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Hohe Nachfrage, steigende Preise:Heizöl wird knapp

Wer in München derzeit Heizöl kaufen möchte, braucht gute Beziehungen zum Händler - und ein gut gefülltes Portemonnaie. Denn die Nachfrage ist hoch, das Öl knapp und die Preise steigen. Und das, obwohl die Nachfrage eigentlich gar nicht vom Wetterbericht abhängt.

"Sie wollen Heizöl? Wir beliefern nur Stammkunden": Wer dieser Tage bei zweistelligen Minusgraden einen fast leeren Öltank im Keller hat, kann froh sein, wenn er über gute Beziehungen zu einem Heizölhändler verfügt. Denn die müssen im Moment dreimal so viel liefern wie noch im Januar.

Heizöl Grafik

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(Foto: SZ-Grafik)

Die Fahrer sind im Dauerstress, weil viele Münchner nicht mit den niedrigen Temperaturen gerechnet haben. Die Folge: Wer rasch beliefert werden will, muss nicht selten mit Zuschlägen rechnen. Zur gestiegenen Nachfrage kommen Engpässe bei der Versorgung, die Binnenschifffahrt ist wegen der Kälte eingeschränkt.

Unterm Strich sind daher enorme Preissteigerungen zu verzeichnen - diese haben fast wieder den Höchststand aus dem Jahr 2008 vor der letzten Wirtschaftskrise erreicht.

Seit zehn Tagen gibt es eine verschärfte Nachfrage", sagt Johannes Schauffler, beim Großhändler Marol verantwortlich für Bayern und Baden-Württemberg. In etwa so lange also, wie es nun schon bitterkalt ist. "Und es dürfte auch zumindest bis Ende Februar noch so bleiben", sagt Schauffler - auch wenn die Temperaturen wie angekündigt leicht steigen, sind deswegen die Flüsse schließlich nicht gleich eisfrei.

Normalerweise hängt die Nachfrage nach Heizöl nicht vom Wetterbericht ab. Man kann schließlich je nach Größe des Tanks und des Geldbeutels auf Vorrat kaufen, was viele auch tun, um sicher und warm über den Winter zu kommen. "Die meisten Verbraucher haben in dieser Saison aber zu knapp kalkuliert", sagt Oliver Klapschus vom Internet-Vergleichsportal Heizoel24.de.

Nicht wenige spekulierten noch im Oktober auf sinkende Preise und kauften nur ein Mindestmaß für die nächsten Monate, der Energielieferant Montana aus Grünwald riet sogar explizit zu dieser Taktik. Im lange Zeit milden Januar setzten dann viele darauf, dass es mild bleiben und der Vorrat bis ins Frühjahr reichen würde.

Was die explosionsartig gestiegene Nachfrage bedeutet, zeigt sich im Betrieb von Michael Thurner. Er betreibt im Münchner Norden einen kleinen Handel. "Die Fahrer meutern schon, weil sie so viel zu tun haben", sagt Thurner, "und die Disponenten telefonieren pausenlos und organisieren die Aufträge."

Manchmal muss es auch ganz schnell gehen: "Wenn's brennt, liefern wir auch noch am selben Tag". Es ist nicht leicht, an das notwendige Öl zu kommen: Im Moment können nur zwei der mehr als ein Dutzend Lieferanten überhaupt liefern. "Die Lage ist angespannt", heißt es dazu von Montana, einem der größeren der Branche - wer nicht gerade mit dem letzten Tropfen heizt, muss länger warten.

Panik sei aber nicht angebracht, heißt es. Zwar orderten im Moment viele Kunden auf die Schnelle Heizöl und nehmen dafür Zuschläge von bis zu 100 Euro pro Lieferung in Kauf - aber dann kommt das Öl auch.

In der Regel bestellen die Verbraucher im Moment eher kleine Mengen von 1000 bis 1500 Litern, gerade genug, um über den Winter zu kommen. Nur so kommt die Branche mit den erschwerten Bedingungen zurecht. Denn von den Nordseehäfen kommt sehr viel weniger Öl nach Südbayern als sonst; viele Schifffahrtswege sind zugefroren.

Auch der Transport per Bahn ist bei der Kälte schwieriger als sonst - das Heizöl flockt aus und lässt sich schwerer verladen. Eine große Raffinerie in Ingolstadt fällt gerade aus, da ihr Betreiber Petroplus Insolvenz beantragt hat.

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© SZ vom 14.02.2012/tob

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