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Hohe Mieten:Der ganz normale Wohnwahnsinn in München

München: Serie WOHNEN IN MÜNCHEN

Wenig Platz zum Leben: Das WG-Zimmer von Cecil Beehler misst ungefähr 3,6 mal 1,4 Meter.

(Foto: Johannes Simon)
  • Nirgendwo in Deutschland zahlen die Menschen mehr Geld fürs Wohnen als in München.
  • Und die Mieten steigen weiter, ein Ende ist nicht in Sicht.
  • Die einen verlassen deshalb die Stadt, die sie sich nicht mehr leisten können, andere leben in ziemlich beengten Verhältnissen.

Kleines Heim

Wie winzig fünf Quadratmeter sein können, das war Cecil Beehler vor einem Jahr nicht bewusst. Der Student aus Orlando freute sich einfach, aus der Ferne ein Zimmer in München gefunden zu haben, das auch noch in der Nähe bei TU lag und zugleich so günstig schien. Über Skype sprach er mit seinen zukünftigen Mitbewohnern, die er über ein Internetportal gefunden hatte. Als er auf dem Bildschirm das erst Mal den Raum sah, den man ehrlicherweise Kammer nennen muss, dachte er schon: Das ist aber klein.

"Meinem US-amerikanischen Kopf fällt es leichter, sich Raumgrößen in der Maßeinheit Feet vorzustellen als in Quadratmetern, mir war nicht klar, wie winzig das Zimmer wirklich ist", sagt der 27-Jährige. Er sagte zu. Das Bett füllt nun fast den ganzen Raum, und wenn Cecil die Arme ausstreckt, kann er beide Wände berühren. Eine Kleiderstange hängt über dem Bett und ein winziger Sekretär ist sein Arbeitsplatz. Allerdings muss er sich vor dem Hinsetzen entscheiden, ob er die Tür öffnen will oder nicht.

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Seine Miete findet er mit 230 Euro "pretty good", auch wenn der Quadratmeterpreis bei stolzen 46 Euro liegt. Hinzu kommen noch 70 Euro für die Gemeinschaftskasse der WG, in der zusammen gekocht und Essen gekauft wird. Das kommt Cecil Beehler entgegen, denn lange am Stück hält er es in seinem Verschlag nicht aus: 80 Prozent der Zeit verbringt er in der Küche.

Plötzlich obdachlos

Vor einem Jahr ist Sarah Schneider (Name geändert) mit kräftigem Rumms in ein Loch im Münchner Wohnungsmarkt gefallen: Über Nacht stand sie ohne Bleibe da. Zunächst musste die Wirtschaftspsychologin aus ihrer Wohngemeinschaft in Haidhausen ausziehen, Grund: klassische Luxussanierung. Nach langer Suche fand sie eine Wohnung, die von einer Immobilienfirma überraschenderweise extra für eine WG ausgeschrieben war.

Im Treppenhaus standen beim Besichtigungstermin rund 80 Menschen, Schneider bekam die Zusage. Doch es kam nie zum Einzug. Angekündigte Baumaßnahmen fanden nicht statt, der Schlüssel wurde nicht überreicht und am Tag des Umzuges wurde der Mietvertrag schließlich annulliert. "Ich stand mit meinem Umzugslaster vor der Wohnung und musste heulen!" Über Nacht fand sie bei Freunden Unterschlupf und zog schließlich zu der Mutter eines Arbeitskollegen in der Nähe von Dachau.

Dort lebte sie drei Monate in einem Kellerzimmer zwischen Kisten und musste täglich eine Stunde zum Arbeitsplatz pendeln. "Halb so wild", sagt Schneider, "aber ich habe mich einfach nicht zu Hause gefühlt". Beratungen beim Mieterverein ergaben, dass sie in allem Elend vielleicht noch Glück gehabt haben könnte: Die Immobilienfirma sei schon öfter negativ aufgefallen. Heute wohnt Schneider rund 700 Meter von der Wohnung entfernt und sieht täglich die andauernden Bauarbeiten am Haus. "Ich bin froh, dass ich dort nie eingezogen bin."