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Hotels:Das erleben Concierges in München

Jochen Ehmann ist noch bis Ende August Chefconcierge im Charles.

Jochen Ehmann ist noch bis Ende August Chefconcierge im Charles.

(Foto: Stephan Rumpf)

Private Feuerwerke, deutsche Schäferhunde und meisterliche Schachpartien: Drei Münchner Concierges erzählen von den absurden Wünschen mancher Kunden.

Jochen Ehmann: Viele Gäste nehmen sich zu viel vor

Jochen Ehmann, 42, wird aufhören. Schon Ende des Monats wird er die Goldenen Schlüssel nicht mehr tragen, nicht mehr am Morgen ins Charles kommen, kein Chefconcierge mehr sein. Er gebe den Job nicht auf, weil er keine Lust mehr habe, sondern alleine aus privaten Gründen, sagt er, und deshalb wisse er auch nicht, ob er später nicht vielleicht doch einmal wieder als Concierge anfangen werde. Für den Moment aber ist es vorbei. Leicht fällt Jochen Ehmann das nicht.

Es begann mit einer Stellenanzeige. Viele Jahre schon hatte Ehmann damals in der Hotellerie gearbeitet, aber nie als Concierge - profunde Kenntnisse der Stadt seien erwartet, stand in der Anzeige, oder eine langjährige Erfahrung in eben diesem Job. Ehmann konnte nichts von beidem vorweisen, aber er bekam die Stelle trotzdem. Vermutlich habe er sich damals einfach verdammt gut verkauft, sagt er heute, während er in der Bar des Hotels sitzt, im Hintergrund leiser Jazz.

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Mittlerweile ist er der Chefconcierge des Hauses, leitet also das Team, und eines seiner drei Telefone läutet immer - manche Stammgäste, die er schon lange kennt, bekommen auch seine Handynummer. Ein Gast wollte seiner Freundin einmal ein privates Feuerwerk auf der Terrasse schenken, allerdings sollte das Ganze schon in zwei Stunden stattfinden. Auch das hätte der Concierge hinbekommen, wenn da nicht das Kreisverwaltungsreferat gewesen wäre. Die Genehmigung war im Gegensatz zu den Sprengkörpern so schnell nicht zu erhalten, Ehmann fand dann eine Alternative: Einen Saal mit 300 Quadratmetern voller Kerzen und Luftballons, reserviert für zwei.

Der Fehler vieler Gäste sei, dass sie sich zu viel vornähmen, sagt Ehmann, dass keine Zeit mehr bliebe für den Genuss. Er streiche vielen erst einmal fünf Punkte aus ihrem Plan. Fragt man den Concierge, worauf er die vollen Urlaubskalender zurückführe, sagt er, die Erwartungen jedes Einzelnen würden immer größer, an den Job, an die Liebe, an den Urlaub - und damit auch an den Concierge.

Die Leute wollten aus ihrer "Zeit auf dem Planeten das Maximale rausholen", vergäßen dabei aber gelegentlich, dass man auch einmal innehalten müsse. Daran erinnert sie dann Jochen Ehmann, in der Lobby. Das Schönste an seinem Beruf sei, sagt er, dass er Menschen glücklich machen könne und es dafür nicht immer ein privates Feuerwerk oder einen Ferrari brauche. Manchmal reicht ein gutes Abendessen.