Stadtentwicklung München baut sich ein Hochhaus

Auf einer 7000 Quadratmeter großen Brachfläche an der Einsteinstraße (links im Bild) plant die Stadt ein eigenes Hochhaus - das Gebäude links dahinter gehört dem Unternehmen Giesecke und Devrient.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Auf einem weitgehend brachliegenden städtischen Grundstück zwischen Prinzregentenstraße und Einsteinstraße soll ein 88-Meter-Hochhaus entstehen.
  • Die Stadt will das Gebäude dann selbst nutzen - für die Verwaltung oder für städtische Gesellschaften.
  • Das Hochhaus wird das fünfte und letzte eines bereits seit 2009 geplanten Ensembles sein. Wann das Hochhaus fertig ist, ist noch nicht absehbar.
Von Sebastian Krass

Vier Hochhäuser sind schon in Betrieb oder fast fertig. Nun bringt die Stadt auch das noch fehlende fünfte und zugleich höchste Gebäude des Ensembles am Vogelweideplatz im Münchner Osten auf den Weg - und zwar für sich selbst. Auf einem weitgehend brachliegenden städtischen Grundstück, das wie eine überdimensionierte Verkehrsinsel zwischen Prinzregentenstraße und Einsteinstraße am Übergang zur A 94 liegt, soll ein 88-Meter-Hochhaus entstehen.

Nach jahrelanger Pause hat die Verwaltung die Arbeit an einem Bebauungsplan wieder aufgenommen, wie das Planungsreferat erklärt. Die Besonderheit an dem Projekt: Die Stadt behält das Grundstück, sie wird das Haus bauen, im eigenen Bestand halten - und sie wird es selbst nutzen, für ihre chronisch unter Platznot leidende Verwaltung oder auch für städtische Gesellschaften.

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"Unser Grund, unser Haus", sagt eine Sprecherin des Kommunalreferats, das sich um den städtischen Immobilienbesitz kümmert. Der Stadtrat habe das Grundstück als künftigen Verwaltungsstandort reserviert. Auch eine öffentliche Nutzung sei denkbar, als mögliche Beispiele nennt sie die Volkshochschule oder eine Bibliothek. Genaueres zu den künftigen Nutzern könne man noch nicht sagen. Wann das Haus fertig wird, ist ebenfalls noch nicht absehbar. Mit der neuen Entwicklung war der Stadtrat bisher nicht befasst. "Aber es soll so schnell wie möglich gehen", so die Sprecherin des Kommunalreferats.

Das Grundstück, das nun bebaut werden soll, ist erst im Zuge des Tunnelausbaus am Mittleren Ring entstanden. Der Übergang von Prinzregenten- und Einsteinstraße zur A 94 wurde neu gestaltet, dadurch wurde das 7000 Quadratmeter große Areal frei. Der Marktwert des Grundstücks mit der geplanten Bebauung dürfte im Bereich von 70 Millionen Euro liegen, ist aus der Immobilienbranche zu hören.

Im 2009 entschiedenen Architektenwettbewerb für das Hochhausensemble, das damals als "Bogenhausener Tor" firmierte, war dieses Grundstück schon Teil der Überlegungen. Bei der Erstellung des Bebauungsplans wurde auch analysiert, ob die Hochhäuser sich störend auf wichtige Sichtachsen auswirken würden. Das sei mit den inzwischen bereits gebauten Höhen von 46 bis 83 Metern und der noch ausstehenden Höhe von 88 Metern nicht zu befürchten, so das Ergebnis.

Im Gegenteil, das Ensemble galt als Aufwertung eines unattraktiven Teils der Stadt, auch als eine Art Tor in die Stadt von Osten her. Es tauchte aber ein anderes Problem auf: Ein Nachbar erhob Einspruch. Das Unternehmen Giesecke und Devrient (G+D), das gegenüber auf der anderen Seite der Prinzregentenstraße seine Zentrale hat, machte ein Sicherheitsrisiko geltend, weil dort Geldscheine hergestellt würden und man aus dem Hochhaus die Logistik im Firmenhof ausspähen könnte. Außerdem würden die Bauarbeiten Erschütterungen auslösen, die die sensible Produktion der Banknoten stören würden.

Vier Hochhäuser des Ensembles sind bereits weitgehend fertiggestellt, nun soll auch das fünfte entstehen.

(Foto: Abbildung: Nieto Sobejano/Bearbeitung: SZ)

Derzeit ist die Verwaltung damit beschäftigt, Gutachten zu überarbeiten

Daraufhin entschied die Stadt, den Bebauungsplan aufzuteilen: Den Teil für den Bereich südlich der Einsteinstraße verabschiedete der Stadtrat im Jahr 2014. Der Teil nördlich der Einsteinstraße wurde zurückgestellt. Im Frühjahr 2018 zog G+D, das in den nächsten Jahren selbst einen großen Neubau plant, seinen Einspruch zurück, wie ein Unternehmenssprecher erklärt, "da wir in München keine Banknoten mehr produzieren".

Damit konnte die Stadt das Hochhaus-Projekt wiederbeleben. Derzeit ist die Verwaltung damit beschäftigt, Gutachten zu überarbeiten und neue einzuholen, weil das erste Bebauungsplanverfahren inzwischen zu lang her ist. So soll die Planung auf den neuesten Stand gebracht werden. Daraufhin wird ein Billigungsbeschluss erarbeitet und in den Stadtrat eingebracht. Ein Termin dafür sei noch nicht absehbar, erklärt das Planungsreferat. Auch die Öffentlichkeit soll noch einbezogen werden. Bis der Stadtrat den Bebauungsplan mit einem Satzungsbeschluss fixiert, werden noch einige Jahre vergehen. Erst dann kann gebaut werden.

Das Erscheinungsbild des neuen Gebäudes wird sich an den vier schon gebauten Hochhäusern orientieren, da in dem Architektenwettbewerb alle fünf Gebäude gemeinsam geplant wurden. Gewonnen hatte den Wettbewerb das Büro Nieto Sobejano aus Barcelona. Aus diesem Entwurf war "ein Gestaltungsleitfaden mit Masterplan" entstanden, der auch für das fünfte Gebäude gelte, wie das Planungsreferat erklärt.

Die vier bestehenden Hochhäuser, die inzwischen als "Bavaria Towers" vermarktet werden, sind in der Hand eines privaten Firmenkonsortiums, das die Grundstücke von privaten Eigentümern gekauft und die alten Gebäude abgerissen hatte. In einem der Gebäude ist ein Vier-Sterne-Hotel der Marke "Hyperion" untergebracht. Die anderen drei dienen im Wesentlichen der Büronutzung.

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