„Ich finde keine Stille in mir, keine Windstille“, schreibt Horst Bienek 1959 in sein Tagebuch, „und irgendetwas lähmt auch den Arbeitstrieb in mir. Am liebsten renne ich dann unruhig umher, in mir selbst verzweifelnd. Das Ende ist dann, ich betrinke mich und finde mich dann meist in schwulen Lokalen wieder, im Körperhaften betrüge ich mich selbst“. Am nächsten Morgen sei ihm zwar bewusst, „daß ich mich getäuscht, geblendet habe. Und doch ist es immer wieder dasselbe.“
Horst Bieneks Tagebücher„Im Körperhaften betrüge ich mich selbst“
Lesezeit: 6 Min.

Horst Bienek führte ein Doppelleben zwischen verborgenen Sex-Treffs und vollen Lesungs-Sälen. Die erst jetzt erschienenen Tagebücher des Schriftstellers liefern schillernde Einblicke in den Literaturbetrieb - und sind ein außergewöhnliches Dokument homosexuellen Lebens bis zu den Zeiten von Aids.
Von Antje Weber

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