Münchner Volkstheater:Verschwistert und entzweit

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Münchner Volkstheater: Nach der Uraufführung in Worms hat "hildensaga" nun Premiere im Volkstheater.

Nach der Uraufführung in Worms hat "hildensaga" nun Premiere im Volkstheater.

(Foto: Arno Declair)

Einmal Nibelungen, einmal Dostojewski: Das Volkstheater bringt mit "hildensaga. ein königinnendrama" und "Die Brüder Karamasow" zwei Premieren an diesem Wochenende heraus.

Von Yvonne Poppek

Der Titel verrät es schon: Die männlichen Helden haben ausgedient, jetzt werden die Frauen besungen. "hildensaga. ein königinnendrama" hat Ferdinand Schmalz sein Stück genannt, das er für die diesjährigen Nibelungen-Festspiele in Worms geschrieben hat, alles in Kleinbuchstaben gedruckt, da hat der Autor ein Faible dafür. Im Sommer wurde es auf der Freilichtbühne vor dem Kaiserdom uraufgeführt. Regisseur Roger Vontobel und Bühnenbildner Palle Steen Christensen hatten dabei auf viel Wasser gesetzt und für das Spiel ein riesiges Becken aufbauen lassen. Schon damals stand fest, dass Schmalz' Version des Nibelungenliedes als nächstes im Münchner Volkstheater zu sehen sein wird. An diesem Freitag, 2. Dezember, hat es dort Premiere.

Die Lust auf größere Wasserfluten dürften sich hier vermutlich nach dem Wasserschaden in Folge eines fehlausgelösten Feueralarms vor einem Jahr in Grenzen halten. Für das Stück ist das auch nicht notwendig. Schmalz erzählt die Sage um Siegfried, den Drachentöter, den Burgunderkönig Gunther, dessen Schwester Kriemhild und die isländische Königin Brünhild aus der Perspektive der beiden Hilden. Sie sind zunächst wie Spielkarten in den Händen der Männer, verheiratet gegen ihren Willen. Brünhild, die starke Königin, die sich auflehnt und ihren Mann Gunther in der Hochzeitsnacht geknebelt an einen Nagel hängt, wird die Nacht darauf mit Hilfe des berühmten Tarnkappen-Tricks Siegfrieds vergewaltigt. Bei Schmalz werden aus den beiden Feindinnen nun Verbündete, das Stück endet im Nibelungenlied-konformen Blutbad, doch diesmal ist das Metzeln ein anderes.

Für die zweite Inszenierung des gut gebauten und erzählten Dramas hat das Volkstheater die 1988 geborene Wiener Regisseurin Christina Tscharyiski geholt. Sie hatte vor knapp drei Jahren - damals noch im alten Haus - die Uraufführung von Stefanie Sargnagels "Am Wiesnrand" auf die Bühne gebracht; zudem waren zwei ihrer Produktionen zum Festival "Radikal jung" eingeladen, wo eine auch den Publikumspreis erhielt. Sie ist also im Volkstheater keine Unbekannte.

Das richtige Heimspiel allerdings hat dann doch zwei Tage später Intendant Christian Stückl. Er hat sich entschieden, in dieser Spielzeit einmal eine kleinere Bühne auszuprobieren. In seiner Regie kommt auf der Bühne 2 "Die Brüder Karamasow" nach dem letzten Roman von Fjodor Dostojewski heraus. Um die Geschichte eines Justizirrtums, komplizierter Familienverhältnisse und unterschiedlicher Haltungen zu erzählen, hat er das Personal des Romans konzentriert. Im Zentrum stehen die drei sehr unterschiedlichen Brüder Dimitri, Iwan und Aljoscha, die einander lediglich in ihrem Vaterhass verbunden sind. Als das Familienoberhaupt ermordet wird, sprechen alle Indizien dafür, dass Dimitri der Täter ist. Doch die Frage nach Schuld und Mitschuld ist damit nicht geklärt. Das passiert erst im Verlauf des Romans - und nun auch im Volkstheater.

hildensaga. ein königinnendrama, Premiere, Fr., 2. Dezember, 19.30 Uhr; Die Brüder Karamasow, Premiere: So., 4. Dezember, 20 Uhr, Volkstheater

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