Hochsaison für Einbrecher Anspruch auf finanzielle Hilfe?

In München wie auch in anderen Regionen, erzählt Helmut K. Rüster vom Weißen Ring, biete die Opferhilfsgesellschaft Betroffenen eine psychotraumatologische Erstberatung an. Wer Opfer eines Einbruchs geworden ist, kann sich bei der Organisation melden; sie vermittelt ein Gespräch mit einem Therapeuten. Den Betroffenen entstünden dabei keine Kosten, niemand müsse sich mit der Krankenkasse in Verbindung setzen. "Das soll die Hemmschwelle herabsetzen, sich Hilfe zu suchen", sagt Rüster, "viele wollen natürlich erstmal nicht zum Psychiater, weil sie sagen, dass sie doch nicht verrückt sind."

Ein Gespräch mit einem Experten wäre allerdings wichtig, um gerade langfristige Probleme zu vermeiden. So etwas helfe, die Sache realistisch einzuschätzen, sagt auch Deegener. Viele Opfer hätten nach einem Einbruch Angst, das dies wieder passieren könnte, dabei sei das ziemlich unwahrscheinlich.

Deegener warnt vor Überreaktionen: "Wem es hilft, durchwühlte Wäsche wegzuschmeißen, der soll es machen. Aber die Wäsche kann nichts dafür, dass sie durchwühlt wurde." Und ein Umzug sei eine ziemlich aufwendige Lösung. Gespräche mit einem Therapeuten seien zunächst einmal das bessere Mittel.

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Wenn Verbrecher scheitern

Der eine Einbrecher verliert auf dem Weg aus dem Laden seine Hose, der andere kämpft minutenlang mit seiner Maske. Manch ein geplanter Überfall wurde 2011 zur Lachnummer - und zum Klick-Erfolg im Netz. Ein Video-Rückblick.

Allgemein litten Betroffene nach Einbruchdiebstählen oft unter denselben psychischen Problemen, die auch Opfer von Raubüberfällen treffen, sagt Deegener. Weil aber diese direkt von den Tätern bedroht oder verletzt wurden, erhalten sie viel mehr Hilfe. Der Weiße Ring kritisiert deshalb, dass das Opferentschädigungsgesetz für Betroffene von Einbrüchen nicht greift.

Das Gesetz besagt, dass Opfer von minderschweren Gewalttaten Anspruch auf finanzielle Hilfe haben, sofern sie durch den Angriff körperliche oder psychische Schäden davontrugen. Hausbesitzern oder Wohnungsinhabern, bei denen eingebrochen wurde, wird dies mit der Begründung verwehrt, dass kein tätlicher Angriff vorlag.

Der Weiße Ring fordert, das Delikt des Einbruchs auch in den Katalog des Gesetzes aufzunehmen, da der Täter "in die verfassungsrechtlich geschützte Privatsphäre des Opfers" eindringe und damit "das für die Lebensqualität wichtige Sicherheitsgefühl" verletzt werde. "Wir fordern das seit langem", sagt Rüster, aber bei den staatlichen Stellen bewegt man sich nicht." Opfern von Einbrüchen werde oft vermittelt, dass doch nichts Schlimmes passiert sei. "Das sollten wir so nicht weiter hinnehmen", sagt Rüster.

Es ist schließlich nicht jeder mit der Ruhe eines Ottmar Hitzfeld gesegnet. Und nicht jeder hat die Mittel, nach so einer Tat erst einmal in den Urlaub zu fahren, um abzuschalten und Abstand zu gewinnen. Hitzfeld entspannte damals ein paar Tage beim Golfen. Dann flogen er und seine Frau nach Ibiza und an die Cote d' Azur.