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Hofer Filmtage:Radikal international

Die Gewinner der 54. Hofer Filmtage stehen fest

Von Bernhard Blöchl, Hof

Die 54. Hofer Filmtage sind beendet, viel Vergnügen weiterhin bei den Filmtagen. Ein Vorteil dieser hybriden Sonderausgabe ist ja, dass mit dem letzten Programmpunkt am vergangenen Sonntag nicht Schluss sein muss. So können Besucher noch eine Woche lang die Festivalbeiträge als Stream on demand sehen. Zwar nicht in den Hofer Kinos und umfunktionierten Sälen wie in den Tagen zuvor, dafür auf ihren digitalen Endgeräten, deutschlandweit. Das hat nun einen besonderen Reiz, da alle Gewinnerfilme gekürt sind.

Verpasstes kann somit leicht nachgeholt werden. Mit dem Hofer Goldpreis für die beste Regieleistung für einen ersten langen Spielfilm wurden die Münchnerin Sevgi Hirschhäuser und ihr Partner, der Kameramann und Produzent Chris Hirschhäuser, ausgezeichnet. Ihr leises, bildstarkes Drama "Toprak" handelt von einem Waisenjungen, der bei seinem Onkel auf dem Land in der Türkei aufwächst und nach dem Tod der Großmutter vor schwierigen Lebensentscheidungen steht. Die Juroren, Edgar Reitz und Bernhard Sinkel von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, waren beeindruckt "von der spürbaren Anteilnahme der beiden Filmemacher an der Geschichte ihrer Protagonisten, die eine innere Glaubwürdigkeit hat, wie sie im Kino eine seltene Ausnahme geworden ist." Mit dem Preis ist ein Goldbarren sowie die künstlerische Beratung beim nächsten Projekt verbunden. Auch der Förderpreis Neues Deutsches Kino (10 000 Euro) ging an eine internationale Koproduktion, an das deutsch-ukrainische Drama "Rivale" von Marcus Lenz. Im Zentrum seines Films steht ein Neunjähriger, der im neuen Lebensgefährten seiner Mutter den titelgebenden Rivalen sieht. Bei den Dokumentarfilmen gewann Agnes Lisa Wegner: Sie bekam den Granit-Preis (7500 Euro) für "König Bansah und seine Tochter". Auch die Regisseurin und Drehbuchautorin Emily Atef, neben Julia von Heinz ("Und morgen die ganze Welt") eine der renommiertesten Filmemacherinnen dieser Ausgabe, erhielt einen Preis: Der Hans-Vogt-Filmpreis ist mit 5000 Euro dotiert und an Filmschaffende gerichtet, "die mit Innovation und Sorgfalt ihren Filmen besondere Qualität und Wertigkeit mit auf den Weg gegeben haben und dabei besonders auf ihre Filmmusik achten". Atef präsentierte in Hof ihren Thriller "Jackpot". Den mit 60 000 Euro dotierten VGF-Nachwuchsproduzentenpreis bekam Lena Vurma von Dragonfly Films für das Biopic "Adventures Of A Mathematician". Der nicht-dotierte Filmpreis der Stadt Hof wurde einem Stammgast zuerkannt, dem Multitalent Axel Ranisch.

Die Besucherzahlen werden indes noch ausgewertet. Die Veranstalter gaben sich aber bereits zufrieden angesichts der reduzierten Kapazitäten und erschwerten Bedingungen.

© SZ vom 27.10.2020

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