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Hörenswert:Band-Mission mit Raketenantrieb

"SiEA" veröffentlichen ihr erstes eigenes Album und nennen es nach einer Frau, die nach den Sternen griff

Von Oliver Hochkeppel

Siea

Astronauten- statt Taucherhelm: Auf dem Debüt "Ride" fliegt die Frauen-Band SiEA mit Avantgarde-Pop und Designerin vom Meer ins All.

(Foto: Christoph Lohr)

Die Raumfahrt fasziniert und inspiriert auch Musiker. "From Gagarins Point Of View" hieß ein berühmtes e.s.t.-Album, und Michael Wollny widmete im vergangenen Jahr seine CD "Mondenkind" dem gerade verstorbenen Michael Collins, dem dritten Astronauten der Apollo-Mondlandung. In diese Reihe tritt nun die Münchner Band SiEA mit ihrem Debütalbum "Ride". Meint der Titel doch die amerikanische Astronautin Sally Ride, die 1983 als dritte Frau nach zwei Kosmonautinnen ins All flog, und die mit ihrem sensationell zur Mission passenden Namen auch schon Eingang in einige Pop-Songs gefunden hat.

Was für die von der Sängerin und Bassistin Antonia Dering vor gut vier Jahren gegründete und geleitete Truppe einen Wechsel der Sphären und Elemente bedeutet. Der Bandname SiEA ist ja eine Fusion der homonymen Wörter "sie" und "sea" - weil man ausschließlich mit Frauen besetzt ist, und weil Meer und Wasser zunächst die Ästhetik bestimmten, musikalisch wie visuell. Wogend war der "Avantgarde-Pop", wie sie ihre Mixtur aus Disco, Jazz, Techno und Poprock nennen. Im (leeren) Schwimmbad entstanden die ersten Foto-Shootings, auch an der Adria wurden Videos gedreht. Und mit Pappmaché-Taucherglocke trat Dering in den Live-Shows auf, die stets als multimediale Performances angelegt sind und in denen die Kostüme von Carlotta Dering - sonst Schneiderin an der Oper Berlin - eine große Rolle spielen.

Damit sind die Damen keineswegs abgesoffen, schon ihr erster Auftritt zog 200 Leute in die Milla, die Zugriffszahlen auf Songs und Videos waren beachtlich, und man schaffte es 2019 ins Finale des Europäischen Burghauser Nachwuchs-Jazzpreises. Trotzdem sahen Beobachter noch Luft nach oben - und genau in die hat sich SiEA mit dem überfälligen, endlich mithilfe von Bandcamp-Crowdfunding und Förderung durch die "Initiative Musik" vollendeten Albumdebüt jetzt erhoben. "Wir mussten uns als Band erst finden," erklärt Dering, "aber dieser Entwicklungsprozess fand immer vor Publikum statt."

Ursprünglich startete man als Tentett, und der Bigband-Gedanke dominierte - kamen doch alle von Orchestern wie der Jazzrausch oder der Monika Roscher Bigband. Inzwischen ist man zum Septett geschrumpft und konzentriert sich auf das Wesentliche. "Im ersten Lockdown sind wir von den Kompositionen weggegangen und haben einfach viel gejammt. Das hat uns freier gemacht und unseren eigenen Stil geformt", erzählt Dering. Kurioserweise war es also die Improvisation, die nun zu mehr Struktur und Pop geführt hat: "Wir haben weniger Jazz-Soli und dafür mehr Platz für das, was uns ausmacht." Das ist vor allem der dreistimmige Gesang von Dering, Patrizia Römer und Amélie Haidt, mit dem der Ritt a cappella auf "Wandering" schon losgeht. Aber auch die intensivere Verwendung von Elektronik und Synthesizern. So komplex und ausgetüftelt vieles ist, immer klingt es kompakt und eingängig. Pop mit Jazz-Spirit, der erst richtig Spaß macht, wenn man ihn sieht. Wie jetzt beim Release-Livestream im Import Export, bei dem sogar schon zwei neue, nicht mehr auf dem Album gelandete Songs zu erleben sind.

SiEA: "Ride", www.SiEA-music.com, Release-Livestream am Mittwoch, 5. Mai, 20 Uhr, Import Export, www.import-export.cc

© SZ vom 05.05.2021
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