bedeckt München
vgwortpixel

Hip-Hop:Der Blumentopf ist tot, lang lebe der Blumentopf

www.christoph-neumann.com; Blumentopf Bandporträt

Teil der deutschen Hip-Hop-Geschichte: die Münchner Band Blumentopf.

(Foto: Christoph Neumann Photography)

Nach 24 Jahren ist Schluss: Die Münchner Hip-Hopper bereiten sich auf ihr letztes Konzert vor. Jetzt stellen sie eine Band-Biografie vor, die mehr ist als ein Buch für Fans.

Wir sind draußen! Als die vielleicht wichtigste Münchner Hip-Hop-Truppe Blumentopf im vergangenen Oktober offiziell bekannt gab, dass sie die Geräte abschalten und die Reimbücher zuklappen, sprich: sich auflösen will, war die Reaktion Enttäuschung, möglicherweise auch ein bisschen Häme. Vor allem dürften die Leute aber einfach überrascht gewesen sein, dass nach dem Abschiedskonzert am kommenden 22. Oktober im Zenith nach 24 Jahren Blumentopf Schluss sein soll.

Ziemlich überrascht waren, so Band-Mitglied Wunder alias Bernhard Wunderlich, wegen der unerwartet großen Resonanz auch Blumentopf selbst. Ihre Entscheidung haben die fünf Musiker trotzdem nicht revidiert. Im Gegenteil hätten sie die Reaktionen noch bestärkt. Denn "wir wollten aufhören, solange das Ganze noch Relevanz hat".

Pop Frank Oceans Lied für Mama
Pop

Frank Oceans Lied für Mama

Der R'n'B-Star Frank Ocean hat seine Anhänger jahrelang warten lassen. Jetzt überschüttet er sie mit einem Musikfilm, Zeitschriften, und endlich neuen Songs.   Von Juliane Liebert

Das mit der Relevanz wurde auch beim Antje Kunstmann Verlag so gesehen. Und deswegen folgte auf die Abschiedsbotschaft der Hip-Hopper bald darauf die Anfrage von Seiten des Verlags: Ob sie sich nicht vorstellen könnten, gemeinsam ein Buch über den Blumentopf zu machen. Das Ergebnis "Blumentopf 1992-2016. 24 Jahre deutsche Hip-Hop-Geschichte" erscheint am Donnerstag und wird Donnerstagabend von der Band und ausgesuchten Gästen im Ampere vorgestellt. Dass der Impuls zum Buch nicht von der Band oder dem Management ausging, sondern eben direkt vom Verlag, das ist, so darf man sagen, durchaus ein Glücksfall.

Denn es ist kein übliches "Fan-Buch" geworden, kein schönes Bilderbuch für den Devotionalien-Schrein. Sondern ein Buch, aus dem man tatsächlich etwas über deutsche Hip-Hop-Geschichte erfährt. Klar, Bernhard Wunderlich, Cajus Heinzmann, Florian Schuster, Roger Manglus und Sebastian Weiss alias Sepalot durften auch in alten Fotokisten, Reimbüchern und Erinnerungen kramen, von ihren Anfängen in Freising und Unterschleißheim erzählen. Von wichtigen Band-Etappen, den Alben oder dem Tour-Leben.

Ansonsten äußern sich in dem von Jenny Bohn herausgegebenen Band aber vor allem Freunde und Kollegen wie Smudo, Fettes Brot oder Fatoni sowie andere Wegbegleiter, Fans und Journalisten. Und sie tun das, was auch Bernhard Wunderlich gefallen hat, sehr ehrlich. Weshalb es im Buch auch kritische Worte gibt.

"Mittelschichtsrapper" und "Eierschaukeln"

So wird an das Blumentopf-Bashing erinnert, das Anfang der Nullerjahre mit dem Aufstieg des Aggro-Berliner-Straßenrap à la Bushido in Mode kam. Dass man sie als "Mittelschichtsrapper" aus dem Reihenhaus bezeichnet hat, damit hatten sie laut Wunderlich aber nie wirklich ein Problem. Im Gegenteil. Dass sich die Blumentöpfe nie verstellt haben, sich nie übertrieben ernst genommen haben, ihnen das Wortspielen, Freestylen, Storytelling immer wichtiger als das "Eierschaukeln" war, gerade das bringt ihnen bis heute Sympathien ein.

Das offizielle Abschlusskonzert war nach wenigen Stunden ausverkauft. Für die zusätzlich angesetzten vier Abschiedskonzerte im Oktober gibt es ebenfalls keine Karten mehr. Wer will, kann die Hip-Hopper dafür bei ihrer ersten Buchpräsentation erleben.

Blumentopf 1992-2016, Buchpräsentation am Do., 25. August, um 21 Uhr im Ampere, Zellstr. 4

Haftbefehl Wird die Welt schlechter, weil man darüber rappt?

Hafti und Xatar als Coup

Wird die Welt schlechter, weil man darüber rappt?

Haftbefehl und Xatar rappen auf "Der Holland Job" über einen gar nicht so fiktiven Kunstraub - und zeigen bemerkenswerte rhetorische Kniffe. Dann kommt der Bonus-Track "AfD".   Von Jan Kedves