Sie sind extra aus Wasserburg angereist nach München, gut 60 Kilometer. Zum Hundebaden im Dantebad. Aber ihr Hund will nicht ins Wasser.
Das frustrierte Herrchen versucht, Mila, die altdeutsche Schäferhündin, am Hinterteil ins Becken hineinzuschieben, aber sie entwischt sofort nach rechts, unterm Geländer durch. „Versteh’ ich nicht. Sind es vielleicht die Lichtreflexe im Wasser?“, grübelt er. Zieht Schuhe und Strümpfe aus, krempelt die Hose hoch und geht mit gutem Beispiel voran, die ersten drei Treppenstufen ins blaufunkelnde Nass. Aber Mila will nicht. Partout nicht. Etwas angefressen zieht das Paar aus Wasserburg nach einer Viertelstunde wieder davon.


Auch Fjella, die weiße Schäferhündin, fremdelt ein wenig mit der unbekannten Szenerie. „Dabei geht sie in jeden See, springt sogar vom Kajak aus ins Wasser“, versichert Besitzerin Regina Svinger, die an diesem Dienstag zum ersten Mal zum Hundebadetag gekommen ist. Das Lock-Spielzeug, ein rot-weiß-gestreifter Gummi-Leuchtturm, dümpelt schon im Becken, Fjella winselt aufgeregt, hin- und hergerissen zwischen Zaudern und Zupacken. Und springt schließlich hinein.
Im siebten Jahr bereits beschließt das „Plantschen für Wautzi & Co“, wie die Stadtwerke München (SWM) in ihrer Ankündigung formulieren, die Freibadesaison im Dantebad im Münchner Stadtteil Neuhausen. Zunächst war es nur ein Tag, dann wurden es zwei, und seit letztem Jahr wird das Hundeschwimmen zum Saisonende zusätzlich auch zwei Tage im Schwabinger Ungererbad angeboten. Fünf Euro kostet der Eintritt für den Vierbeiner, Begleitmenschen zahlen nichts. Erstmals in diesem Jahr sollen die Einnahmen an den Tierschutzverein gehen. „Mal schauen, was zusammenkommt. Wenn es nicht reicht, stocken wir auf, auf 5000 Euro“, verspricht Nicole Gargitter, Leiterin der SWM-Bäderabteilung.
Dantebad und Ungererbad, sagt Gargitter, eigneten sich von allen Münchner Freibädern am besten für das Hundeschwimmen, „vom Becken und vom Gelände her“. Hier im Dantebad vergnügen sich Mensch und Tier im eingezäunten und gut überschaubaren FKK-Gelände. Und, natürlich: Das Wasser ist zu diesem Anlass entchlort. Es schadet Tico, dem Australian Shepherd, der blendend gelaunt hereintänzelt ins Gelände, also nichts, dass er zunächst einmal ein paar kräftige Schlucke schlabbert. Tico muss Medikamente gegen Epilepsie nehmen, deshalb seien seine Hinterläufe ein bisschen schwach, viel schwimmen also sehr gut für ihn, erzählt Besitzerin Vivian Schmitt. Und als ob Tico verstünde, dass es hier nicht um bloßes Geplantsche, sondern um ernsthafte Therapie geht, paddelt er unverdrossen Runde um Runde durchs Becken.

Sind alle Hunde solche Wasserratten, wie das hier scheint? Prinzipiell ja, sie müssen das Schwimmen nicht erst lernen wie Menschen. Allerdings gibt es Rassen, die sich aufgrund ihrer körperlichen Besonderheiten nicht besonders gut dazu eignen. Schwer tun sich zum Beispiel kurznasige Hunde, Hunde mit kurzen Beinen, schwerem Kopf oder schwerem Körper, etwa Möpse, Französische Bulldoggen, Dackel, Bassets. Auch Hunde mit sehr dichtem Fell, das im Wasser schnell schwer wird, seien keine guten Schwimmer, liest man im Internet. Aber wie immer gilt vermutlich: Ausnahmen bestätigen die Regeln.
Dackel, Möpse oder Bulldoggen sind nicht da an diesem Vormittag, an dem der Dauerregen endlich aufgibt und sogar die Sonne durch die Wolken blinzelt. Die Mehrheit stellen Labradore, bekannt für ihre Passion fürs Schwimmen und Tauchen. Der blonde und unermüdlich seinen Ball aus dem Wasser holende Labrador Ludwig ist schon zum dritten Mal im Dantebad, „ein fester Termin für uns“, sagt seine Besitzerin Alicia Schmitt; sein Nachbarshund und Kumpel, der dunkelbraune Nils, ist zum ersten Mal mitgekommen. Malena Becker und Thomas Reger sind mit Lucy, die „in jede Pfütze, jedes Bächlein springt“, aus Pliening im Landkreis Ebersberg angereist. Und mächtig stolz kommentiert Lucys Besitzer die Sprungweite ins Becken, mit Anlauf von der Liegewiese: „Drei Meter, wow!“

Dafür, dass so viele aufgeputschte, leinenlose Hunde beiderlei Geschlechts hier herumspringen, geht es – bis auf gelegentliche Auseinandersetzungen „dein Ball? Jetzt mein Ball!“ – ausgesprochen friedlich zu. Nur einer, der allerkleinste in der Runde, markiert den Gernegroß. Ein Bichon Frisé, Schulterhöhe höchstens 25 Zentimeter, laut Internet Angehöriger einer Rasse, die durch „ihren Charme zu überzeugen weiß“, pfeift auf Charme. Er kläfft heftig alle und jeden an. Und beißt den SZ-Fotografen gleich mal in die Wade. Frauchen Arum zieht ihrem aufgebrachtem Chris eine Schwimmweste an, hievt ihn dann kranmäßig ins Becken und führt ihn an der Leine am Rand entlang.


Chris genießt das sichtlich nicht. Also kramt Arum im Kinderbuggy, mit dem sie Hund und Badeausstattung herangekarrt hat, bläst ein kleines, gelb-oranges Schlauchboot mit Fischflosse auf, setzt das Hündchen hinein und zieht das Gefährt an der Leine durchs Wasser. Chris beruhigt sich. Eindeutig: Der Hund schwimmt nicht gerne. Er lässt lieber schwimmen.
Im Münchner Ungererbad, Traubestr. 3, ist am Donnerstag, 19., und Freitag, 20. September, von 10 bis 18 Uhr (letzter Einlass: 17.30 Uhr) noch einmal Hundeschwimmen möglich. Das Sommerbad in Gauting, Landkreis Starnberg, Reismühler Weg 9, lädt am Sonntag, 22. September, 13 bis 17 Uhr, zum tierischen Vergnügen im Becken ein. Eintritt „pro Fuß und Pfote“: 1,50 Euro.

