf Fahrern, die parallel aufgereiht auf ihren Sitzen Platz genommen und die Hände fest um die Lenkräder geklammert haben, die Bildschirme vor sich im Blick.

Die Rennbahn befindet sich dabei in ihrem Rücken und erinnert an eine leicht überdimensionierte Matchbox-Bahn. Über Kameras in den kleinen Autos, darunter auch ein lilafarbener Ford-Van, wird den Fahrern in ihren Gaming-Cockpits das Geschehen auf der Rennstrecke live auf den Bildschirm übertragen. Der Besucherandrang am Pavillon übersteigt den bei den echten Ford-Modellen direkt nebenan bei Weitem. Konkurrenz macht der Ford-Rennstrecke gerade bei den jüngsten Besuchern auf der Ludwigstraße eigentlich nur der Lego-Pavillon. Dort können Kinder mit Legosteinen Miniautos zusammenbauen.

Deutlich mehr Begeisterung löst bei den etwas älteren Besuchern der Stand des Herstellers Can-Am aus, der auf den Bau von Elektromotorrädern spezialisiert ist. Im Fokus steht dabei ein sogenanntes All-Terrain-Vehicle, das von unzähligen Schaulustigen fotografiert wird. „Das ist für Offroad-Touren gedacht“, sagt ein Mitarbeiter des Herstellers zu einem Interessierten. „Mit dem war ich selbst schon am Nordkap. Der kann das alles.“

Das Elektro-Squad des Herstellers Can-Am begeistert viele Besucher der IAA.
Das Elektro-Squad des Herstellers Can-Am begeistert viele Besucher der IAA. Martin Mühlfenzl

Mit deutlich weniger PS rauschen indes mit Helmen gesicherte Radler durch den Radparcours in Sichtweite des Siegestors. Im „Cycling & Micromobility Parcours“ können auch bisher unerfahrene Radler E-Bikes auf deren Tauglichkeit testen – über Rampen, Schwellen sowie auf Schotter.

Am Königsplatz können sich Interessierte im „Mobility Hub“ über das Zusammenspiel der verschiedenen Verkehrsformen und die Mobilität der Zukunft informieren. Im Pavillon der Initiative Zukunft Nahverkehr (ZNV) der DB Regio wird über das Miteinander von Politik, Industrie und öffentlichem Personennahverkehr informiert und diskutiert. Das ZNV selbst macht dabei klar, dass das Auto für viele Menschen weiter unverzichtbar bleiben werde, sich aber neu erfinden müsse: als elektrische und autonome Ergänzung zum ÖPNV.

Der Höhepunkt am Königsplatz aber ist schnell ausgemacht: das neue Modell der XXL-S-Bahnen, die künftig in München fahren sollen. Etwa 200 Meter lang werden die Züge sein und jeweils mehr als 1800 Menschen transportieren können. Das maßstabsgetreue Modell auf dem Königsplatz ist vorwiegend aus Holz gefertigt und nur 22 Meter lang – aber längst der Besuchermagnet auf der IAA.

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SZ PlusKommentar von Martin Mühlfenzl und Andreas Schubert

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