bedeckt München 29°

Homophobie in Bounty Killers Texten:Der Mann hat ein Problem

Darüberhinaus wirkte er nach eigener Aussage auf ein Einreiseverbot hin. Am Donnerstag nun teilte Beck mit, die Bundesregierung habe Bounty Killer zur Zurückweisung an den Schengen-Außengrenzen ausgeschrieben. Dies habe ihm das Bundesinnenministerium am Donnerstag mitgeteilt. Bounty Killer befinde sich jedoch bereits im Schengen-Raum, so dass Beck nun die Landespolizeien in der Pflicht sieht: Die zuständigen Landesinnenminister habe er jedenfalls bereits informiert.

Eine Sprecherin des bayerischen Innenministeriums konnte am Donnerstag ein offizielles Einreiseverbot für Bounty Killer nicht bestätigen. Lediglich ein Fax von Beck an Ministerpräsident Günther Beckstein liege vor, in dem der Grünen-Abgeordnete auf ein Einreiseverbot hinweise, ebenso ein entsprechendes Schreiben mit Verweis auf Beck vom Innensenat in Berlin, wo ebenfalls ein Bounty-Killer-Konzert geplant ist.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte am Donnerstag auf Nachfrage, dass Bounty Killer alias Rodney Price seit Mittwochabend national zur Zurückweisung durch die Bundespolizei ausgeschrieben ist.

Backstage-Chef Hans-Georg Stocker hatte geplant, Bounty Killer nur bei schriftlicher Zusage, umstrittene Lieder nicht zu spielen, auftreten zu lassen, und will selbst deutlich machen: "Hass und Gewalt haben bei uns nichts verloren." Die schriftliche Erklärung von Bounty Killer liege mittlerweile vor.

Von einem Einreiseverbot für den Sänger wisse er allerdings nichts, sagte Stocker am Donnerstag. Er betonte, man werde "nur in Übereinstimmung mit den Behörden handeln". Unberührt davon bliebe die inhaltlich-künstlerische Debatte bestehen. Man plane dazu ein Diskussionsforum im Juni.

Ein Gespräch wird von allen Seiten befürwortet und gefordert, auch Pusch vom LSVD-Bayern sieht "einen Dialog mit der Reggae-Szene" als dringend notwendig an. Dazu aber muss man sich zunächst auf eine gemeinsame, für alle verständliche Sprache einigen. Denn Bounty Killer singt in dem jamaikanischen Dialekt Patois. "Patois ist eine Sprache, die man nicht im Englischunterricht lernt", sagt Andreas Leske, der Szene besser bekannt als Caramelo, Sänger von Les Babacools und Raggabund.

Die Sprachschwierigkeit ist ihm zufolge auch ein Grund für die unkritische Hinnahme der Texte in Deutschland. Auf ihrem aktuellen Album wollen Raggabund deshalb Aufklärungsarbeit leisten: "Battyman-Tunes sind Hasspropaganda", heißt es da.

© SZ vom 28.03.2008/ngh
Zur SZ-Startseite