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Hip-Hop:Gute Vibes

Das Debüt des Münchner Rappers Saibou

Von Vivian Harris

Der durchtrainierte, mit Tattoos übersäte Oberkörper gehört dazu. Oft auch teure Autos, das ein oder andere Rauschmittel und eine ebenso breitgebaute Crew. Einige der Klischees des prolligen Gangster-Rappers bedient Sinan Saibou. In seiner Debüt-Single "Hands Up" rappt er von Bugattis und Dübeln, Party und Money und sagt schließlich: "Sie will mich, einen Gangster."

Saibou

Sinan Saibou.

(Foto: Ewelina Bialoszewska)

Der Begriff ist in der Hip-Hop-Szene Lebenseinstellung und Charaktereigenschaft zugleich. Wer Gangster ist, ist hart und real, hat Street Credibility und die meisten Frauen sowieso. Manchmal ist es auch einfach ein Füllwort. "Heute kann man so viel machen", sagt Saibou. "Und davon mach ich alles." Der gebürtige Togolese ist mehr als das Klischee, mit dem er spielt: Er ist Tänzer und Coach, Fitnesstrainer und Unternehmer, Model und Influencer. Und gelernter Einzelhandelskaufmann. Mit Musik, vor allem Hip-Hop, wächst Sinan Saibou auf. Tupac und Biggie sind seine Vorbilder - die, mit denen er sich als Schwarzer in München identifizieren kann. Deren Worte, sagt er, die habe er fühlen können. Inspiriert vom Spielfilm "Street Style" entdeckt er als Teenager dann seine Leidenschaft fürs Tanzen. Über die Jahre macht sich Saibou einen Namen in der Münchner Hip-Hop-Szene und hilft, diese weiterzuentwickeln: Mit seiner Tanzschule "The Spot", die er 2017 gründet, will er besonders Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten fördern - ihnen einen Ort geben, ihre Aggressionen in Dance Moves umzuwandeln.

Einige seiner Schüler hat er nun auch für das Musikvideo seiner ersten Single "Hands Up" engagiert. Nicht der einzige Aspekt seines Tausendsassa-Daseins, den Saibou in seinem Debüt unterbringt: Für seine 116 000 Follower auf Instagram, die er sich über reichweitenstarke Model- und Tanz-Jobs erarbeitet hat, kreiert der 29-Jährige die "Handsup-Challenge": Fans filmen sich dabei, wie sie Sequenzen aus seiner Choreografie nachtanzen. Es funktioniert: Nach gut zwei Wochen hat sein Musikvideo bereits über 50 000 Aufrufe auf Youtube. Mit seinem ersten Album, das im Frühjahr folgen soll, ist er entschlossen: "München auf die Karte bringen und einfach nur für gute Vibes sorgen." Das könnte Saibou gelingen und er damit ziemlich schnell ziemlich erfolgreich werden.

© SZ vom 05.12.2020
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