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Hohe Mieten:Favela nach "brasilianischem Vorbild"

Alles inklusive

Dass das Paar die 50-Quadratmeter-Wohnung im Hochparterre-Hinterhof in Obergiesing ergattert hat, liegt an der Faulheit der Vormieterin. Und an deren Dreistigkeit. Um sich den Umzug möglichst einfach zu machen, ließ sie die Nachmieter unterschreiben, dass sie ihr alle Möbel abkaufen wollen und die Wohnung "lieber unrenoviert" übernehmen. Wer den Münchner Mietmarkt kennt, weiß, dass Wohnungssuchende so verzweifelt sind, dass sie so ziemlich alles akzeptieren.

Unrenoviert hieß in diesem Fall: altbauhohe Wände, die in einem interessanten Mix aus lila, grau und gelb gestrichen waren. Die Forderung verkleinerte die Konkurrenz, zumal die Wohnung über keinen rechten Winkel und ebenso wenig Sonnenlicht verfügt. Die überteuerten Möbel stehen immer noch dort, gestrichen haben die neuen Mieter dreimal, bis das Grau überdeckt war.

Favela in Giesing

Kein Wunder, dass manchem da nur noch Sarkasmus bleibt: So wie dem Verfasser einer Anzeige, die kürzlich auf der Internetseite wg-gesucht zu lesen war: Gesucht wurden "engagierte Leute für die Gründung eines Slums". Die Ansprache war unmissverständlich: "Bist du eine gescheiterte Existenz? Eine der letzten nicht erschlossenen Flächen Münchens wartet auf dich."

Konkret ging es um die Hänge des Giesinger Berges, die "nach dem Vorbild brasilianischer Favelas" mit Wellblechhütten bebaut werden sollten. Gefragt waren neben handwerklichen Fähigkeiten und Improvisationstalent auch "Erfahrung aus dem illegalen Wohnungsbau" sowie Karate. Die zu gründende "Favela Giesing" biete die Chance, seinen "privaten Traum als Kleinkrimineller zu verwirklichen". Aus der Idee wurde nichts, weil das Inserat schnell deaktiviert wurde.

© SZ vom 19.12.2017 / jesc, smüh, kg, lter/vewo
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