bedeckt München
vgwortpixel

Holiday Inn wird abgerissen:Haie der Großstadt

Nackte Frauen und Dschungel-Deko, das waren die glorreichen Zeiten im Hotel-Club "Yellow Submarine". Nun sind die letzten Tage im Holiday Inn an der Leopoldstraße gekommen. Ein Abgesang auf ein besonderes Hotel, in dem einst die High Society verkehrte.

So ein Raubfisch ist zwar schön, macht aber viel Arbeit. Sinngemäß dürfte dies spätestens Anfang der achtziger Jahre die Antwort eines Mitarbeiters im "Yellow Submarine" gewesen sein, wenn jemand nach den Haien gefragt hat. Und sie fragen alle nach den Haien, bis auf den heutigen Tag.

So wurde früher in Schwabing gefeiert: Sängerin Sandra (Mitte) mit Kolleginnen im Achtziger-Jahre-Look.

(Foto: oh)

"Das war immer ein Heckmeck, wenn es darum ging: Wer geht ins Becken und putzt die Scheiben von innen?", erzählt Barbara Metz-Egert. Sie streicht mit ihrer Hand über das Panzerglas des riesigen Aquarium-Rondells. Es ist noch alles da: Die Bullaugen, hinter denen einst Dutzende Haie vorbei an Riesenschildkröten um das Partyvolk herumschwammen, die DJ-Kanzel, die Bars, die U-Boot-Atmosphäre. Barbara Metz-Egert fährt mit dem Finger über die Scheibe, hinter der die einstige Unterwasserwelt zur traurigen Wüste vertrocknet ist. Eine Abschiedsgeste. "Das war halt nicht mehr zeitgemäß", sagt sie achselzuckend.

Nicht mehr zeitgemäß. Das trifft es. Die Veranstaltungsleiterin des Holiday Inn Hotels an der Leopoldstraße war ohnehin schon lange nicht mehr hier gewesen an diesem für viele Münchner historischen Ort. Ziemlich aufgeräumt schlendert die langgediente Mitarbeiterin durch den verstaubten Rest der einst angesagtesten Diskothek Münchens. Nur noch wenige Tage, dann wird das traditionsreiche Holiday Inn Hotel im Norden Schwabings dicht machen, auch der Flachbau mit dem einst so glamourösen Tanzclub ist dann Geschichte.

An diesem Sonntag gibt's nach dem Frühstück noch eine Party für die Mitarbeiter, dann ist Schluss. Anfang 2012 sollen die Abrissbagger anrücken; sie werden das letzte Relikt des großen Investorenprojekts "Schwabylon" aus den siebziger Jahren entfernen. Bis 2015 soll hier das neue Stadtquartier "Schwabinger Tor" in die Höhe wachsen: ein 400-Millionen-Euro-Projekt der Münchner Immobilienfirma Jost Hurler. Für das moderne Quartier - auch ein Fünf-Sterne Luxushotel ist geplant - verschwinden drei Betonklötze aus dem Stadtbild, die einmal als exklusive Innovation galten. Doch wird hier nicht nur ein Architektur-Rudiment abgerissen; es wird auch das Monument eines Lebensgefühls abgewickelt, als High Life noch wichtiger war als High Profit.

Mittags im Hotelfoyer. Eine Frau in mittlerem Alter, Goldrandbrille, Pelzbesatz am Mantelkragen, fragt den Concierge auf Englisch nach der Zimmerreservierung. Leise klackert das Tippen auf der Tastatur durch die Hotellobby. Eine Gruppe von Männern in dunklen Anzügen geht vorbei, ihre Schritte schluckt der flauschige Teppich mit Siebziger-Jahre-Kringelmuster. Sie schreiten zum "Prinz-Luitpold-Saal", ein Tagungsraum. Auf einem Schild steht "Telekom. Sitzung".

Zur SZ-Startseite