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Helmut Fischer zum 10. Todestag:"Spatzl schau, wie i schau"

Vor zehn Jahren starb Helmut Fischer - doch seine Paraderolle als Monaco Franze wird ewig leben. Freunde und eine Ausstellung erinnern an den "Monaco Franze".

Claudia Wessel

Er ist zurückgekehrt in sein Lieblingscafé, das "Café Münchner Freiheit", in dem er einst mit seiner "Frühstückrunde" tagte. Genau zehn Jahre nach seinem für die meisten Menschen überraschenden Krebstod am 14. Juni 1997 - nur seine Frau Utta und die engsten Freunde wussten von der Erkrankung - ist Helmut Fischer alias Monaco Franze wieder da. In großformatigen Fotos ist er nun auch in den Caféräumen präsent, nicht mehr nur draußen auf dem Platz, wo sein Abbild aus Bronze bereits seit September 1997 sitzt.

Sein Blick, seine Mimik, sein trockener Humor und seine Stimme sind heute Abend bei der Eröffnung der Ausstellung mit Freunden und Weggefährten ganz nah. Fotos und Textausschnitte aus dem 2006 im Verlag Langen-Müller erschienenen Buch "Helmut Fischer, der unsterbliche Stenz" von Sybille Krafft hängen rundum an den Wänden.

Urbild des bayerischen Playboys

Die leichte Verzweiflung in seinem Gesichtsausdruck, die Mischung aus Unsicherheit und Casanova-Look und der Schalk in seinen Augen kommen allen, die ihn persönlich oder auch nur vom Bildschirm kannten, wieder in Erinnerung, erst recht, wenn zur Begrüßung seine Stimme aus den Lautsprechern erschallt. "Spatzl, schau wie i schau" singt der Mann, der von Regisseur Helmut Dietl mit dessen Fernsehserie "Monaco Franze, der ewige Stenz" zum Urbild des bayerischen Playboys wurde.

Eine lange "Karriere" als erfolgloser Kleindarsteller ging dem großen Coup als Monaco Franze voraus. 57 Jahre alt war Helmut Fischer bereits, als er plötzlich als Frauenheld groß raus kam. Die zahlreichen Freunde, die in dem Buch zu Wort kommen, berichten davon, wie Fischer sich natürlich über seinen Erfolg freute, die späte Entdeckung aber auch bedauerte.

Nur 14 Jahre lang konnte er die Traumrolle eines jeden Mannes genießen. Zu seinem 70.Geburtstag hatte er sich schon vorher passende Antworten auf potentielle Journalistenfragen bereitgelegt. Etwa: "Siebzig Jahre Helmut Fischer. Wie fühlt man sich da?" Antwort: "Miserabel. Ich hör sie schon reden, die Leut. Was? Siebzig ist der schon? Ja mei. Er, der Stenz! Jetzt is' aus mit'm Weiberaufreißen. Nix mehr. Schluss. Hi hi."

"Das war die Zeit, in der er noch ein bisschen rumgegammelt hat"

Zwar kurz, aber nachhaltig war seine Karriere. Heute, zehn Jahre nach Fischers Tod, ist die Schwabinger Prominenz versammelt und denkt an ihn. "Ich hab ihn erlebt in der frühesten Zeit, Mitte der 50er Jahre", erinnert sich die "Schwabinger Gisela", Gisela Jonas-Dialer, 78, damals mit ihrem Lokal "Bei Gisela" in der Occamstraße und den vor ihr dort vorgetragenen verruchten Chansons berühmt geworden. "Damals war er noch nicht bekannt. Da hab ich ihn immer sehr gerne zu einem Drink eingeladen. Das war die Zeit, in der er noch ein bisschen rumgegammelt hat."

Auch Wolfgang Roucka, der gemeinsam mit Buchautorin Sybille Krafft die Ausstellung gestaltet hat, sagt: "Wir sind uns öfters mal Anfang der 80er Jahre begegnet. Ich kam von der Arbeit, und er war gerade aufgestanden."

"Es war immer toll, ihm zuzuhören", erinnert sich Petra Perle. "Wenn er sich mit Utta unterhalten hat, allein das war schon ein Theaterstück." Ja, sein "wirkliches Spatzl", Utta Fischer-Martin, ist natürlich ebenfalls da an diesem Abend und weiß noch, wie 1950 alles anfing. "Vor allem war er sehr lustig. Ich hab mich mein Leben lang nie mit ihm gelangweilt."

Franz Geiger, Oliver Storz, Ilse Neubauer erzählen ebenfalls ihre Erinnerungen. Edith von Welser-Ude liest den Text ihres Mannes Christian Ude aus dem Buch vor, in dem man erfährt, dass Fischer sich in jedem Café den "Katerplatz" suchte. Den, an dem sich Sehen und Gesehenwerden am besten kombinieren ließ. Fest steht: Helmut Fischer wird vermisst. Nicht nur bei der Frühstücksrunde, die in alter Treue immer noch regelmäßig tagt.

© SZ vom 15.06.2007
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