Rekord-Eisshow in MünchenDas sind die wahren Stars von „Holiday On Ice“

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Sucht neue Herausforderungen, aber bitte nicht auf Schlittschuhen: Max Giesinger bei der Programm-Präsentation.
Sucht neue Herausforderungen, aber bitte nicht auf Schlittschuhen: Max Giesinger bei der Programm-Präsentation. Lukas Schulze / Holiday On Ice

Bei der Eis-Gala in der Olympiahalle singt Max Giesinger seine Hits. Aber die Revue „Cinema Of Dreams“ prägen andere Künstler: Die Läufer ebenso wie das Kreativteam, das schon Shows für den ESC, Olympia, „Coldplay“ oder Adele in München inszeniert hat.

Man sollte sich nicht zu viel versprechen vom Auftritt Max Giesingers.  Ja, der Liedermacher wird singen, das kann er, emotionale Spitzen sind seine Spezialität. „Gänsehautmomente“ werden versprochen. Aber die sind hier bei „Holiday On Ice“ recht rar:  „Butterfly Effect“ wird er inmitten des bunten Gleitens anstimmen und natürlich die Lieblingsnummer seiner Fans „Wenn sie tanzt“. Es wird aber beileibe kein ganzes Konzert, und Giesinger kommt auch nur am ersten Tag, den 2. Januar, zu den beiden Shows um 16 Uhr und 19.30 Uhr in die Olympiahalle; an den Folgetagen wird sich das Publikum mit Musik aus der Playlist begnügen müssen (diese ist allerdings fein abgestimmt heuer: Man hört Lady Gagas „Abracadabra“, Nick Caves „Right Red Hand“ oder eine Version von Duffys „Mercy“).

Was die Fans der Show sich nicht erhoffen sollten, ist ein doppelter Rittberger von Giesinger, der wohl nicht mal Schlittschuhe anziehen wird. Die ganze Situation, bei einer Eisshow aufzutreten, ist schon Herausforderung genug für ihn, wenn auch eine schöne, wie die einzige von ihm dazu kolportierte Aussage andeutet: „Ich mag’s, wenn man etwas zum ersten Mal macht – das ist immer aufregend.“ Popstars wie Giesinger oder in anderen Städten der diesjährigen Tour Oli P. oder im Vorjahr Sasha sind inzwischen so gesetzt bei „Holiday On Ice“ wie die obligatorische Luftakrobatik-Einlage, sie sind die Publikumsmagneten. Die wahren Stars sind andere.

Das sind zum einen die 37 Eiskünstler aus zwölf Nationen. Wenn auch heuer keine Olympiasieger wie einmal die hinreißenden Aljona Savchenko und Bruno Massot mitschlittern, so zeigen doch einige ehemals in der Weltspitze des Juniorenbereichs aktive „Hauptläufer“ ihr Können: etwa die Lettin Alina Urushadze, der Ukrainer Andrii Kokura und der Russe Pavel Vyugov. In den Jahren ihrer Profi-Laufbahn haben sie sich spezielle Show-Effekte wie den Rückwärtssalto und schauspielerisches Talent angeeignet.

Eine Hip-Hop-Tanzfilm-Nummer kommt auch vor im neuen Programm „Cinema of Dreams“.
Eine Hip-Hop-Tanzfilm-Nummer kommt auch vor im neuen Programm „Cinema of Dreams“. Lukas Schulze / Holiday On Ice

Denn sie erzählen eine Geschichte: In „Cinema of Dreams“ geht es um drei befreundete Filmemacher – einen Regisseur, einen Kameramann und eine Schauspielerin –, die einen schmierigen Produzenten abwimmeln und eigene Filme drehen, die sie in einem verlassenen Kino zeigen. Interessanterweise ist Andrii Kokura selbst Filmemacher und hat dabei mit Olympiasieger Guilliaume Cizerone zusammengearbeitet. Was hier aber nichts zur Sache tut. In der Eis-Filmwelt jedenfalls geht es in den einzelnen Nummern mal actionreich, mal romantisch durch zehn Genres vom Samurai- zum Gangster- und Hip-Hop-Film und weiter zur Endzeit-Dystopie im Stile von „Mad Max“ und gar zur Science Fiction.

So eine Idee für eine Revue muss nicht zwangsläufig zünden, aber beim Rekord-Eis-Unternehmen (seit 80 Jahren 60 000 Vorstellungen in 630 Städten und 80 Ländern vor 350 Millionen Zuschauern) leistet man sich freilich die besten Kreativen ihres Fachs. Angefangen beim künstlerischen Leiter Kim Gavin. Der Tänzer von der Londoner Royal Ballet School hat seit den Neunzigerjahren Shows von Take That über die Brit Awards bis zu den Olympischen Spiele 2012 erschaffen, für sein Glanzstück, das Gedenkkonzert für Lady Diana im Wembley-Stadion, dankten ihm ihre Söhne persönlich. In München kennt man eines seiner Werke besonders gut: die zehn Mega-Shows von Adele im Sommer 2024.

37 Eisläufer aus zwölf Nationen sind bei der aktuellen Tournee dabei.
37 Eisläufer aus zwölf Nationen sind bei der aktuellen Tournee dabei. Rico Ploeg

Gavin hat ein Spitzenteam um sich: Adam Blake war nicht nur jahrelang Hauptdarsteller der Konkurrenz „Disney on Ice“, der Hip-Hop-Fan hat als Choreograf etwa schon die Eröffnungszeremonie einer Eiskunstlauf-WM und die Kür des US-Sieger-Teams bei den Synchronkunsteislauf-WM (so was gibt es!) gestaltet. Michael Sharp, der die 300 Kostüme designt hat, hat für Jennifer Lopez, Katie Perry, Coldplay und den ESC 2023 gearbeitet. So wie auch Misty Buckly Bühnenbilder und -architektur für Coldplay bei der „Spheres“-Tour, Ariana Grande und die Super-Bowl-Halbzeit-Show 2016 entwickelt hat. Und so wie Tim Rutledge Beyonce, The Spice Girls, Stormzy beim Glastonbury Festival und den ESC 2023 ins richtige Licht gesetzt hat. Wahrlich ein Who-is-Who der Entertainment-Köpfe, das bei solch Eis-Show-Glamour zu oft im Schatten bleibt.

Holiday on Ice, Münchner Olympiahalle, Freitag, 2. Januar, 16 und 19.30 Uhr (jeweils mit Max Giesinger), Samstag, 3. Januar, 13., 16.30 und 20 Uhr, Sonntag, 4. Januar, 13 und 16 Uhr, www.holidayonice.com/de/

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