Auch wenn die derzeitige gesellschaftspolitische Lage eher düster erscheint, versuchen die Herrenchiemsee Festspiele einen Lichtblick zu schaffen. „Zeit der Blüte“ lautet das diesjährige Motto und richtet damit den Blick auf die natürliche Wiederkehr von Schönheit und Entwicklung. Selbstverständlich darf der Bezug zum König Ludwig II. nicht fehlen, dem das Festival ihren Veranstaltungsort verdankt. Der exzentrische Wagner-Mäzen glaubte sich ebenfalls in einer aufblühenden Zeit, in der Fortschritt und Innovation vorherrschten.
Aufblühen soll nun die Musik. Geschäftsführender Intendant Josef Kröner, der seit dem Tod des einstigen Mitbegründers Enoch zu Guttenberg im Jahr 2018 die vollständige Leitung innehat, setzt dabei auf die Sakralmusik von Mozart sowie auf die Symphonien von Brahms. Die Festspiele liefern innerhalb der knapp zwei Wochen ein konzentriertes Programm. Von barocker Virtuosität über Wiener Klassik bis zu romantischer Symphonik ist alles dabei.
Der Auftakt der Festspiele findet im Münster auf der Frauenchiemsee-Insel statt – mit Bach, wie es schon bei der ersten Auflage der Konzerte auf der Insel der Fall war. Zu hören ist ein britisches Ensemble rund um Dirigenten Paul McCreesh und dem Chor der Gabrieli Singers, die bereits 2023 das Festival eröffneten. Zwei Tage später ertönt bei einem „Gipfeltreffen“ der Romantik auch im Ludwig-Schloss auf Herrenchiemsee die Musik. Das Orchester der Westdeutschen Sinfonia Leverkusen unter der Leitung von Dirk Joeres versucht sich dabei an Beethovens Egmont-Ouvertüre, an Dvořáks Konzert für Violine zusammen mit der Stargeigerin Rebekka Hartmann sowie an Brahms’ 4. Symphonie.

Besonders die finalen Tage des Festivals haben es in sich. Zu erwarten ist hier musikalische Prominenz, unter anderem Mozarts unvollendete Messe in c-Moll, geleitet vom Schirmherrn Kent Nagano. Kontrastierend dazu, und doch vergleichbar fulminant, sind am 26. Juli eine Reihe von Barockkonzerten von Vivaldi, Corelli und Co. angesetzt, bei denen das Ensemble der Giardino Armonico gemeinsam mit dem Virtuosen Dmitry Smirnov ihr Können unter Beweis stellen dürfen.
Den Ausklang der Festspiele bildet die Messkomposition schlechthin, mit der auch Mozarts Meisterwerk verglichen wird: Bachs monumentale h-Moll-Messe. Das abschließende Konzert wird ebenfalls von Nagano geleitet, der das Orchester und den Chor der KlangVerwaltung sowie die Solisten Elisabeth Breuer, Olivia Vermeulen, Martin Platz und Florian Götz zu musikalischen Höchstleistungen führen will. Gewiss ein adäquater Abschluss für ein außerordentliches Programm.
Herrenchiemsee-Festspiele, vom 15. bis zum 27. Juli, Infos unter www.herrenchiemsee-festspiele.de

