Der Klangteppich ist aus Unterholz gemacht. Und aus Baumkronen. Aus niederbayerischen Wäldern, dem peruanischen Dschungel. Die elektronischen Sounds von her tree, dem Projekt der Musikerin Alexandra Cumfe, stammen aus der Natur.
Das ist mal ganz deutlich zu hören, wenn es in Songs wie „upside down“ im Hintergrund zirpt. Das Klopfen eines Spechts wird in einen elektronischen Beat umgewandelt, das Knacken von Ästen, das Rauschen von Blättern. Dazu singt Cumfe mit klarer Stimme, die sich oft zart und schlicht über die aufwendig produzierte Musik legt.
Was mit spontanen Naturaufnahmen bei Waldspaziergängen startete, wurde für Cumfe der Wendepunkt ihrer musikalischen Karriere. Früher hat sie auf Bairisch gesungen, die Musik von her tree ist englischsprachig. Im Jahr 2018 entstand das Projekt, nachdem sie eigentlich Abstand von der Musikbranche neben wollte. Waldspaziergänge mit ihrem Hund inspirierten sie dazu, die Geräusche um sich herum aufzunehmen.
Manche Songtitel nehmen auch Bezug auf die Natur, etwa „same moon“. Mittlerweile nimmt sie nicht mehr mit dem Handy auf, sondern mit einem Field Recorder, um noch mehr Töne einzufangen. Diese übersetzt sie gemeinsam mit ihrem Produzenten Maximilian Spindler in Musik, indem sie die Aufnahmen mit dem Sampler verfremden, bis es keine Geräusche von Tieren und Pflanzen mehr sind, sondern sie zu Instrumenten werden.
Und das ist das Überzeugende an Cumfes Musik: die Subtilität, mit der Spindler und sie die Natur in Lieder übersetzen. Was auf dem Papier durchaus als waldpädagogische Gruppenarbeit durchgehen könnte, klingt als Song sphärisch, modern und nicht nach Funktionsjacke, sondern nach Electro-Pop mit sich zart verästelnden Tonspuren. Manche der Stücke sind meditativ, wie ein vertontes Waldbaden, andere entwickeln einen düsteren, tanzbaren Sog wie „out of the woods“.
Ihr Debüt veröffentlichte sie 2021, nun erschien im Juli das Nachfolge-Album „Shape Shift“. Neben den gesammelten Klängen der letzten vier Jahre vergangenen Jahr war sie mit einer Primatologin tief im peruanischen Dschungel unterwegs, um dort Naturgeräusche aufzunehmen und dort etwa die Schreie von Affen zu verewigen. Auf ihrem Instagram-Kanal sieht man sie in einem Video dazu sehr glücklich in Gummistiefeln und mit Field Recorder in der Hand im Dschungel stehen. „Jungle“ heißt auch der letzte Song auf dem neuen Album, das sie beim Theatron präsentiert.
Her tree, Freitag, 22. August, 19 Uhr, Theatron im Olympiapark

