Süddeutsche Zeitung

Hoher Sanierungsbedarf:Campingplatz soll städtisch bleiben

SPD und Grüne sind gegen Pläne von Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU), die das Gelände in Thalkirchen im Erbbaurecht an einen Investor vergeben will

Von Heiner Effern

Die Stadt soll ihren Campingplatz in Thalkirchen behalten und aufwendig sanieren. Die dafür nötigen zwölf Millionen Euro soll ein kommunales Tochterunternehmen aufbringen. Auf diesen Kompromiss haben sich die Fraktionen der Grünen und der SPD geeinigt. Stimmt der Stadtrat diesem Vorschlag am Donnerstag wie erwartet zu, dann sind die Pläne der zuständigen Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) vom Tisch. Sie will wegen der angespannten Haushaltslage der Stadt den Campingplatz auf Basis eines Erbbaurechts an einen privaten Investor vergeben. Dann müsste dieser die zwölf Millionen für die Sanierung bezahlen, hätte aber für 40 Jahre das Sagen auf dem Platz an der Floßlände.

Das wollte die SPD im Rathaus unbedingt verhindern. "Uns war besonders wichtig, dass sich alle den Aufenthalt dort leisten können, auch junge Reisende mit kleinem Budget", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kathrin Abele. Darauf hätte die Stadt aber bei einer Vergabe an einen Investor kaum Einfluss gehabt. Der für Februar angesetzte Privatisierungsbeschluss wurde auf Betreiben der SPD deshalb verschoben. Nun hat sie sich mit den Grünen darauf verständigt, dass die Münchner Raumentwicklungsgesellschaft (MRG) das Gelände in Thalkirchen in Erbpacht übernehmen soll. Die städtische Tochter ging aus der Gesellschaft hervor, die das frühere Flughafenareal in Riem entwickelt hatte und sich nun als Dienstleister unter anderem um die kommunalen Kliniken kümmert. Bis Mitte des Jahres soll die MRG ein Konzept zur Finanzierung und für den Betrieb des Campingplatzes erarbeiten. Dieser soll dann wieder an einen Pächter vergeben werden.

Der Rahmen und die zwölf Millionen Euro Kosten für die Sanierung stehen im Großen und Ganzen fest, da ein Gutachter den Zustand des Campingplatzes bereits untersucht hat. "Alle fünf Sanitärgebäude weisen derzeit einen extrem hohen Sanierungsbedarf auf", heißt es in der Beschlussvorlage des Kommunalreferats. Drei von ihnen sollen abgerissen und dafür soll ein neues zentrales errichtet werden, das ökologisch und vom Komfort her zeitgemäßen Ansprüchen genüge. Der Umbau soll künftig einen Betrieb übers ganze Jahr ermöglichen, bisher ist der Platz nur von April bis Oktober geöffnet. Wirtschaftsreferat Clemens Baumgärtner sprach sich auch deshalb gegen die Privatisierungspläne seiner Parteikollegin Frank aus. Er glaubt, dass sich der Platz künftig noch viel mehr rentieren wird als zuletzt mit einem Gewinn von etwa 800 00 Euro im Jahr und zu einem Werbebotschafter Münchens werden könne. Die Stadt müsse dafür aber in sinnvollen zeitlichen Abständen das Konzept anpassen können, damit der Platz attraktiv bleibe. Er sehe eine "große Gefahr" darin, dass der Platz von einem privaten Investor ausschließlich nach wirtschaftlichen Interessen betrieben werde. München müsse auch für junge Reisende mit Zelt und kleinem Budget ein attraktives Angebot bereitstellen, argumentiert der Wirtschaftsreferent in seiner Stellungnahme ähnlich wie die SPD. Aus Campinggästen, die in "mageren Zeiten" eine bezahlbare und saubere Unterkunft gefunden hätten, könnten später lukrative Hotelgäste werden.

Kommunalreferentin Frank ist überzeugt, dass die Stadt all diese Forderungen auch über einen Vertrag mit einem Investor hätte regeln können, doch damit wird sie sich wohl nicht durchsetzen. Auch die dafür anfangs eher aufgeschlossenen Grünen gehen auf Distanz. "Bei solch einem sensiblen Bereich wollen wir das Heft nicht aus der Hand geben", sagte Stadträtin Sibylle Stöhr. Der Plan mit der Tochter MRG sei ein gangbarer Weg, auf dem "neben sozialen auch ökologische Aspekte wie Müllvermeidung und Einsatz regenerativer Energiekonzepte besser berücksichtigt werden können".

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SZ vom 13.04.2021
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