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Hörenswert:Perfekt kombiniert

Das Duo Philipp Schiepek und Walter Lang

Von Oliver Hochkeppel

Er hat es auch schon richtig krachen lassen, der Gitarrist Philipp Schiepek, etwa an der Seite von Klaus Doldinger oder John Scofield, im Neo-Jazz-Quintett des Trompeters Vincent Eberle oder bei seinem vor gerade einmal zwei Jahren erschienenen Debütalbum "Golem Dance", für das er den wilden kanadischen Saxofonstar Seamus Blake an Land zog. Doch selbst noch in brachialen Stromgitarren-Soli bewahrte er sich diesen eigenen feinen Ton, den er wohl vor allem einer seltenen Doppelbegabung verdankt: Schiepek ist nicht nur Jazz-, sondern auch ein studierter, exzellenter klassischer Gitarrist. Was ihn in kürzester Zeit, und schon vor Beendigung seines Studiums, zum gefragtesten Gitarren-Sideman der hiesigen Szene machte.

In der Corona-Zeit wie alle auf sich geworfen, gewann nun seine ruhigere Seite - als Gitarrist könnte man scherzen: seine Nylon-Saite - die Oberhand. Schon für ein quasi in Quarantäne in der alten Heimat Dinkelsbühl entstandenes Trio- und Quartett-Projekt schmiedete er melancholische, verhaltene und ausschließlich auf der Akustikgitarre gespielte Kompositionen. Dann fuhr er noch einen Gang herunter: Im intimen Duo mit dem Pianisten Walter Lang entstand das Album "Cathedral", mit dem er nun sein Debüt beim Münchner Act-Label gibt.

Philipp Schiepek und Walter Lang Act

Pianist Walter Lang (links) und Gitarrist Philipp Schiepek.

(Foto: Uli Zrenner-Wolkenstein)

Mit Walter Lang und Philipp Schiepek haben sich für dieses sozusagen heruntergedimmte Projekt genau die richtigen gefunden. Ist der mehr als doppelt so alte Klavier-Routinier Lang doch ein großer, der Reduktion zugeneigter Romantiker. Der es freilich vor allem rhythmisch durchaus ebenfalls krachen lassen kann (wie im Trio Elf, dessen Gründungsmitglied er ist) und der stets die Herausforderung sucht. Das neue Duo zählt Lang dazu: "Die Kombination von Klavier mit der üblichen Jazzgitarre ist oft problematisch, deshalb habe ich seit drei Jahren über ein Duo mit akustischer Gitarre mit Nylonsaiten nachgedacht. Und während der Corona-Zeit auch dafür ungeheuer viel komponiert. Philipp ist mir schon länger aufgefallen, und so hat es sich jetzt perfekt ergeben." Perfekt auch für Schiepek: "Wir haben schon beim ersten Treffen vier Stunden am Stück gespielt und gemerkt, dass wir gar nicht groß über die Musik reden mussten."

Die Kraft einfacher Melodien leitet sie bei "Cathedral", schafft ihnen die Strukturen, auf deren Basis sie frei miteinander spielen können, unisono, polyphon oder auch als Frage-und-Antwort-Spiel. Stets ergibt sich ein musikalisches Gespräch, das zu dieser Zeit passt. Fast asiatisch meditativ wie in "Kamo", von Lang am gleichnamigen, durch das japanische Kyoto strömenden Fluss komponiert. Hymnisch wie im Titelstück oder im einzigen Schiepek-Stück "Pilgrimage". Melancholisch wie in "The World Is Upside Down", das fast nach Pandemie-Trauerarbeit klingt. Aber auch tröstlich wie bei "The Encourager". Fehlt nur noch, dass man dabei sein kann, wenn die beiden diese ergreifende Musik spielen.

Philipp Schiepek & Walter Lang: "Cathedral", Act 2021

© SZ vom 04.05.2021
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