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Helmut Fischer:,,Immer lässig und von etwas windiger Eleganz‘‘

In diese verpflichtende Tradition wurde Franz Münchinger, genannt ,,der Monaco Franze'' im Sommer des Jahres 1933 hineingeboren. . .zwischen Westend und Schwanthalerhöh', dort wo die Kazmair- der Ligsalzstraße begegnet. Heute noch hat man den Eindruck, dass die beiden Straßen sich dort ursprünglich zu einem Platz vereinigen wollten - aber bei der Ärmlichkeit des Viertels und seiner Bewohner hat es halt nur zu einer Kreuzung gereicht.

So, wie es bei dem blonden, blauäugigen Änderungsschneider Franz Münchinger senior und seiner Frau, der blonden, blauäugigen Aushilfskellnerin Maria auch nur zu dem verdächtig dunkelhaarigen und braunäugigen Franz junior gerecht hat.''

Über sein Verhältnis zu seinem Spatzl Annette von Soettingen und den Frauen: ,

,Der Monaco Franze, sonst von beinahe widerspruchslosem Gehorsam seiner geliebten Annette gegenüber - er respektierte in ihr immer noch die Dame aus der besseren Gesellschaft -, muckte auf. Nicht etwa, weil er seinen Beruf so liebte, sondern aus privateren Motiven... Schon über die Mitte vierzig hinaus, aber jünger aussehend, erlebte der Monaco Franze gerade sowas wie einen zweiten Frühling, einen Anflug von Midlife-crisis... eine etwas regressive Phase, in der er mit Wehmut seines früheren Frauenheldentums gedachte.

So wurden die Abende immer häufiger, an denen Annette bis weit nach Sendeschluss vor dem Testbild dasaß und auf ihren Franz warten musste. Und die Geschichten, die der Spätheimkehrer dann jeweils auftischte, wurden von Vollmond zu Vollmond immer abenteuerlicher und widersprüchlicher. Frau von Soettingen begann, sich Sorgen zu machen.

Nicht etwa, dass sie Angst gehabt hätte, ihr angetrauter, angegrauter Altstenz könnte sie nach zwanzig Jahren glücklicher Ehe plötzlich verlassen - sie fürchtete auch nicht die Konkurrenz jener jüngeren Schneeflocken und Rauschgoldengel, die ab einem reiferen Alter gerne die Alpträume von Ehefrauen bevölkern.

Ihre Sorge war weit profanerer Art. Wenn sie ihren Monaco Franze so anschaute, wie er nach einem langen Kriminalbeamtentag ohne Rücksicht auf seine Gesundheit noch freiwillig Überstunden in Sachen Nachstellung und Verfolgung auf sich nahm, musste sie sich als weise und vorausblickende Frau doch ihre Gedanken machen.

Mit Hilfe des Herrn Professors Hallerstein, Chef eines Großklinikums und alter Freund der Familie Soettingen, gelang es der netten Annette, ein so vernichtendes Gutachten über den Gesundheitszustand ihres Mannes beizubringen, dass dem Frührentnertum des Monaco Franze nichts mehr im Wege stand.''

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