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Hertzkammer:Ausgebildete Ästhetik

Zwei klassische Musikerinnen widmen sich der Popmusik

Von Anna Weiss

Die Kombination von klassischer Geige und elektronischer Musik eröffnet ein weites Feld. Im Mainstream wird sie gerne und erfolgreich - siehe David Garrett und Lindsey Stirling - zu pathetischen Stücken mit Ufftata-Beats getrieben, doch es geht auch ganz anders. So eröffnet das Müncher Duo Fallwander, bestehend aus der Geigerin Teresa Allgaier und der Komponistin Theresa Zaremba, mit seinen Stücken komplexe Klangwelten von ätherisch-starker Schönheit. Das Stück "Spleen" etwa klingt flächig und schwebend: Es beginnt mit Allgaiers durch Effektgeräte elektronisch modifiziertem Geigenspiel, an das sich Zarembas Gesang melancholisch und pur anschließt.

"Die Songs sind extrem von den Texten geprägt", sagt Theresa Zaremba. Allgaier und sie teilen sich das Songwriting, diejenige die singt, hat auch getextet und ist für die grobe Songstruktur verantwortlich. Danach entwickeln die beiden die Stücke gemeinsam weiter, um so die "einzigartige Klangästhetik" zu schaffen, die sie ihrer Musik zuschreiben. "Wir haben diese Art, Musik zu machen, diesen Geschmack, zusammen entwickelt", so Zaremba. Die beiden Musikerinnen kennen sich seit der fünften Klasse, sind beide ursprünglich Geigerinnen und haben zusammen "die Orchesterbank" gedrückt. Nach der Schule hat Allgaier Geige in München und London studiert, Zaremba hat unter anderem den Studiengang Komposition für Film und Medien in München abgeschlossen. Das Studium habe sie dafür sensibilisiert, verschiedene Stimmungen und Ästhetiken wahrzunehmen - diese Sensibilität legen sie nun bei Fallwander in ihre Songs.

Auch in einer weiteren Hinsicht war das Studium maßgeblich an der Entstehung von Fallwander beteiligt: An der Hochschule erst habe Zaremba einen richtigen Zugang zu der Welt der elektronischen Musik bekommen und sich einen Synthesizer zugelegt,erzählt sie. Gemeinsam experimentierten sie damit, 2019 schlossen sie sich zu Fallwander zusammen. Mit Geige, Klavier, Synthesizer, Samplingpad und einem Rechner traten sie auf Festivals wie dem "Tunnel Visions" in München auf und spielten auch im Ausland. Voraussichtlich im Herbst soll das Debütalbum des Duos erscheinen, am Samstag konzertieren sie im Import-Export-Livestream.

Fallwander, Sa. 8. Mai, Import Export, www.import-export.cc, 20 Uhr, Eintritt frei, Spendenmöglichkeit

© SZ vom 06.05.2021
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