Herzogpark:Wippe auf der Kippe

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Streit um gewünschten Spielplatz im Herzogpark nimmt kein Ende

Von Ulrike Steinbacher, Herzogpark

Im Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen wird seit gut zwei Jahren ein Kleinkrieg ausgetragen, der es ab und zu auch auf die Tagesordnung der BA-Sitzungen schafft, das nächste Mal am Dienstag, 13. Oktober. Thematisch geht es um einen Spielplatz im nördlichen Herzogpark. Da passt es vielleicht ganz gut, dass die Debatte zuweilen an einen Knatsch unter Kindergartenkindern erinnert. Oder an eine Posse.

Die Handlung im Zeitraffer: Im September 2013 schlug die SPD vor, im Grüntal einen neuen Spielplatz anzulegen. Das Baureferat war grundsätzlich einverstanden, die anderen Parteien im Bezirksausschuss aber nicht. Böswillige könnten den Grund darin vermuten, dass der Vorschlag von der SPD kam und dass im Herbst 2013 gerade Wahlkampf herrschte. Die Parteien selbst führten Sachargumente an: die CSU den Landschaftsschutz, die Grünen den Schutz einer seltenen Wasserschnecken-Art, die FDP den Schutz der Kinder vor Gassi gehenden Hunden. Ein halbes Jahr später schoben Christsoziale und Liberale ein neues Argument nach: Im Herzogpark gebe es überhaupt niemanden, der einen Spielplatz wolle. Kein Bedarf.

Daraufhin meldete sich - inzwischen war es Juni 2014 - eine Mutter aus dem Herzogpark und überreichte dem Bezirksausschuss einen Antrag mit den Unterschriften von 28 Familien, die zusammen 59 Kinder haben und gerne einen Spielplatz möchten. Die FDP plädierte für Ablehnung, zum Teil wohnten die Unterzeichner ja nicht einmal im Herzogpark. Die CSU aber änderte die Taktik - Böswillige würden sagen, sie handelte nach der Maxime: Was man nicht verhindern kann, kann man verzögern. Die Christsozialen also forderten erst einmal eine zweite Bedarfsprüfung des Baureferats, das seine Zustimmung ja eigentlich schon im November 2013 signalisiert hatte.

Damit sorgte die CSU für das retardierende Moment der Handlung, wie es zu jedem ordentlichen Drama gehört: für die Szene nach dem Wendepunkt, die das Ende wieder in weite Ferne rücken lässt. In diesem Fall dauert das retardierende Moment nun schon ein Jahr und drei Monate. Die Verwaltung jedenfalls prüfte also den Spielplatz-Bedarf erneut, fand, er bestehe weiterhin, und entwarf ein Konzept. Die Mehrheit im BA reagierte mit der Forderung nach einer zusätzlichen Ortsbesichtigung, der zweiten nach Januar 2014.

Dieser neue Ortstermin ist jetzt für Donnerstag, 8. Oktober, geplant. Noch am selben Abend soll das Thema im Unterausschuss Planung diskutiert werden (19.30 Uhr, Gaststätte Pyrsos, Englschalkinger Straße 206), am Dienstag, 13. Oktober, wird es im Bezirksausschuss selbst auf der Tagesordnung stehen (19.30 Uhr, Gehörlosenzentrum, Lohengrinstraße 11). Ob das Theater dann ein Ende findet, und vor allem, ob die Kinder aus dem Herzogpark doch noch zu einem Spielplatz kommen, ist offen.

© SZ vom 07.10.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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